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Spielwarenmesse in NürnbergVon Insektenrobotern und virtuellen Boliden

Roboter, Drohnen und Virtual-Reality-Brillen: Der Trend zu High-Tech im Kinderzimmer hält an. Zahlreiche Hersteller nutzen den wichtigsten Branchentreff in Nürnberg, um Spielzeug-Neuheiten vorzustellen. Ein Überblick.Joachim Hofer 26.01.2017 - 18:39 Uhr Artikel anhören

Ein Junge spielt mit dem „VR Racer“, einer Neuheit von Revell. Der Trend zu High-Tech-Spielzeug hält an.

Foto: dpa

Ferngesteuerte Rennwagen sind nichts Neues. Seit Generationen begeistern sich Jungs für die kleinen Flitzer. Doch nun können sich die Kinder das erste Mal selber ins Cockpit setzen. Dafür müssen sie sich nur eine Computerbrille überstreifen, schon steuern sie den Wagen nicht mehr von oben herab, sondern aus der Perspektive des Fahrers hinter dem Lenkrad.

Revell präsentiert seinen „VR Racer“ in der kommenden Woche auf der Spielwarenmesse in Nürnberg – und liegt damit voll im Trend. Immer mehr Spielzeughersteller bieten High-Tech-Produkte an, und punkten damit bei den Kunden. „Die Technik unterstützt den Spielwert“, erklärt Joachim Stempfle von der npd Group den Erfolg der Elektronik im Kinderzimmer. Schon im vergangenen Weihnachtsgeschäft seien ein interaktiver Globus von Ravensburger oder die per App gesteuerte Rennbahn Anki Overdrive die Renner gewesen, sagt der Marktforscher.

In Nürnberg präsentieren die Produzenten vom kommenden Mittwoch an, was in der Adventszeit in den Regalen der Händler liegen wird. Bereits jetzt steht fest: Es wird noch mehr Elektronik auf den Wunschzetteln der Kinder stehen. Marktführer Lego beispielsweise bringt „Boost“ in die Geschäfte. Das ist  ein neuer Roboter, der tanzen und schießen kann, und von den Kindern selbst programmiert wird.

Gute Marktchancen sehen die Juroren des „Toy Award“ – einer Auszeichnung der Spielwarenmesse – auch für den „Geckobot“. Das ist ein raffinierter Roboter, groß wie ein Schuhkarton, der sich bewegt wie ein Insekt. Das Wesen hat Saugnäpfe an den Füßen und kann daher auch das Fenster hochklettern.  

Auch wenn der Führerschein noch einige Jahre entfernt ist, spielen Autos bei vielen Kindern bereits eine große Rolle. So schafft es auch „Carrera Go!!! Plus“ unter die zehn beliebtesten Spielzeuge 2016. Die Bahn kann per Bluetooth auch mit der Carrera-App verbunden werden.

Die „Top 10 Spielzeug“ ist eine jährliche Marketingaktion für Spielzeug und Freizeitartikel in Deutschland. Die Jury, die über die zehn besten Spielzeuge abstimmt, setzt sich aus dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) und mehreren Spielzeug- und Freizeitexperten wie Michael Melzer, Geschäftsführer Central Europe von Toys „R“ Us, zusammen.

Foto: dpa

Der Drache Torch ist Teil der Spielzeugreihe „FurReal Friends“ und kann auf Knopfdruck roten Sprühnebel speihen. Das Spielzeug wird vom deutschen Ableger des US-Konzern Hasbro vertrieben. Hasbro zählt in der Spielwarenbranche zu den Marktführern und setzte zuletzt 1,68 Milliarden Dollar um. Vor zwei Jahren hat Hasbro sich den lukrativen Lizenzvertrag für die Disney-Figuren gesichert. Die Firma wurde 1923 als Familienunternehmen von den Brüdern Henry und Hillel Hassenfeld gegründet.

