1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Dienstleister
  4. EY, PWC, Deloitte, KPMG: Das Kräftemessen der „Big Four“

EY, PWC, Deloitte, KPMGDas Kräftemessen der „Big Four“

Ernst & Young (EY) steigert seinen Umsatz – und kommt damit dem Marktführer Pricewaterhouse Coopers (PWC) in Deutschland immer näher. Doch wie stehen KMPG und Deloitte im Quartett der Wirtschaftsprüfer da?Siegfried Hofmann 09.12.2015 - 11:49 Uhr Artikel anhören

Die Führungsriege von Ernst&Young wird ausgetauscht.

Foto: Imago

Frankfurt. Ernst & Young (EY), die zweitgrößte Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe in Deutschland, sieht sich weiter kräftig im Aufwind – und auf dem Weg zum Ausbau ihrer Marktposition. Für das Geschäftsjahr 2014/15, das Ende Juni abgeschlossen wurde, berichtet der Konzern einen Umsatzanstieg um 9,2 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro. Sie ist damit erneut stärker gewachsen als die Konkurrenz: Pricewaterhouse Coopers (PWC) legte um gut sechs Prozent zu, Deloitte wuchs um acht Prozent. KPMG legt in der kommenden Woche Zahlen vor. Das Kräftemessen der „Big Four“ der Wirtschaftsprüfer geht in die nächste Runde.

Georg Graf Waldersee, scheidender EY-Managing Partner für die Region Deutschland, Österreich und Schweiz sowie Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Ernst & Young GmbH, zeigt sich zuversichtlich. Für das laufende Geschäftsjahr rechne man mit einem Zuwachs in vergleichbarer Größenordnung.

Das starke Momentum in allen Teilbereichen bietet aus Sicht Waldersees letztlich auch einen idealen Zeitpunkt für den geplanten Generationenwechsel in der Führung, den die WP-Gruppe gestern bekannt gab: Waldersee (60) will zum 1. Juli 2016 nach dann acht Jahren an der Firmenspitze aus der operativen Führung ausscheiden und in den Aufsichtsrat von EY wechseln. Dort solle er dann den langjährigen Vorsitzenden Otto Jacobs beerben.

Waldersees Funktionen in der operativen Führung werden künftig auf zwei Schultern verteilt. Die operative Verantwortung für EY Deutschland, Schweiz und Österreich soll die 46-jährige Julie Linn Teigland übernehmen. Die gebürtige US-Amerikanerin ist seit September bereits stellvertretende Managing Partnerin für die Region. Neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Ernst & Young GmbH wird der 47-jährige Hubert Barth, der bisher für die deutschlandweite Koordinierung der Marktaktivitäten von EY verantwortlich ist.

Waldersee, der beide Funktionen bisher in Personalunion ausübte, begründete die veränderte Führungsstruktur mit wachsenden Anforderungen der Kunden und den Umwälzungen auf dem deutschen Markt, unter anderem durch die von der EU eingeführte Pflichtrotation der Wirtschaftsprüfer. Mit Hubert Barth werde man einen erfahrenen Berater und Prüfer an der Spitze haben, „der die Pflicht-Rotation für EY und seine Kunden optimal managen wird.“ Die WP-Gruppe strebt an, die Zahl ihrer Prüfungsmandate unter den Dax-30 Firmen mittelfristig von zehn auf 20 Prozent zu verdoppeln. Sie prüft bisher die Abschlüsse von Siemens, Beiersdorf und Heidelberg-Cement, wird diese Mandate aber im Rahmen der vorgeschriebenen Rotation wohl abgeben müssen.

Bei der Abschlussprüfung bei den großen börsennotierten Firmen in Deutschland geben bisher vor allem KPMG (mit zusammen 34 Mandaten in Dax und MDax) sowie PWC (mit 25 Mandaten) den Ton an. EY liegt in diesem Bereich mit lediglich drei Dax- und zehn MDax-Kunden noch spürbar zurück. Die WP-Gruppe sieht sich aber als klarer Marktführer in der Betreuung großer mittelständischer Unternehmen. Waldersee geht davon aus, dass die Rotationspflicht mittelfristig zu einer deutlich gleichmäßigeren Verteilung der Mandate bei den Großkonzernen führen wird. „Ich gehe davon aus, dass am Ende alle ihren Anteil an diesem Markt haben werden.“

McKinsey-Manager Cornelius Baur

„Digitalisierung ist eine Revolution in Lichtgeschwindigkeit“

Was prüfungsfremde Service und Beratungsleistungen angeht, ist die WP-Gruppe schon heute bei praktisch allen Großunternehmen vertreten. Es sind auch vor allem diese Aktivitäten, die das Wachstum der Gruppe antreiben. In der Steuerberatung zum Beispiel, wo sich EY als Marktführer betrachtet, legte die Gruppe um 11,6 Prozent auf 528 Millionen Euro zu, in der Transaktionsberatung um 11,4 Prozent auf 283 Millionen Euro. Um 12,6 Prozent stiegen die Erlöse bei sonstigen Beratungsleistungen. Auf die Abschlussprüfung entfiel mit 536 Millionen Euro Umsatz nur noch gut ein Drittel der Gesamterlöse. Hier legte die Gruppe um 6,5 Prozent zu.

EY sieht sich mit diesen Zahlen insgesamt als Wachstumsführer unter den großen Vier in Deutschland. Seit 2008 sei die Gruppe, wie Waldersee betont, insgesamt um 35 Prozent gewachsen – und damit doppelt so stark wie der nächste Verfolger in der Branche. Den Abstand zum Marktführer PWC habe man dadurch deutlich verringert. Weltweit steigerte die EY-Gruppe ihren Umsatz 2014/15 auf Basis konstanter Wechselkurse um 11,6 Prozent auf 28,7 Milliarden Dollar.  

Der Markt wird nach Einschätzung Waldersees insbesondere von wachsenden Anforderungen und Kundenerwartungen, etwa im IT-Bereich getrieben. Insbesondere das Beratungsgeschäft werde durch den Megatrend Digitalisierung stark beflügelt. Kunden verlangten in diesem Umfeld verstärkt eine multidisziplinäre Betreuung und sektorübergreifende Kompetenz.

Verwandte Themen
Steuern
Deutschland

Auch in der Steuerberatung sieht EY-Chef noch erhebliches Potenzial für die Gruppe. Ein Megathema seien hier vor allem die neuen Regeln der OECD zu einer gerechteren Ermittlung der steuerlichen Bemessungsgrundlagen (BEPS). Sie sollen dazu beitragen, dass Unternehmenssteuern genauer am Ort der eigentlichen Wertschöpfung erhoben werden. „Das wird in den nächsten Jahren alle Unternehmen zwingen, ihre Strukturen zu überprüfen“, sagt Waldersee.

Die steigenden Anforderungen an Know-how, Leistungsfähigkeit und Investitionen treiben nach Einschätzung von Branchenbeobachtern insgesamt auch die Konsolidierung in dem Sektor an. So wachsen derzeit die führenden 25 Unternehmen der Branche nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Lünendonk im Schnitt mit sechs Prozent in etwa doppelt so stark wie der Gesamtmarkt. Sowohl Vertreter der „Big Four“ als auch Akteure aus dem Mittelfeld versuchen, ihre Position zudem durch Übernahmen und Fusionen auszubauen. PWC etwa verstärkte sich 2014 durch die Übernahme von Booz & Company. Mazars schloss sich mit Roever Broenner Susat zusammen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt