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Investor Advent zum Thalia-Verkauf„Der Buchhandel war und ist im Umbruch“

Ranjan Sen, Managing Partner beim Finanzinvestor Advent, hat sich intensiv um das Douglas-Investment gekümmert. Im Interview zieht er Bilanz über das Engagement, das mit dem Thalia-Verkauf endet – und blickt nach vorn.Kirsten Ludowig, Florian Kolf 11.07.2016 - 10:45 Uhr Artikel anhören

Managing Partner beim Finanzinvestor Advent.

Foto: Advent

Düsseldorf. Als Advent im Dezember 2012 bei Douglas einstieg, bestand die Handelsgruppe noch aus Parfümerien (Douglas), Juwelieren (Christ), Buchläden (Thalia), Modehäusern (Appelrath Cüpper) und Konfiserien (Hussel). Zusammen mit der Gründerfamilie um den damaligen Chef der Douglas-Holding, Henning Kreke, leitete der Finanzinvestor den Umbau des Konglomerats ein und verkaufte nach und nach seine Beteiligungen an den einzelnen Geschäftsbereichen. Nun ist mit einem Konsortium um die Verlegerfamilie Herder auch ein neuer Mehrheitseigentümer für die 280 zuletzt verbliebenen Thalia-Buchhandlungen gefunden. Die Familie Kreke bleibt als Minderheitsaktionär beteiligt. Damit läuft Advents Engagement bei dem früheren Mischkonzern Douglas endgültig aus.

Herr Sen, für Sie und Advent ist das Kapitel Douglas mit dem Thalia-Verkauf nun komplett beendet. Wie fühlt sich das an?
Was Douglas angeht, schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich habe in den vergangenen Jahren den Großteil meiner Zeit mit der Gruppe und ihrem Management verbracht. Ich habe zum Beispiel sehr eng mit Henning Kreke zusammengearbeitet, mit dem ich mich einmal in der Woche über alle Douglas-relevanten Themen abgestimmt habe. Natürlich gab es über die Zeit weniger Unternehmensthemen zu besprechen, weil zuletzt nach dem Verkauf der anderen Gruppengesellschaften nur noch Thalia übrig war. Aber daraus ist auch eine echte Freundschaft entstanden. Den regelmäßigen Austausch werde ich nun mit dem Abschluss unseres Engagements bei den Douglas-Unternehmen vermissen.

Und aus Sicht des Finanzinvestors, der auf seine Rendite schaut?
Für Advent als Finanzinvestor ist der Abschluss des Investments sehr erfreulich. Wir ziehen bei dieser komplexen Transaktion eine sehr positive Bilanz: Wir haben unsere Pläne mit den einzelnen Teilen der Douglas-Gruppe deutlich schneller umgesetzt als zu Beginn geplant und alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Wir hatten anfangs insgesamt fünf bis sieben Jahre als Halteperiode veranschlagt, nun sind es nicht einmal vier Jahre. Und mit der Herder Familie haben wir auch für Thalia einen sehr guten Käufer gefunden, der das Management in der Umsetzung der strategischen Ziele weiter unterstützen wird.

Nach knapp vier Jahren Douglas – was lief ganz anders als erwartet?
Ich war zu Beginn, wie wahrscheinlich viele andere auch, auf Grund der tiefgreifenden Veränderungen im Buchmarkt eher zurückhaltend, was die Wachstumschancen von Thalia angeht. Die Entwicklung, die das Unternehmen über die letzten vier Jahre gezeigt hat, ist wirklich beeindruckend. Ich dachte, der Markt wird es für das Unternehmen viel schwieriger machen. Der Buchhandel war und ist im Umbruch. Deswegen haben wir Thalia damals ausschließlich mit Eigenkapital ausgestattet, um dem Management die nötige Freiheit zu geben, sich voll und ganz auf die Herausforderungen zu konzentrieren, die die strukturellen Veränderungen im Buchhandel mit sich bringen. Bei den strategischen Entscheidungen, die wir getroffen haben, hat uns auch unsere weitreichende Erfahrung mit anderen Investments im Handel geholfen.

