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Donald Trump lässt nicht lockerZwangsenglisch gegen die Überfremdung

In Amerika wird nur Englisch gesprochen. Das fordert Donald Trump. Was sich wie ein Witz anhört, trifft einen Nerv der amerikanischen Seele: Die Angst vor Zuwanderung und Überfremdung.Axel Postinett 06.09.2015 - 10:35 Uhr Artikel anhören

Donald Trumps (links) fällt immer wieder auf. Jetzt will er seinem republikanischen Widersacher Jeb Bush vorschreiben, dass er kein Spanisch mehr sprechen soll.

Foto: ap

San Francisco. Da hat Jeb Bush nur laut gelacht. Das war seine erste Reaktion auf den Anwurf von Gegenkandidat Donald Trump, er solle „mit gutem Beispiel vorangehen“ und „in Amerika nur Englisch reden“.  Bush, vormals Gouverneur von Florida, erklärte vergangenen Mittwoch in der beliebten ABC-TV-Show „Good Morning America“: „Mal ehrlich, das ist ein Witz. Leute haben (auf einem Wahlkampftermin) auf Spanisch gefragt und ich habe auf Spanisch geantwortet. Aber lachen kann man darüber nur, weil es so bizarr ist. Eine Menge Leute hat das hart getroffen. Trump will sich mit Beleidigungen den Weg zur Präsidentschaft ebnen.“

„The Donald“ sieht das ganz anders. Als hoffnungsfroher nächster Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist er auf einem Kreuzzug für das wahre Amerika. Eskapaden wie die des sprachgewandten Jeb Bush, der fließend Spanisch spricht, passen da nicht rein. „Wenn man der Sache  mal auf den Grund geht“, kartete er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag nach, „dann sind wir eine Nation, die Englisch spricht. Und wenn man sich in dieser Nation aufhält, dann sollte man English sprechen.“

Trump spricht einen wunden Punkt an. Amerikaner bleiben am liebsten im eigenen Land, und nur die wenigsten von ihnen beherrschen eine zweite Sprache. Das hat nicht nur patriotische Gründe in einem Land mit gerade einmal 239 Jahren eigener Geschichte. Es ist das Schulsystem, geplagt von Geldsorgen und hohen Studiengebühren. Eine zweite Sprache kostet Geld, alles muss in College oder Universität extra bezahlt werden. Studenten starten ins Berufsleben nicht selten mit hohen Schulden. Deshalb wird studiert, was so schnell wie möglich einen guten Job verspricht. Bildende Künste oder eine zweite Sprache gehören nicht dazu.

Es lohnt sich einfach nicht, wie Bryan Caplan, Wirtschaftsprofessor an der George Mason Universität, schon 2012 nachhielt. Nur rund 25 Prozent der Amerikaner sprechen überhaupt eine zweite Sprache, fand er heraus, und 41 Prozent davon diese „sehr gut“. Nur sieben Prozent davon wiederum haben diese Fremdsprache an einer Schule gelernt. Also, so Caplan, „weniger als einer von Hundert“ könne nach der Schule eine Fremdsprache fließend. Das sei „reine Geld- und Zeitverschwendung“. Warum in anderen Ländern die Menschen öfter Fremdsprachen lernen? Ganz einfach: Sie lernen Englisch, weil sie sich davon bessere Jobs erhoffen. Amerikaner müssen das eben einfach nicht.

Das deckt sich ganz mit Trumps Weltansichten: „Nur so wird man erfolgreich“ ruft er den Einwanderern „aus aller Welt“ zu, wie er betont, nicht nur Mexikanern. Englisch lernen: „So geht das mit der Integration.“

US-Bildungspolitiker sind dagegen besorgt. Die Zahl der Studenten, die sich im College für eine weitergehende Fremdsprachenausbildung eingeschrieben haben, ist nach Erhebungen der Modern Language Association zwischen 2009 und 2013 um 111.000 gesunken. Spanisch war zwar mit 790.000 noch immer die Nummer eins. Französisch war schon mit 197.000 an Nummer zwei. Und das, obwohl keine 80 Millionen Menschen auf dem Planeten in Ländern mit französischer Muttersprache leben. Chinesisch dagegen, Ausgangsbasis für Geschäfte in einem Markt mit über einer Milliarde Menschen, wollten gerade einmal 61.000 Studenten lernen.

Der Angriff auf Fremdsprachen ist also eine sichere Bank für Trump. Nur ein Prozent der Amerikaner hat eine Fremdsprache in der Schule perfekt gelernt. Er kann die spanischen Zwischenrufe von Bush getrost als Zuwanderungsproblem verkaufen. Genaugenommen indirekt als Problem illegaler Zuwanderung. Denn Bush ist mit einer Mexikanerin verheiratet. Illegale Einwanderer von dort bezeichnet Milliardär Trump wiederum gerne als „Vergewaltiger“ und „Drogenhändler“.

