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Kässbohrer gegen PrinothKampf der Pistenraupen

Wer seine Piste präparieren will, hat die Auswahl zwischen rot und silbern: Zwei Unternehmen dominieren den Markt. Kässbohrer und Prinoth kämpfen um jeden Kunden – doch das ist nicht ihr einziges Problem. 17.01.2016 - 20:52 Uhr Artikel anhören

Kässbohrer baut zur Hochsaison bis zu fünf rote Pistenbullys am Tag.

Foto: dpa

Laupheim. Wer als Skifahrer etwas auf sich hält, quält sich schon frühmorgens aus dem Bett, um als Erster auf der Piste zu sein. Dann ist der Schnee perfekt präpariert. Bis in die Nacht hinein sorgen dafür die mächtigen Pistenraupen - und die sind entweder rot oder silber. Zwei Unternehmen haben fast den kompletten Weltmarkt unter sich aufgeteilt: Kässbohrer Geländefahrzeug aus Oberschwaben mit seinen Pistenbullys und Prinoth aus Südtirol mit seinen Leitwölfen und Bisons. Doch in der schneeweißen Welt der Pistenraupen gibt es hässliche Flecken: Neue Märkte tun sich kaum auf – und mit der globalen Erwärmung droht Schneemangel.

Schon in einem Winter wie diesem verkaufe die Marke Pistenbully weniger Ersatzteile, sagt Jens Rottmair, Vorstandssprecher von Kässbohrer Geländefahrzeug – und unter Umständen im nächsten Jahr auch weniger Fahrzeuge. Prinoth-Vorstandsvorsitzender Werner Amort dagegen wiegelt ab und verweist auf sinkende Temperaturen etwa im österreichischen Skigebiet Ischgl. Ein Einfluss des Klimawandels auf den Skitourismus sei nicht nachgewiesen. Beide Firmen stellen zwar auch im kleineren Stil Nutzfahrzeuge etwa für Strand und Wald her. Doch höhere Temperaturen könnte ihren Kernmarkt im wahrsten Sinne des Wortes dahinschmelzen lassen.

Einer Studie im Auftrag des österreichischen Wissenschaftsministeriums zufolge muss in den Alpen bis Mitte des Jahrhunderts mit einem Temperaturanstieg von 1 bis 2 Grad gerechnet werden. Das bedeute eine höhere Schneefallgrenze – und noch mehr Bedarf für teuren Kunstschnee. Ohne ihn kommen die Skigebiete kaum aus. Sie müssen möglichst lange öffnen, damit sich der Betrieb rentiert. Pistenraupen sollen den kostbaren Schnee optimal verteilen. „Der effiziente Einsatz wird immer wichtiger, weil die Kosten kontinuierlich steigen und nicht eins zu eins an den Kunden gehen können“, sagt Florian Profanter, Berater für Pisten-Management, in Villnöß (Italien).

Dafür bieten die Hersteller etwa satellitengestützte Schneetiefenmessung an, dazu Computer, die Verbrauch, Leerlauf, Stehzeiten aufzeichnen. Ein einträgliches Zusatzgeschäft sind die Hightech-Anwendungen wegen der hohen Preise aber noch nicht. Pistenbully in Laupheim bei Ulm nimmt rund 216 Millionen Euro Umsatz ein - etwa zehn Prozent davon bleibt als Gewinn hängen.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.
Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.
Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.
Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.
In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.
Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.
Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.
Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Prinoth im italienischen Sterzing setzt rund 200 Millionen Euro um, macht aber keine Angaben zum Gewinn. Das Unternehmen produziert im Jahr rund 450 bis 500 meist silberne Fahrzeuge. Kässbohrer baut zur Hochsaison bis zu fünf rote Pistenbullys am Tag - im Jahr sind es so 550 bis 600 Stück. Die meisten sollen alte Maschinen ersetzen, wie Vorstandssprecher Rottmair sagt.

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Mittelstand auf einen Blick

Die Fahrzeuge der Konkurrenten kosten etwa gleich viel und können gleich viel. Kässbohrer betont die Leistung, Prinoth die Fräsen - und das Design. „Wir sind Italiener“, sagt Chef Amort. Doch zentral bleibt der Service: In der Winterzeit liefern die Unternehmen Ersatzteile meist binnen eines Tages. Nach Angaben der Unternehmensberatung Grischconsulta in Chur (Schweiz) machen die Pistengeräte nur rund sechs Prozent des jährlichen Investitionsbedarfs eines Skigebiets aus. „Man muss heute auf jeden Pfennig schauen“, sagt aber Berater Edgar Grämiger.

Daher schenken sich die Konkurrenten auch bei Preisnachlässen nichts. „Wir kämpfen um jeden einzelnen Kunden“, sagt Rottmair. Die großen Modelle können um die 400 000 Euro kosten. Doch auch immer wichtiger: die Nachhaltigkeit. Ein Pistenbully mit Diesel-Elektro-Antrieb etwa spart Kraftstoff und Emissionen, ist aber auch deutlich teurer.

„Es bleibt die Frage, welchen Preis der Kunde dafür zahlen möchte“, sagt Konkurrent Amort, dessen Unternehmen kein solches Angebot hat. Dafür profitiere Prinoth von seiner Zugehörigkeit zum Leitner-Konzern. Der kann alle Investitionsgüter aus einer Hand anbieten: Seilbahnen, Schneekanonen, Pistenfahrzeuge. Vor allem in neuen Skigebieten ist das ein Pluspunkt. „Da hatten wir schon einige Male die Nase vorn“, sagt Amort.

Doch neue Skigebiete entstehen nur vereinzelt, wie Rottmair sagt. Einstige Hoffnungsträger wie Osteuropa entwickelten sich nur langsam. Den größten Absatz machen die Konzerne in den Alpen und in Nordamerika. Und so bleibt den Pistenraupen-Herstellern vor allem eines: Die Hoffnung auf mehr Schnee.

dpa
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