Als Advent bei Douglas einstieg, machte Thalia hohe Verluste, die auch die Gruppe belasteten. Wie haben Sie das Unternehmen wieder profitabel gemacht?
Thalia hat massiv in das Thema Cross-Channel – also in den Verkauf über alle Kanäle, von Filiale bis zum Internet – investiert. Man hat sich klar auf das Kernsortiment Buch und verwandte Produkte wie Kalender oder Spielzeug konzentriert und das Konzept „Wir bieten von allem etwas“ beerdigt. Im Zuge dessen wurden angestaubte Filialen modernisiert und auch einige in schlechter Lage geschlossen. Gleichzeitig hat Thalia Filialen neu eröffnet, so dass sich das Filialnetz netto sogar vergrößert hat. Ohne die Zahlen der Konkurrenz genau zu kennen, denke ich, dass wir mit Thalia heute einen der profitabelsten Buchhändler in Deutschland haben.

Lange Zeit hatte Thalia der Konkurrenz aus dem Internet, vor allem durch Amazon, kaum etwas entgegenzusetzen. Wie sieht das heute aus?
Viel besser, mittlerweile stammen schon 20 Prozent des Umsatzes aus dem Internetgeschäft. Im Thalia-Onlineshop erhalten Sie zum Beispiel in der Mediathek Empfehlungen, die auf Ihrem persönlichen Lesegeschmack und dem der anderen Leser beruhen – nicht auf Algorithmen wie bei Amazon. Und der E-Book-Reader Tolino ist in Deutschland eine wirkliche Alternative zu Amazons Kindle. Der Marktanteil steigt stetig. Zudem hat Thalia zwischenzeitlich die vormals börsennotierte Buch.de komplett übernommen und in die eigenen Online-Aktivitäten integriert.

Hätte die Douglas-Gruppe das nicht auch ohne Advent geschafft?
Das kann ich nicht abschließend beurteilen, aber fest steht: Als wir in Douglas investiert haben, war uns klar, dass zu der Gruppe mehrere gute Portfolio-Unternehmen gehören, die aber über wenig bis keine Synergien verfügen. Als Mischkonzern war es für das Douglas-Management um Henning Kreke nicht einfach, sich auf alle Bereiche gleichermaßen zu konzentrieren und schnell zu reagieren beziehungsweise Entscheidungen zu treffen. Es hat extrem geholfen, die Unternehmen auf eigene Füße zu stellen. Die Dynamik ist nun, da nicht mehr alles zentral in einer Holding abgestimmt werden musste, viel höher. Das war ein sehr wichtiger Faktor für den großen Erfolg der Transformation der Douglas-Gruppe.

War denn Thalia schneller an dem Punkt, wo Sie mit dem Unternehmen hin wollten, oder war die Verkaufsgelegenheit jetzt einfach günstig?
Für uns als Investor war es sehr wichtig, dass sich Thalia als Deutschlands größter Buchhändler mit tausenden Kunden jeden Tag wieder gut entwickelt. Wir wollten nicht zur früh an einen neuen Eigentümer verkaufen, der uns vielleicht einen guten Preis zahlt, die Restrukturierung aber verschärft. Wir wollten Thalia erst ein stabiles Fundament geben – und das haben wir. Wir gehen davon aus, dass Thalia auch in diesem Jahr die gesetzten Ziele mehr als erreichen wird.

Sie hätten also schon viel früher verkaufen können?
Es gab einige Interessenten, die aber andere Vorstellungen hatten.

Die Verlegerfamilie Herder wird neuer Mehrheitseigentümer.

Foto: dpa

Es ist natürlich auch gut für Ihren Ruf, dass Thalia – anders als Douglas, Christ, Appelrath Cüpper und Hussel – an einen strategischen Investor geht und nicht an einen Finanzinvestor.
Darauf kommt es uns nicht an. Uns geht es vielmehr darum, den für das jeweilige Unternehmen passendsten Käufer zu finden. Dabei ist es mitentscheidend, dass der neue Eigentümer die Strategie, die wir mit dem Management entwickelt haben, teilt und fortführen will. Es geht natürlich auch um unsere Rendite, aber die Logik ist einfach und gilt auch für Thalia: Wir wollen, dass sich unsere Portfolio-Unternehmen auch in Zukunft gut entwickeln– und dazu sollte man an den großen strategischen Leitlinien festhalten, gerade in einem sehr anspruchsvollen Markt. Wir haben bei Familie Herder schnell gesehen, dass wir die gleichen Interessen haben. Der Kaufpreis ist vernünftig und das Management freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Partner.

Was kann Advent denn für Thalia auf dem Konto verbuchen?
Das darf und werde ich Ihnen nicht sagen.

