Britische Bank baut um: Alexander Doll wird Deutschlandchef von Barclays
Barclays-Filiale in der englischen Hauptstadt: Für das Deutschlandgeschäft ist nun Alexander Doll federführend verantwortlich.
Foto: dpaFrankfurt. Alexander Doll ist schwierige Zeiten gewohnt. Als der Investmentbanker im Herbst 2012 zusammen mit Ralf Herfurth (52) die Rolle des Co-Chefs bei Barclays in Deutschland übernahm, waren die Zeiten des Draufgängertums bei der britischen Bank endgültig vorbei.
Nach dem jetzigen Aufstieg Dolls zum alleinigen Deutschlandchef von Barclays gibt es offenbar wieder eine Zeitenwende. Der Verwaltungschef und Interims-CEO der Gesamtbank, John McFarlane, will das Institut wieder flott machen, das er als zu behäbig und zu bürokratisch bezeichnet. Es ist in Finanzkreisen von einem massiven Stellenabbau die Rede. Jeder vierte Banker müsse möglicherweise gehen. Insgesamt berichten Finanzkreise von bis zu 30.000 Mitarbeitern.
Eine schwierige Phase für den 45-Jährigen Doll, der die deutschen Firmenkunden davon überzeugen muss, dass der massive Stellenabbau die britische Bank nicht schwächen wird. Auf die Hilfe von Ralf Herfurth kann er dabei nicht mehr bauen. Er wird sich künftig auf die Rolle des Chairmans zurückziehen, wie Barclays am Montag in einer internen Mail erklärte. Ein Sprecher bestätigte die Angaben.
Doll rückt gleichzeitig in das Führungsgremium von Barclays für Europa auf. Die Beförderung des Bankers, der von der Investmentbank Lazard gekommen war, ist Teil des Generationswechsels der Bank. Auch Dolls direkte Vorgesetzte wurden im Zuge der Neuausrichtung der Bank ausgewählt:. Sam Dean und Crispin Osborne leiten seit April das Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und Asien (EMEA).
Den Kulturwandel hat Doll bereits in seiner Rolle als Co-Chef für Deutschland, die Schweiz und Österreich vorangetrieben. Der vielseitige Banker, der auch schon als Komparse an der Oper gearbeitet hat und ein Philosophiestudium abbrach, da er lieber ein Buch als ein E-Book in den Händen hielt, ist künftig für das drittwichtigste Land für den Konzern nach den USA und Großbritannien verantwortlich.
In den USA hatten die Briten die amerikanischen Reste der Investmentbank Lehman Brothers nach der Pleite aufgekauft. Konkurrenten erwarten, dass Doll seine neue Rolle ausfüllen wird. Er sei kein „Ferrari-Banker“ wie ein Kollege betont und angesichts seiner Vielseitigkeit gute Wahl.
In Deutschland ist Barclays vor allem im Firmenkundengeschäft aktiv. Über 200 Mitarbeiter kümmern sich aus dem Frankfurter Büro heraus, etwa um Anleiheemissionen, die Beratung bei Fusionen und Übernahmen und daneben um Börsengänge und Kapitalerhöhungen.
In nächster Zeit wird Doll viele Gespräche führen müssen, um seine deutschen Firmenkunden zu beruhigen und die Unsicherheit über mögliche Einschnitte auch in Deutschland aus dem Weg zu schaffen.
Bei der letzten bekanntgegebenen Sparrunde vor gut einem Jahr hatte Barclays noch erklärt, dass in Deutschland beim Personal nicht gekürzt werden soll. Neben dem Firmenkundengeschäft betreibt die Bank mit Barclaycard in Deutschland auch eine Kreditkartensparte. 750 Mitarbeiter arbeiten hier vor allem in Service-Zentren.
Barclays ist nicht die einzige Bank, die mit neuem Top-Management ihre Entwicklung vorantreiben möchte. Bei der Investmentbank Nomura löste Walter Heindl den Japaner Koichi Katakawa ab. Seit Anfang des Monats hat zudem der ehemalige Deutschbanker Armin von Falkenhayn die Führung der Bank of America Merrill Lynch übernommen. Falkenhayn hatte zuvor das heimische Investmentbanking der Deutschen Bank geleitet und dafür gesorgt, dass mittelgroße Firmenkunden seinem damaligen Bereich angegliedert worden waren. Zuvor hatten sie noch zum Privatkundengeschäft des Instituts gehört.
Angesichts der großen Veränderungen in der eigenen Bank gibt es für den untypischen Banker Doll, den Mann ohne den klassischen Lebenslauf, viel zu tun. Intern wie nach außen. Er wird sich strecken müssen, um seine Aufgaben in bewährter Manier erfolgreich abzuarbeiten.