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Trotz BilligstrategieDer Privatjet ist das neue Lufthansa-Flaggschiff

Die Lufthansa will mit ihrer neuen Strategie vor allem eines – sparen. In einem Bereich aber gilt Klotzen, nicht Kleckern: Die Privatjet-Sparte soll zu einem echten Flaggschiff des Konzerns werden.Claudia Panster 13.10.2015 - 06:22 Uhr Artikel anhören

Mit dem Porsche bis vor den Flieger – so bewirbt die Airline ihr Luxus-Angebot.

Foto: PR

Frankfurt. Die Limousine hält direkt neben dem kleinen Privatflieger. Davor wartet schon der Pilot, um seinen Passagier per Handschlag zu begrüßen. Über wenige Stufen geht es hinein in die Kabine, die luxuriöser kaum ausgestattet sein könnte. Edle helle Ledersessel, Tische aus Mahagoni, eine rote Rose auf jedem Platz. Noch schnell ein Glas Champagner, dann startet der Privatflug.

Das Ziel: Jeder noch so kleine Flughafen, den sich der Kunde wünscht. Er bestimmt, wann das Flugzeug wohin fliegt. Nur für ihn. Kein Einchecken, keine Warteschlangen, kein Gerangel um einen Sitzplatz im Transportbus. Das alles entfällt für den, der mit einem Privatjet der Lufthansa fliegt.

Wenn gewünscht, holt eine Limousine den Kunden zuhause ab, fährt ihn bis aufs Rollfeld und holt ihn nach dem Flug auch dort wieder ab. Maximaler Luxus, maximale Zeitersparnis.

Mit diesen Flugzeugen heben Geschäftsleute ab
Citation II - 18.957 StartsDer Flugzeugbauer Cessna ist gleich fünfmal in den Top 10 der Business-Flugzeuge in Europa vertreten. Den Anfang macht die Citation II. Zusammen mit ihrem Nachfolgemodell Citation Bravo verlor der zweistrahlige Jet aber 9,4 Prozent aller Abflüge. Die Citation II ging Ende der 70er-Jahre erstmals in die Luft.Quelle: Die Rangliste basiert auf Angaben von WINGX Advance. Das Marktforschungsinstitut hat dafür die Daten der europäischen Luftverkehrskontrolle Eurocontrol für 2014 ausgewertet.
Challenger 600 - 23.847 StartsIm Jahr 1978 schickte Bombardier die erste Version des zweistrahligen Jets an den Start. Seitdem hat sich die Challenger zu einem der beliebtesten Privatjets gemausert. Zusammen gab es für die Flugzeuge der 600er-Reihe 2014 allerdings Einbußen – die Starts gingen um 4,2 Prozent zurück.
PC-12 - 24.316 StartsDer Turboprop-Flieger ist der Gewinner unter den Business-Flugzeugen 2014. Die PC-12 des Schweizer Herstellers Pilatus legte bei den Abflügen in Europa um 17,1 Prozent zu. Der Zuwachs ist aber zum Großteil damit zu erklären, dass das finnische Militär die PC-12 verstärkt zur Sicherung der Grenzen mit Russland einsetzt, hat WINGX Advance analysiert.
Citation CJ2 - 25.394 StartsDer Businessjet des US-Flugzeugbauers Cessna ist seit dem Beginn des Jahrtausends auf dem Markt. Um 0,5 Prozent nahmen die Abflüge in Europa zuletzt zu. Mit knapp 800 Stundenkilometern geht es mit der Citation CJ2 knapp 3000 Kilometer weit.
Citation Jet - 26.794 StartsDer Citation Jet und das Nachfolgemodell CJ1 von Cessna waren 2015 in Europa weniger gefragt. Die Abflüge nahmen um 5,5 Prozent ab. Beim CJ1 wurde vor allem die Elektronik verbessert, zudem wurde der Businessjet effektiver. Seit 2011 wird er jedoch nicht mehr produziert.
Citation Mustang - 27.470 StartsDie Klasse der „Very Light Jets“ liegt voll im Trend. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Citation Mustang zu den Gewinnern 2014 in Europa zählt. Der kleinste Jet der Citation-Reihe - maximal fünf Passagiere finden darin Platz - legte bei den Starts um 10,3 Prozent zu.
Falcon 2000 - 27.594 StartsDie zweimotorige Maschine gehört zu den Klassikern des französischen Dassault-Konzerns. Er wird in verschiedenen Varianten ausgeliefert, die sich hinsichtlich ihrer Konfiguration unterscheiden. 2014 gingen die Abflüge des Business-Flugzeugs leicht um zwei Prozent zurück.
Hawker 700-900 - 34.372 StartsUnter dem Dach des US-Konzerns Raytheon begann bereits in den 60er-Jahren die Entwicklung des zweistrahligen Businessjets. Nach etlichen Weiterentwicklungen gehören die Hawker-Modelle heute unter dem Dach von Beechcraft zum Cessna-Hersteller Textron. Die Jets werden aber nicht mehr gebaut, es sind nur noch Update-Programme verfügbar. 2014 gingen die Starts leicht um 3,8 Prozent zurück, doch das reicht für das Treppchen in Europa.
Super King Air 200 - 51.991 StartsEines der beliebtesten Business-Flugzeuge in Europa ist eine Turboprop-Maschine: Auf Platz zwei der Rangliste findet sich die Super King Air 200 von Beechcraft (gehört zum Cessna-Hersteller Textron) wieder. Die erste King Air hob bereits in den 60er-Jahren ab. Trotz eines Rückgangs bei den Starts um 2,1 Prozent 2014 ist die Flugzeugreihe nicht wegzudenken.
Citation Excel - 54.051 StartsSpitzenplatz verteidigt: Die Citation Excel (und ihre Weiterentwicklungen XLS und XLS+) von Cessna ist das gefragteste Business-Flugzeug des Kontinents. Seit dem Jahr 1998 werden die Flieger ausgeliefert, die maximale Flugstrecke der aktuellsten Version beträgt knapp 3500 Kilometer. 2014 wuchs die Anzahl der Starts leicht um 0,1 Prozent.

