Giftstoffe in Textilien: Greenpeace-Studie lobt die Billigheimer
Greenpeace überwacht Modeketten auf Giftstoffe und hat Lob für die Billiganbieter übrig.
Foto: dpaDüsseldorf. Ausgerechnet Primark. Die Modekette, die sich dem Niedrigpreis verschrieben hat und besonders junge, weibliche Kunden begeistert, ist in der Vergangenheit vielfach für ihre Produktionsmethoden kritisiert worden. Unmenschlich die Bedingungen an Standorten in Bangladesch. Und dann, gemeinsam mit mehreren Billiganbietern und Discountern, fand Greenpeace im Dezember 2014 auch noch Giftstoffe in der angebotenen Kinderbekleidung.
Für Greenpeace war das Anlass genug, für die Textilbranche die sogenannte „Detox“-Kampagne ins Leben zu rufen. Giftstoffe, gerade potenziell krebserregende, sollten raus aus der Kleidung. Und die Branchengrößen zogen, auf Druck von Greenpeace, mit. Denn auch den Herstellern war es hochnotpeinlich, was dort an Belastung aus den Fasern der profitablen Ware dünstete. Die meisten Hersteller sind schon seit Jahren Teil der „Detox“-Bewegung. Das erste Zwischenfazit fiel nun klar positiv aus.
„Die meisten Firmen stehen zu ihrem Wort und beginnen Mode zu produzieren, die die Umwelt verkraften kann. Der Wandel zur giftfreien Kleidungsproduktion ist bereits in vollem Gange“, sagte Kirsten Brodde, Textil-Expertin von Greenpeace in einer Pressemitteilung zu einer Zwischenuntersuchung.
Von 18 führenden Modeunternehmen und –händlern werden zwölf inzwischen als vorbildlich eingestuft. Das sind unter anderem auch Levi’s, Benetton oder C&A. Und eben bereits genannte Ketten. Als „Detox-Trendsetter“ adelt die Umweltorganisation die Unternehmen, die Gifte verbannen und ihre Abwasseraufbereitung offenlegen.
Auch deutsche Discounter, namentlich Lidl, Penny und Tchibo, hatten reagiert und belastete Ware aus dem Verkauf genommen. Für Greenpeace geht es dabei nicht nur um konkrete Gesundheitsgefahr für Endabnehmer. Die Nutzung gefährlicher Chemikalien trifft in den Herstellungsländern die Arbeiter und kontaminiert Gewässer und Böden. „Die Billigketten sind in diesem Fall näher am Puls der Zeit“, sagte Brodde der Nachrichtenagentur dpa. „Die Kunden interessieren sich spätestens seit dem Einsturz der Fabriken in Bangladesch sehr dafür, wo und wie ihre Kleidung produziert wird.“
Doch wo Licht, da gewöhnlich auch Schatten. So auch in diesem Fall. Denn wer glaubt, dass höhere Preise bessere Produktionsbedingungen bedeuten, der irrt. Denn wo es ausgerechnet Primark und H&M sind, die sich in diesem Kontext die Vorbildrolle sicherten, erweisen sich die Luxushersteller als Spielverderber. Als negative Beispiele für Konzerne, die sich nicht an die Zusagen halten, werden zwar Nike und der chinesische Sportartikelhersteller Lining genannt. Beide Großkonzerne würden, so Greenpeace, immer noch mit gefährlichen Chemikalien wie dem Waschmittel-Wirkstoff Alkylphenolethoxylat arbeiten. Abwasserbilanzen werden hier nicht veröffentlicht.
Ganz am Ende der Skala landen jedoch Versace, Louis Vuitton, Armani, Dolce & Gabana, Hermès und die Kette GAP. Diese Unternehmen haben sich dem Versprechen bislang nicht angeschlossen. Greenpeace weist darauf übrigens auch visuell geschickt hin. Im Internet findet sich der „Detox Catwalk“, also der Laufsteg für ungiftige Kleidung.
Während die gut bewerteten Unternehmen dort in werbewirksamer Manier mit ansprechenden Zeichnungen ihrer Produkte über den Laufsteg flanieren, kommt bei Nike ein giftgrüner Schimmer nebst unfreundlicher Miene hinzu. Bei den hochpreisigen Schlusslichtern tummeln sich bitterböse Karikaturen der Modewelt als wandelnde Skelette vor Giftfässern.
Das ist nicht jedermanns Geschmack, Giftstoffe in der Kleidung allerdings auch nicht. Und Greenpeace wird nicht müde zu betonen, was Unternehmen ändern müssen, um nicht mehr bloßgestellt zu werden. „Im Grund erwarten wir, dass die Unternehmen einmal Inventur machen und alle Substanzen, die sie einsetzen, auf den Prüfstand stellen“, erklärte Brodde.