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Finanzinvestor Cornelius BoerschDer Firmen-Sammler

Der deutsche Finanzinvestor Cornelius Boersch kauft das Groupon-Geschäft in Brasilien. Damit will er auch seine vorhandenen Online-Plattformen in Südamerika neu befeuern. Seine Strategie: „industrial farming“.Peter Brors 06.04.2017 - 16:35 Uhr aktualisiert Artikel anhören

„Wer behauptet, dass wir in Deutschland nicht auch junge IT-Firmen weiterentwickeln können?“

Foto: Mountain Partners, Paula Fridman

Düsseldorf. Es ist noch keine zwei Wochen her, da gab sich Cornelius, genannt Conny, Boersch einmal mehr ausgiebig seiner Leidenschaft fürs Netzwerken hin. In die bayerischen Voralpen, nach Rottach-Egern, ins Luxushotel Überfahrt hatte er zum diesjährigen Unternehmertag geladen. Seinem Ruf folgten 500 Investoren und Gründer, für die an den Gestaden des Tegernsees ein politisches Personal aufgeboten wurde, das jedem Kabinett in Berlin zur Ehre gereichen würde: Der frühere Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war zum Gedankenaustausch erschienen, Ex-CDU-Fraktionschef Friedrich Merz, der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch und der amtierende FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Auch hob die frühere Chefanklägerin der Uno, Carla del Ponte, genauso zu einer schwungvollen Rede an wie Österreichs Außenminister Sebastian Kurz und CSU-Sympathisant Uli Hoeneß.

Nahrung für die Teilnehmerhirne gab es also im Überfluss. Boersch veranstaltete seinen Unternehmertag schon zum elften Mal. Wer jetzt auf die Idee kommt, seine Firma Mountain Partners würde vor allem mit Tagungen Geld verdienen, der liegt falsch. Boersch ist Finanzinvestor und ständig auf der Suche nach Geschäftsideen. Er sagt und fragt: „Die Welt ist überall gleich. Alle mögen Amazon, Facebook, Snapchat. Wer behauptet eigentlich, dass wir in Deutschland nicht auch junge IT-Unternehmen weiterentwickeln und in neue Märkte transferieren können?“

Gesagt, getan. Voraussichtlich noch diese Woche wird Boersch die Übernahme des Brasilien-Geschäfts von Groupon bekanntgeben. Und sich damit zum Inhaber des gesamten Lateinamerika-Geschäfts des Onlinegutschein-Anbieters aufschwingen, gehören ihm doch bereits die Dependancen in Argentinien, Chile und den anderen Ländern des Kontinents. Über den Kaufpreis wurde mit Groupon in Chicago Stillschweigen vereinbart. 760 Mitarbeiter betreuen künftig für ganz Südamerika drei Millionen aktive und 25 Millionen registrierte Kunden. Boersch sagt, dass E-Commerce in den Emerging Markets generell der Entwicklung in den USA und Europa „stark hinterherhinkt und deshalb besonders viel Potenzial besitzt“.

Erprobte Technologien in neue Märkte bringen

Gemäß dieser Erkenntnis betreiben Boerschs Beteiligungen inzwischen mehr als zwei Dutzend Onlinemarktplätze in Asien, Afrika und Lateinamerika. In Indien etwa verkauft Mountain über die Plattform Clovia Unterwäsche, in Argentinien und Brasilien über das Portal Luuna Matratzen. Und von Chile aus vermittelt er über Recorrido Bustickets. Insbesondere seine Firmen in Südamerika, so wohl Boerschs Kalkül, würden durch das Rabattgeschäft von Groupon nun neuen Elan erhalten.

Boersch nennt dieses Konzept „industrial farming“. Was für ihn frei übersetzt offenbar heißt, dass er eine in Europa oder den USA erprobte Technologie in weitere Märkte transferiert. Ein Wettbewerber kommentiert das so: „Grundsätzlich sind diese Transformationen komplexe Angelegenheiten, weil die Befindlichkeiten der Nutzer in den verschiedenen Märkten eben sehr verschieden sein können.“

Hinzu kommt in diesem speziellen Fall: Tatsächlich hat Groupon längst nicht in allen Ecken der Welt reüssiert. In Skandinavien wurde das Geschäft mit den lokalen Preisvorteilen zeitweise ganz aufgegeben. Und auch in Deutschland gab es Kritik von Verbraucherschützern und Kunden.

Boersch ficht das nicht an und glaubt an das Modell. Insgesamt hat der Firmen-Sammler mittels Mountain mehr als 200 Millionen Euro in 102 Beteiligungen investiert, vor allem in Sparten wie E-Commerce, online-basierte Finanzdienstleistungen und Cybersecurity. Mountain ist damit noch immer viel kleiner als das Beteiligungsportfolio der Samwer-Brüder bei Rocket Internet. Boersch aber sagt: „Wenn sich nur einige unserer Beteiligungen als Perlen entpuppen, geht das Geschäftsmodell auf.“

Er war selbst Ende der 90er-Jahre als Gründer erfolgreich: Den Chiphändler ACG brachte er als CEO an die Börse. Ähnlich verhielt es sich mit Alando, das damals ein ähnliches Geschäftsmodell wie Ebay verfolgte und wo Boersch als Erstinvestor einstieg. Verkäufe, sogenannte Exits, sind ihm auch bei Secusmart (Sicherheitstechnik für Mobiltelefone) und Lieferando gelungen.

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Die Erlöse reinvestierte er größtenteils in neue Firmen. Dazu gründete er 2004 Mountain Partners, zunächst als Family Office. Heute sitzen im Aufsichtsrat der Private-Equity-Gesellschaft Köpfe wie Nina Shapiro, die für die Weltbank gearbeitet hat, und zu Guttenberg. Wie überhaupt Boersch enge Kontakte zur Politik pflegt: Früher gehörte er oft zur Entourage von Ex-Außenminister Guido Westerwelle.

Inzwischen ist Boersch 48 Jahre, mittelgroß, schlank, mit kurzem grauem Haar. Er fährt viel Ski, privat und mit Geschäftspartnern. Sein Lachen wirkt ansteckend optimistisch. Er hat BWL studiert und an der Universität Duisburg zum Thema Risikokapital promoviert. Er spricht schnell und verzichtet weitgehend auf Anglizismen, mit denen seinesgleichen sonst gern hantieren. Wobei „industrial farming“ irgendwie nicht deutsch klingt – aber es drücke seine Idee, den Export von Onlineplattformen, so treffend aus. Sagt er. Der Finanzvorstand eines TecDax-Unternehmens aus München meint: „Der Mann weiß in der Regel, was er tut.“ Und auch im Hause des Konkurrenten Rocket, so ist zu hören, beobachte man die Aktivitäten bei Mountain „voller Respekt“.

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