In diesem Jahr feiert das Angebot der Fluggesellschaft sein zehnjähriges Bestehen. Und es soll noch wichtiger für die Lufthansa werden. „Wenn man eine Premiumstrategie fährt, braucht man ein Flaggschiff“, sagt Jens Bischof, bisher Vertriebs- und Marketingchef der Lufthansa. In der neuen Struktur soll Bischof sich um den Vertrieb bei den Premium-Marken Lufthansa und Private Jets kümmern.

1000 Flüge dieser Art absolviert Lufthansa Private Jet (LPJ) pro Jahr. 2014 hat die Lufthansa-Sparte so knapp zwölf Millionen Umsatz gemacht – nur ein kleiner Teil der 30 Milliarden Euro Umsatz des gesamten Konzerns. „Das ist dann nicht unbedingt der Umsatzbringer“, sagt Bischof, „aber er erzielt Markenwerte, die wir für die Lufthansa brauchen.“

Kultiviert, durchdacht, warmherzig – das will die Lufthansa sein. Und das auch in der neuen Strategie, in der neben dem Premiumsegment vor allem die Billigplattform Eurowings einen wichtigen Part einnehmen wird.
Komfort erhält bei Deutschlands Fluggesellschaft Nummer eins nur noch der, der es sich leisten kann. Denn der Premiumservice hat seinen Preis. Ein Flug mit dem Privatjet etwa von Frankfurt nach Nizza kostet rund 7500 Euro, von Moskau nach Lissabon sind es 45.000 Euro. Gezahlt wird pro Flug, nicht pro Passagier.

Dafür versucht die Fluggesellschaft, alles möglich zu machen.

