Verkauf an SEB: WMF kommt endlich in die richtigen Hände
Unter einem Dach mit Krups, Rowenta und Tefal.
Foto: dpaWas haben der Rüstungskonzern Rheinmetall, die Deutsche Bank und die US-Beteiligungsgesellschaft KKR gemeinsam? Sie alle waren schon mal Miteigentümer von WMF. Der Besteckhersteller aus Baden-Württemberg hatte in seiner über 160-jährigen Geschichte viele verschiedene Eigentümer. Eigentümer, die das Unternehmen irgendwie zur Diversifikation nutzen wollten, aber von dem eigentlichen Geschäft wenig verstanden.
Das wird sich jetzt ändern – zum Glück. Denn der französische Haushaltswaren-Riese SEB steigt bei WMF ein. So kommt der geschundene deutsche Spezialist für Besteck, Kaffeemaschinen und Geräte für die Gastronomie endlich wieder in die richtigen, fachkundigen Hände.
Vielleicht sind dann endlich auch die Zeiten vorbei, in denen die WMF-Gruppe vor allem damit glänzte, dass sie die Kunden mit immer neuen Sonderangebotsaktionen in die Läden lockte. Denn mit der Devise „Mehr Masse als Klasse“ nimmt eine deutsche Traditionsmarke wie WMF, die für sich beansprucht, gehobene Qualität zu produzieren, nur Schaden. Es ist deshalb wichtig, dass der neue französische Eigentümer die weithin bekannte Haushaltsmarke wieder stärkt und ihre eigene Identität fördert.
Die Zeichen dafür stehen gut, denn die SEB-Gruppe hat es in ihrer Geschichte verstanden, viele bekannte Marken unter ihrem Dach zu vereinigen. Das reicht von Rowenta über Krups bis zu Tefal. Deren Eigenständigkeit funktioniert. Es zeigt sich etwa daran, dass die wenigsten Verbraucher wissen, dass sich hinter mehr als zwei Dutzend Marken die SEB-Gruppe aus einem kleinen Städtchen in der Nähe des südfranzösischen Lyon verbirgt.
Es kommt jetzt darauf an, dass die Franzosen die bei Übernahmen üblichen Synergieeffekte behutsam heben. Denn es gibt im Portfolio einige Überschneidungen. So führen WMF und SEB etwa Marken, unter denen Pfannen, Schnellkochtöpfe und Kaffeemaschinen vertrieben werden.
Unter dem Strich dürfte das baden-württembergische Unternehmen aber profitieren, auch etwa davon, dass die Franzosen in China stark sind. Das riesige, konsumfreudige Land ist heute für die SEB-Gruppe schon der wichtigste Markt – noch vor der Heimat Frankreich.