Wer in den USA eine andere Sprache spricht, ist also ein Fremder. Das belegen auch die jüngsten offiziellen Daten.  Von 291 Millionen Einwohnern in 2011 unterhielten sich 60 Millionen neben Englisch in einer anderen Sprache, wenn sie zu Hause waren. 37,6 Millionen davon sprachen Spanisch. Mit weitem Abstand folgt Chinesisch mit rund zwei Millionen und selbst 1,1 Millionen Menschen sprechen noch Deutsch in der Familie. Doch je länger sie hier leben, desto amerikanischer werden sie auch ohne Hilfe von Donald Trump. Der Anteil der Deutschsprechenden liegt schon 32 Prozent unter dem Wert von 1980.

Doch Trump ist, wie immer, nicht bereit, einen Rückzieher zu machen. Der Kandidat mit den deutschen Wurzeln hatte zuvor bereits gewisses Verständnis für Gewalt gezeigt, wenn es darum geht, „Amerika wieder groß zu machen“. Zwei weiße Brüder hatten in Boston vergangenen Monat einen obdachlosen Mann mexikanischer Herkunft auf einer Straße schwerstens misshandelt. Von der Polizei verhaftet, gaben sie als Rechtfertigung für die Attacke laut „The Globe“ an: „Trump hat Recht. Alles diese Illegalen gehören deportiert.“ Mit dieser Aussage konfrontiert, antwortete er laut „The Times“ entschuldigend: „Das wäre eine Schande. Aber ich will eines sagen: Die Menschen, die mir folgen, sind sehr leidenschaftlich. Sie lieben dieses Land und wollen, dass es wieder groß ist.“

So kann man das auch sehen. In der Tat haben ihm fremden- und frauenfeindlichen Äußerungen bislang nicht geschadet. „White Supremacy“, „weiße Überlegenheit“, skandieren Anhänger schon mal, wenn Donald Maximus in großen Stadien auftritt. Seine Umfragewerte erreichen Rekordniveau mit rund 30 Prozent Zustimmung. Gegenkandidat Ben Carson folgt als zweiter. Jeb Bush, lange als gesetzter Gewinner gehandelt, ist sogar schon auf den dritten Platz durchgereicht worden. Trumps erneuter Ausfall gegen den Latino-Versteher Bush, der in den Augen vieler Republikaner die Kultur des Landes zerstört, kann als gelungener Tiefschlag gewertet werden.

Schon die Ultra-Konservative Ann Coulter hatte 2014 bei der Fußball-WM gegen Ausländer gehetzt. Fußball sei ohnehin nur ein ausländisches Spiel, in Mode gekommen durch die Einwanderungswellen aus Lateinamerika. Echte Amerikaner lieben American Football. Und auf Einwanderer gemünzt schrieb sie in ihrem Blog: „Man kann nur hoffen, dass die nicht nur Englisch lernen werden, sondern auch ihre Liebe zum Fußball ablegen.“ Englisch only ist gesellschaftsfähig. Aber auch realitätsfern. Bundesstaaten wie Arizona haben schon dreißig Prozent hispanische Haushalte. In Kalifornien geht es an die 40 Prozent. Sie tendieren in Umfragen immer noch eher zu Bush als zu Trump. Das gilt auch für Florida.

Und hier liegt die große Gefahr für den Immobilien-Anleger Trump, dessen Sohn aus zweiter Ehe ebenfalls zweisprachig aufgewachsen ist. Selbst wenn er die Kandidatur gewinnt, kann er ohne die hispanischen Wähler kaum ins Weiße Haus einziehen. Und eine ganze Wählerschicht als zweitklassig zu blamieren hat in der Vergangenheit selten zu Erfolgen an der Wahlurne geführt.

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Der Gerechtigkeit halber muss man allerdings feststellen, dass Trumps Einsatz für eine linguale Monogamie gute Vorbilder auch in Deutschland hat: Die CSU in Bayern hatte 2014 gefordert, alle Einwanderer müssten auch innerhalb der Familie deutsch sprechen. So die Forderung in einem Entwurf für einen Leitantrag der Partei. Das gerade von Bayern zu hören, löste nicht nur Heiterkeit im Rest von Deutschland aus, sondern auch ernsthafte Diskussionen darüber, wie weit sich die Politik in interfamiliäre Belange einzumischen habe. Die SPD mutmaßte sogar, als nächstes werde die CSU eine Sprachpolizei fordern. Der peinliche Antrag verschwand dann auch wieder in den Schubladen der bayerischen Sprachbürokraten.

Aber das mit der Sprachpolizei, das könnte vielleicht noch was für Trump sein, wenn er erst einmal Herr über den Geheimdienst NSA sein sollte.

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