Mit diesen Extras verdienen die Airlines gutes Geld
Im Jahr 2014 hat die Lufthansa ihre Einnahmen aus dem Vielfliegerprogramm Miles & More mehr als verdoppelt. 90 Millionen Dollar an Einnahmen standen zu Buche.Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue
Air Asia bietet seinen Passagieren Wlan für weniger als drei Dollar während des Flugs an, dass für Chatprogramme wie WhatsApp benutzt werden kann.
Jetblue will bald neue Paketangebote vorstellen. Besonders günstig sind dabei Handgepäck-Flüge. So sollen jährlich bis zu 200 Millionen Dollar mehr eingenommen werden.
Billigflieger Ryanair geht davon aus, dass 25 Prozent seiner Kunden Geschäftsreisende sind. So buchen bis zu 9000 Kunden pro Tag das teurere Business-Plus-Paket.
Spirit erzielte durch den Verkauf von zugeteilten Sitzplätzen Einnahmen von 76,2 Millionen Dollar, das entspricht im Durchschnitt 5,30 Dollar pro Passagier.
Im vergangenen Jahr steigerte der US-Billigflieger Allegiant seine Einnahmen durch den Verkauf von Dritt-Dienstleistungen (Hotelzimmer, Mietwagen, Hotel Shuttle Service) um 30,1 Prozent.
Die mexikanische Billig-Airline Volaris erzielte mehr als 3,5 Millionen Euro durch Mitgliedschaften in seinem „V-Club“. Dieser bietet den Mitgliedern günstigere Flugtarife.
Wer schon mal am Flughafen in Singapur gestrandet ist, wird hierfür sicher Verwendung finden: Tigerair bietet mi seinem „Tigerconnect“-Programm für 18 Dollar eine Sightseeing-Tour durch die Stadt an für Kunden, die länger als acht Stunden auf ihren Anschlussflug warten müssen.
Die US-Fluglinien setzten im Jahr 2014 287 Milliarden Flugmeilen für Vielflieger ab, 61 Prozent davon wurden an Mitglieder des entsprechenden Programms verkauft.
Virgin Australia verkaufte sein Vielflieger-Programm für 295 Millionen Dollar.

„Wir schaffen es auch schon mal, einen Private Jet sofort neben den A380 zu stellen und dadurch die Umsteigezeit auf zehn bis 15 Minuten zu reduzieren“, sagt Bischof. So soll das Angebot vor allem für Manager attraktiv sein, die oft mehrere Termine am Tag in verschiedenen Städten haben, wo es also auf jede Minute ankommt. Auch Sonderwünsche aller Art versucht das Unternehmen zu erfüllen. Ein Kunde, erzählt Bischof, habe sich einst 500 Rosen zum Hochzeitstag in der Kabine gewünscht – kein Problem.

Experten halten diesen Fokus für wichtig, sehen ihn aber dennoch kritisch. „Es gibt eben auch sehr viele Leute mit sehr viel Geld, und um die muss und sollte man sich auch kümmern“, sagt Christoph Kohler, Chef des Marktforschers Wingx-Advance. LPJ sei eine strategische Investition, um sich Eintritte in gewisse Märkte zu verschaffen.

Gerald Wissel, Gründer der Beratungsgesellschaft Airborne, merkt jedoch an: „Für Premium und Qualität zählen insbesondere First aber auch Business Class auf der Langstrecke. Hier hat Lufthansa gegenüber dem Wettbewerb den eigentlichen Nachholbedarf.“ Lufthansa Private Jet werde – allein aufgrund der wenigen Flüge pro Monat – nur in sehr begrenztem Maße von der Premium-Zielgruppe wahrgenommen. Das Angebot lohne sich für Geschäftsleute, die etwa kurzfristig innerhalb von wenigen Stunden an einem anderen Ort sein müssten.

Ein Problem sehen die Experten in der großen Abhängigkeit von Netjets. Die Flugzeuge gehören dem US-Unternehmen, die Lufthansa kauft nur Flugkontingente ein. Auch die Piloten kommen von Netjets, das zu Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway gehört.

Den Lufthansa-Wiedererkennungswert während des Flugs bietet nicht viel mehr als die rote Rose in der Kabine, die jeder First-Class-Kunde wie gewohnt auf seinem Platz vorfindet.

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