Dax: Deutscher Aktienmarkt ist anfällig für gravierende Korrektur
Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt steht unter Druck. Der Leitindex Dax ist am Montag unter die Marke von 25.000 Punkten gefallen, nachdem der Zollstreit zwischen den USA und Europa wieder aufgeflammt ist. Eine Kurskorrektur könnte nun deutlicher ausfallen, zeigt die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment.
Für das Dax-Sentiment befragt das Handelsblatt jede Woche von Freitagmorgen bis Samstagnacht knapp 10.000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Das aktuelle Ergebnis bildet damit mehrheitlich die Stimmung der Anleger ab, bevor US-Präsident Donald Trump zusätzliche Strafzölle für Deutschland und sieben weitere europäische Länder ankündigte. Die Abgaben sollen ab dem 1. Februar gelten, bis Europa Trumps Pläne unterstützt, Grönland von Dänemark zu erwerben.
Der Dax zeigte zwar bereits zum Ende der vergangenen Woche Schwäche, der Anlegerstimmung (Sentiment) tat das aber keinen Abbruch. Mit plus 3,3 Punkten war sie zum Zeitpunkt der Umfrage immer noch auf hohem Niveau. Ab vier Punkten gilt die Stimmung als extrem gut.
Immerhin 37 Prozent der Befragten verorteten den Dax in einem Aufwärtstrend. Weitere 30 Prozent beobachteten die Endphase eines Aufwärtstrends (Topbildung).
Damit hat sich die Stimmung im Vergleich zur Vorwoche zwar leicht verschlechtert, als das Sentiment noch bei 4,6 Punkten notierte, doch Heibel ordnet ein: „Die Euphorie ist zwar verschwunden, aber gute Laune gibt es dennoch.“
Viele Anleger hatten eine Rally-Pause erwartet
Dazu passend bleibt auch die Selbstzufriedenheit mit einem Wert von 3,7 Punkten auf einem hohen Niveau. Errechnet wird diese, indem die Anleger angeben, ob sich ihre Erwartungen in der vergangenen Woche erfüllt haben. Der Wert fällt umso höher aus, je mehr Anlegererwartungen erfüllt worden sind.
In der aktuellen Umfrage gaben 81 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Erwartungen vollständig oder zum größten Teil erfüllt haben – sie hatten mit einer Verschnaufpause gerechnet, sagt Heibel.
Extrem gute Stimmung kann der Sentimenttheorie zufolge ein Warnsignal sein, da optimistische Anleger bereits investiert sind. Gibt es sehr viele von ihnen, werden die Käufer knapp, die den Kurs weiter nach oben treiben können. Dadurch wird der Markt anfällig für Korrekturen.
Bereits in der vergangenen Woche waren Stimmung und Selbstzufriedenheit bereits gefährlich hoch. In Verbindung mit anderen Indikatoren sah Heibel aber zunächst keine Hinweise auf einen Abverkauf am Aktienmarkt. Nun bewertet er die Lage differenzierter.
Anleger werden skeptischer
Zum einen verschlechtert sich die Zukunftserwartung der Umfrageteilnehmer. Diese wird ermittelt, indem die Befragten angeben, welche Marktphase sie in drei Monaten erwarten. Mittlerweile geben 26 Prozent an, dass sie einen Abwärtstrend befürchten.
Dazu passend fällt auch die Kaufbereitschaft. Mit 0,6 Punkten erreichte sie den niedrigsten Stand seit Dezember. Vor zwei Wochen lag sie noch bei 3,0 Punkten.
Zum anderen setzen Privatanleger aber am Terminmarkt verstärkt auf steigende Kurse. Das geht aus dem Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart hervor, an der Privatanleger handeln. Ist das Euwax-Sentiment negativ, kaufen Anleger verstärkt Put-Optionen, um sich gegen Kursrisiken abzusichern. Ist es positiv, kaufen sie vermehrt Call-Optionen, um an steigenden Kursen zu partizipieren.
Im Wochenvergleich ist das Euwax-Sentiment von minus 45 auf plus 27 Punkte in die Höhe geschnellt. Anleger kaufen also gehebelte Finanzprodukte, um an steigenden Kursen zu partizipieren.
Experte rät zu Gewinnmitnahmen
Auch professionelle Anleger kaufen verstärkt Call-Optionen, wie Daten der europäischen Terminbörse Eurex zeigen. „Das widerspricht aber der festgestellten Anlegerstimmung“, sagt Heibel.
Der Sentimentexperte sieht in solchen Widersprüchen ein Warnsignal. „An einzelnen Stellen ist Übermut zu verzeichnen, während gleichzeitig die Absicherungen, also das Sicherheitsnetz, verschwinden. Sollte nun eine negative Meldung die Märkte belasten, könnte ein Ausverkauf durchaus heftiger ausfallen“, sagt Heibel.
Ob der Zollstreit ein solcher Auslöser sein kann, muss sich noch zeigen. Nach Einschätzung des AnimusX-Geschäftsführers ist für kurzfristig orientierte Anleger nun aber nicht mehr der richtige Moment für Aktienkäufe.
Stattdessen sollten Anleger darüber nachdenken, bei Positionen, die in den vergangenen Wochen überraschend gut gelaufen seien, einen Teil der Gewinne zu realisieren, sagt Heibel. „,Es ist gut möglich, dass Sie in den kommenden Wochen die Gelegenheit bekommen, diese Positionen dann wieder günstiger aufzustocken.“
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