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Umstrittenes Projekt in AustralienMit Gift-Selbstschussanlagen gegen Katzen

Australiens Tierwelt leidet unter eingeschleppten Arten – zum Beispiel Katzen. Jetzt wollen die Behörden mit ausgeklügelter Technik gegen die Katzenplage vorgehen. Tierschützer laufen Sturm gegen das Projekt.Daniel Lingenhöhl 25.04.2016 - 12:03 Uhr Quelle: Spektrum.deArtikel anhören

Die in allen Teilen des fünften Kontinents auftretenden Katzen sind für die einheimische Fauna ein großes Problem.

Foto: dpa

Heidelberg. Anders als in vielen anderen Regionen der Welt gehören in Australien Hauskatzen nicht unbedingt zu den beliebtesten Tieren – zumindest nicht in ihrer verwilderten Form. Denn die in allen Teilen des fünften Kontinents auftretenden Katzen sind für die einheimische Fauna höchst gefährlich: Dutzende Beuteltier-, Vogel- und Reptilienarten gelten als vom Aussterben bedroht, weil sie gegen die ursprünglich nicht in Australien heimischen Jäger keine wirksame Abwehrstrategie besitzen.

Deshalb möchte die australische Regierung in den nächsten Jahren mindestens zwei Millionen verwilderte Katzen eliminieren. Die scheuen wie schlauen Jäger gelten jedoch als schwer zu bekämpfen. Aus diesem Grund soll zukünftig auch modernste Technik zum Einsatz kommen: Laut dem Guardian hat der Ökologe John Read von der University of Adelaide dazu eine Falle entwickelt, die Katzen automatisch erkennt und letale Maßnahmen einleitet.

Die „Grooming Trap“ genannte Vorrichtung ist mit vier lasergestützten Entfernungsmessern ausgestattet, die sich bewegende Tiere erfasst und abmisst. Handelt es sich dabei um ein Lebewesen, das größer als eine Katze ist – ein Dingo etwa oder ein Känguru –, löst der obere Laser aus und deaktiviert die Falle.

Der untere Laser hingegen versucht zwischen den vier Beinen hindurchzuleuchten. Trifft er auf einen Körper mit kürzeren Beinen, als es für eine Katze typisch ist – etwa ein Wombat –, so löst die Falle ebenfalls nicht aus. Die Falle schnappt nur zu, wenn gleichzeitig zwei Laser an den beiden Enden des Geräts einen Kontakt signalisieren, der auf die Länge eines Katzenkörpers hindeutet.

In diesem Fall sprüht die Maschine ein bestimmtes Gift aus, die sich auf dem Fell des Tiers niederschlägt. Da Katzen Fremdstoffe rasch von ihrem Fell lecken wollen, gelangt es in den Körper und vergiftet sie.

Das verwendete Natriumfluorazetat – Handelsname Compound 1080 – kommt natürlicherweise in einigen australischen Pflanzen vor. Deshalb sind viele Tierarten des fünften Kontinents einigermaßen immun dagegen. Kollateralschäden für die einheimische Fauna sollen dadurch gering gehalten werden.

Die eingesetzte Dosis reicht aus, um drei Katzen zu vergiften, schadet aber den meisten Beuteltieren nicht, zumal diese weniger intensiv als Katzen ihr Fell lecken. Und schließlich spielt die Maschine nur die Rufe potenzieller Beutetiere wie Ratten und die anderer Katzen ab.

Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit hat Read zusammen mit seinem Team einen ersten Prototyp im Pullen-Naturschutzgebiet aufgestellt. Dieses wurde zum Schutz des erst vor wenigen Jahren wiederentdeckten Nachtsittichs eingerichtet. Der genaue Ort des Reservats wird geheim gehalten, um unerwünschte Störungen des Papageis und seines Lebensraums zu verhindern.

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Vier weitere Anlagen befinden sich an anderen Standorten, dort wird das Gerät unter natürlichen Bedingungen getestet. Erweisen sie sich als tauglich, sollen insgesamt 50 Stück her- und aufgestellt werden.

Der Plan, zwei Millionen Katzen zum Schutz der Natur zu töten, hatte international einen Aufschrei von Tierschützern ausgelöst. In Australien wird er hingegen überwiegend unterstützt, um die einzigartige Tierwelt des Landes zu erhalten.

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