Foto: AP

Die Tiptoi-Spielwelten des Traditionsunternehmens Ravensburger schaffen es ebenfalls unter die Top Spielzeuge 2016. Für Kinder zwischen vier und acht Jahren werden gleich mehrere Welten wie Polizei und Autorennen angeboten und enthalten neben Spielfiguren Elemente zum Zusammenbauen. Der 1883 gegründete Hersteller Ravensburger zählt zu den ältesten Unternehmen in der Branche und brachte 1959 unter anderem die Erstversion von Memory auf den Markt.

Foto: dpa

Die „Hatchimals“ gehören zu den interaktive Spielzeugen. Beim Kauf ist das Ei zunächst geschlossen. Es schlüpft erst dann ein Küken, wenn das Ei ordentlich versorgt und gepflegt wird. Im Anschluss gibt es einen dreistufigen Entwicklungsprozess des Kükens zum ausgewachsenen Hatchimal. Das Spielzeug wird von dem kanadischen Unternehmen Spin Master produziert, das 1994 von den Freunden Ronnen Harary and Anton Rabie gegründet wurde. Obwohl es die Hatchimals seit kurzer Zeit zu kaufen gibt, gehören sie schon jetzt zu den Verkaufsschlagern.

Foto: dpa

Auch aus der Spielwaren-Welt ist „König Fußball“ nicht wegzudenken – der Fußball-Manager „Heimspiel“ schafft es ebenfalls unter die besten zehn Spielzeuge. Bei dem Strategie-Spiel müssen die Spieler ihre eigene Mannschaft aufstellen, taktieren und ihren Kader durch Käufe und Verkäufe möglichst gut zusammenstellen. Vertrieben wird das Spiel, das mit einer Altersempfehlung ab zwölf Jahren besonders Jugendliche und Erwachsene ansprechen soll, von Clementoni Deutschland.

Foto: dpa

Mit den Modellbausätzen der US-Firma Revell sollen besonders Kleinkinder angesprochen werden. Durch einen speziellen Schraubmechanismus können die Fahrzeuge ohne Kraftaufwand zusammengebaut werden, da sie einfach ineinander gelegt werden und mit extra-großen Schrauben ausgestattet sind. Durch diese Technik sind die Modelle bereits für Kinder ab vier Jahren geeignet – und schaffen es auch deshalb unter die besten zehn Spielzeuge.

Foto: dpa

Auch Lego gehört in einem Großteil deutscher Kinderzimmer zum Standardreportoire, ist aber auch bei immer mehr Erwachsenen eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Vulkanfestung ist dabei nur eines von vielen Angeboten des dänischen Lego-Konzerns, der weltweit erfolgreich ist und erst vor einigen Tagen seine erste Produktionsstätte in China eröffnet hat. Unter den beliebtesten Spielzeugen 2016 darf Lego ebenfalls nicht fehlen.

Foto: dpa

Bei beliebten Spielzeugen darf auch Playmobil nicht fehlen – seit 1974 ist die Spielzeugreihe ist deutschen Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Hinter der Marke steckt die Geobra Brandstätter GmbH mit Sitz in Zirndorf (Bayern). Playmobil hat heute weltweit über 4000 Mitarbeiter und wird neben Deutschland auch in den USA und anderen EU-Ländern gerne gekauft. In diesem Jahr schafft es das Kreuzfahrtschiff unter die beliebtesten Spielzeuge.

Foto: Playmobil

Der Reiterhof von Schleicht ist für Kinder ab fünf Jahren geeignet und besonders bei Mädchen beliebt. Mit einem Preis von rund 100 Euro zählt er zu den teureren Spielzeugen, die es auf die Liste geschafft haben. Schleicht wurde 1935 von Friedrich Schleicht gegründet und produzierte zunächst vor allem Comicfiguren wie Biene Maja oder die Schlümpfe. Seit gut 30 Jahren zählen auch verschiede Tierspielwelten zum Portfolio des Unternehmens, das rund 250 Mitarbeiter beschäftigt.

