Jobsharing: In der Theorie hip, in der Praxis kaum genutzt
Wenn sich zwei Mitarbeiter einen Arbeitsplatz teilen.
Foto: dpaNürnberg. Die Stellenanzeige klingt verlockend: Eine exponierte Führungsposition samt Personalverantwortung, die man sich mit einem zuverlässigen Partner teilt. In jeglicher Hinsicht teilt: Bei der Stundenzahl, beim Gehalt, den Entscheidungen und den Aufgaben. Nicht nur beim Pharmakonzern Novartis hofft man, auf diese Weise erfolgreiche Mitarbeiter halten zu können, die etwa nach einer Elternzeit weniger arbeiten wollen, ohne ihre Führungsposition aufgeben zu müssen. Jobsharing heißt das Modell, das in Personalabteilungen gerade in aller Munde ist. Allein: Es kommt extrem selten zur Anwendung.
Auf den Kongressen der Personaler ist das Thema hip. „Am Anfang mussten wir viel Aufklärung und Informationsarbeit leisten“, schildert Jana Tepe von der Vermittlungsplattform Tandemploy. „Jetzt merken wir, wie sich der Markt total öffnet dafür.“ Als Grund nennt sie die wachsende Nachfrage nach flexiblen Arbeitsmodellen.
Im Gegensatz zur Teilzeitquote von nur neun Prozent seien etwa ein Drittel der Jobsharing-Interessenten Männer, berichtet Tepe. „Es sind vor allem Führungspositionen und komplexe Aufgaben, IT-Jobs, Marketing, Beratung – also vor allem Stellen, die bisher als typische Vollzeitjobs gegolten haben, bei denen der Chef die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn man sagt, dass man reduzieren möchte.“