Und wie ist die Familie Herder ins Spiel gekommen?
Wir wurden angesprochen. Es gibt auch eine historische Beziehung zwischen Herder und Thalia. 1996 übernahm Thalia die Herder-Buchhandlungen in Münster und Freiburg. Und natürlich hat Herder als etabliertes Verlagshaus auch eine Verbindung zu Thalia als Händler. Es ist wichtig, dass der Käufer eine langfristige Perspektive hat und einen langen Atem, damit es nicht zu Schnellschüssen kommt, wenn es mal weniger gut läuft.

Trotz der Erfolge bei Thalia, der Buchmarkt bleibt hart umkämpft. Was muss der neue Eigentümer bei Thalia in Angriff nehmen?
Ein Großteil der Energie des Unternehmens muss aus unserer Sicht weiter in die Themen Cross-Channel und Kundenservice fließen – und das wird sie sicher auch. Wenn dies erfolgreich mit Innovationen wie zum Beispiel dem Tolino kombiniert wird, dann hat das Unternehmen sehr gute Wachstumschancen. Wenn ich im Flieger sitze, sehe ich immer mehr Leute, die wieder Bücher oder Zeitschriften in der Hand haben. Der Hype, das alle nur noch auf E-Book-Readern oder Tablets lesen, hat sich aus meiner Sicht deutlich relativiert. Das digitale Geschäft wird ein wesentlicher Bestandteil bleiben, aber der Handel kann durchaus mit einem guten Kauferlebnis an guten Standorten punkten.

Sie glauben also, dass der E-Book-Markt an seine Grenzen stößt?
Zumindest hat er nicht mehr diese Zuwachsraten, die wir in der Vergangenheit gesehen haben – etwa als wir bei Douglas Ende 2012 eingestiegen sind. Insofern flacht das Wachstum ab, ja. Amazon etwa eröffnet bekanntermaßen eigene Buchhandlungen. Das zeigt, dass der Handel selbst für einen Onlinegiganten wie Amazon interessant ist.

War es eigentlich geplant, Thalia bis zum Schluss zu behalten?
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Uns war von Anfang an klar, dass Thalia zuletzt verkauft werden würde. Das Unternehmen war in einem schwierigen Marktumfeld und es war uns wichtig, das Unternehmen nachhaltig auf Wachstumskurs zu bringen. Dazu muss man auch viel Zeit investieren. Letztlich haben wir jetzt einen idealen Käufer und einen guten Zeitpunkt für den Ausstieg gefunden. Das war nicht selbstverständlich, schließlich war das Umfeld, als wir bei Douglas eingestiegen sind und das Unternehmen dann von der Börse genommen haben, durchaus anspruchsvoll. Wir hatten in den Jahren vor dem erfolgreichen Delisting nicht immer ein florierendes Wirtschaftsklima.

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Haben Sie deswegen den angekündigten Börsengang der Douglas-Parfümerien abgesagt und Ihre Beteiligung 2015 an den Finanzinvestor CVC verkauft? Bei einem Börsengang hätten Sie voraussichtlich nicht sofort alle Anteile losschlagen können und auf eine weiter stabile Nachfrage am Aktienmarkt hoffen müssen.
Die Familie Kreke wollte bei den Douglas-Parfümerien maßgeblich unternehmerisch beteiligt bleiben und hatte ein hohes Interesse an einer Übernahme durch einen Investor.

Die Christ-Juweliere haben Sie bereits 2014 verkauft.
Christ war immer ein sehr gut geführtes Unternehmen. Auch dort haben wir aber Akzente setzen können und beispielsweise das Management unterstützt, ein neues Ladenkonzept zu entwerfen und in den Onlineshop zu investieren.

Im März hat Advent einen neuen Fonds aufgelegt – mit 13 Milliarden Dollar einer der größten weltweit seit der Finanzkrise. Was sind Ihre nächsten Projekte in Deutschland?
Das verrate ich natürlich nicht. Der Markt ist aktuell sehr anspruchsvoll, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Der EU-Austritt der Briten, der Überfluss an Eigenkapital in Kombination mit günstigen Konditionen für Bankdarlehen, das insgesamt hohe Preisniveau – das macht intelligentes Investieren nicht unbedingt einfacher. Aber es gibt keinen Grund, sich zu beschweren. Wir sind extrem gut in Deutschland vernetzt und prüfen zurzeit eine Reihe von sehr spannenden Investments.

Herr Sen, vielen Dank für das Interview.

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