Foto: dpa

Barbie ist wohl die berühmteste und gleichzeitig eine der meistverkauften Spielzeugpuppen der Welt. Die erste Barbie (vollständiger Name: Barbara Millicent Roberts) kam 1959 in den USA auf den Markt – seit 1964 ist die Blondine auch aus deutschen Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Mit der Ursprungs-Puppe hat die Barbie, die es unter auf die Liste der beliebtesten Spielzeuge 2016 geschafft, allerdings nicht mehr viel gemeinsam: Statt in ihrem Traumhaus zu sitzen, ist sie aktuell auf einem ferngesteuerten Hooverbord unterwegs. Erfunden wurde Barbie vom Ehepaar Ruth und Elliott Handler, die Gründer des heutigen Spielzeug-Weltmarktführers Mattel.

Foto: dpa

Selbst die Kleinsten stoßen schon auf Roboter. Da ist etwa das Senso Chamäleon, ein Plastikspielzeug für Kleinkinder, vollgestopft mit Elektronik. Noch bevor er in den Kindergarten kommen setzt der Nachwuchs dabei Klötze in vorgegebene Formen ein und werden mit Tönen und Lichtzeichen belohnt, wenn’s passt.

„Die Welt des Spielens ist ein kleines Abbild der Realität“, erläuterte Messechef Ernst Kick am Donnerstag in Nürnberg. Daher präsentiere die Messe erstmals Roboter, Drohnen, 3D-Drucker, elektronische Tiere und Virtual-Reality-Brillen auf einer eigenen Aktionsfläche. Dort sollen die Händler ausprobieren, was das neue Spielzeug so alles kann; damit die Ladenbesitzer ihre Kunden dann auch gut beraten können.

Die Spielwarenhersteller jedenfalls haben zuletzt ein gutes Gespür für die Vorlieben der Kunden gezeigt. Schon seit längerem geht es Jahr für Jahr aufwärts. Weltweit haben die Konsumenten 2016 rund 90 Milliarden Dollar für Spielzeug ausgegeben. Den Marktforschern der npd Group zufolge entspricht das einem Plus von rund 3,5 Prozent. Für Deutschland haben die Experten sogar ein Wachstum von fünf Prozent errechnet.

Die Messe in Nürnberg sieht sich als größter Branchentreff weltweit. Zum Vergleich: Die Franken locken dieses Jahr 2.871 Aussteller an – ein neuer Rekord.  Die Konkurrenz in Hongkong kam Anfang des Jahres lediglich auf 2.100 Teilnehmer. An der wichtigsten Ausstellung der Industrie in Nordamerika, der „New York Toy Fair“,  nahmen zuletzt nicht einmal halb so viele Unternehmen teil.

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Die deutsche Zapf Creation AG aus dem oberfränkischen Rödental ist nach eigenen Angaben Europas größter Puppenhersteller und vertreibt Marken wie die „Baby Born“. 2014 machte das Unternehmen einen Umsatz von 58,9 Millionen Euro.

Quelle: Unternehmensangaben

Foto: dpa

Auch Bruder hat sich spezialisiert: Das Fürther Familienunternehmen bietet Spielfahrzeuge im einzigartigen Maßstab 1:16 an. Das Unternehmen ist auch international tätig und unterhält für den nordamerikanischen Markt ein Lager in den USA. 2014 wurde ein Umsatz von 75 Millionen Euro erwirtschaftet.

Foto: dpa/picture-alliance

Der 1877 von Margarete Steiff gegründete Plüschtierhersteller erlebte 2014 eine herbe Niederlage: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass der Hersteller keinen Schutz des europaweit bekannten Markenzeichens „Knopf im Ohr“ mehr beanspruchen kann. Einem Knopf im Ohr fehle es schlicht an Unterscheidungskraft. Umsatzwerte von Steiff liegen nur für 2013 vor, in diesem Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 93,27 Millionen Euro.

Foto: dpa

Das international tätige Unternehmen Schleich aus Schwäbisch Gmünd produziert handbemalte, möglichst originaltreue Hartgummifiguren. 2014 wurde Schleich, das 1986 in Konkurs gegangen war, durch den französischen Investor Ardian für 220 Millionen Euro gekauft. 2013 betrug der Umsatz 106 Millionen Euro.

Foto: dpa

Die international tätige Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in, nun ja, Ravensburg, ist auch heute noch weltweit vor allem durch die Herstellung von Gesellschaftsspielen und Puzzles bekannt. Der Umsatz 2014 betrug 373,2 Millionen Euro.

Foto: dpa

Der Systemspielzeughersteller der zur Geobra Brandstätter Stiftung mit Sitz im fränkischen Zirndorf gehört, produziert seit 1974 seine nach dem Kindchen-Schema konstruierten Figuren. Mit seinen ursprünglich „Klickies“ genannten Figuren erwirtschaftete Playmobil 2014 einen Umsatz von 535 Millionen Euro.

Foto: dpa

Die Simba-Dickie-Group tätigte 2013 einen prominenten Zukauf: Der Spielwarenhersteller, der sich einst durch einen Zusammenschluss der Unternehmen Simba Toys und Dickie Toys gegründet hatte, kaufte den insolventen Modelleisenbahnhersteller Märklin. 2014 betrug der Umsatz der Unternehmensgruppe 602 Millionen Euro.

Foto: dpa

Der Name des Unternehmens leitet sich vom dänischen „leg godt“, zu deutsch: „spiel gut“ ab. Der Kult um Legosteine lässt das Unternehmen weltweit Milliarden verdienen – trotzdem ist der Konzern, 2014 nach eigenen Angaben noch Nummer Eins der Branche, mit einem Umsatz von umgerechnet 3,8 Milliarden Euro nur noch die Nummer drei der Spielzeughersteller.

Foto: ap

Zu dem US-Konzern Hasbro – zusammengesetzt aus den Worten Hassenfeld Brothers – gehören Marken wie die mittlerweile auch auf der Kinoleinwand vertretenen „Transformers“-Spielzeugfiguren, das Rollenspiel Dungeons & Dragons und das Brettspiel Monopoly. Mit diesem breiten Angebot erwirtschaftete der Konzern 2014 einen Umsatz von rund vier Milliarden Dollar.

Foto: Reuters

Der Branchenprimus Mattel steht immer wieder in der Kritik – mal wegen den Bedingungen in Fertigungsstätten in China, mal wegen einer Multimedia-Barbie, die Eltern hilft, ihre Kinder zu belauschen. Dennoch machte der Konzern, der auch die Hauptlizenzen für Batman- und Harry-Potter-Spielzeuge besitzt, 2014 einen Umsatz von rund 6,2 Milliarden Euro. Das ist der Spitzenwert im Spielzeuggeschäft.

Foto: ap

Messechef Kick musste zur 68. Spielwarenmesse sogar Firmen ablehnen, weil ihm der Platz fehlt. „Das macht uns etwas inflexibel“, ärgert sich der Unternehmenslenker. Denn so manche neue Marke kommt nicht zum Zug. Das Interesse der Gäste freilich scheint ungebrochen. „Wir rechnen wieder mit mehr als 70.000 Fachbesuchern“, betonte der Manager. Auch das erreicht keiner der anderen Messeplätze weltweit. Drei von vier Ticketkäufern kommen dabei aus dem Ausland. 

Doch nicht alle Spielwaren haben künftig einen Stecker. Zu den Kandidaten für den Toy Award der Messe zählen auch die Kreidebomben von Xtrem Toys. Das sind kleine Stoffsäckchen, die mit farbiger Kreide gefüllt sind. Doch keine Angst: Der Hersteller verspricht, dass sich die Kreide restlos entfernen lässt.

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