1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Industrie
  4. Ikea-Zulieferer Siempelkamp: „Das Kopieren der Chinesen ist wie eine Seuche“

Ikea-Zulieferer Siempelkamp„Das Kopieren der Chinesen ist wie eine Seuche“

Siempelkamp ist Weltmarktführer für Maschinen, die Spanplatten herstellen. Auch Möbelgiganten wie Ikea zählen zu den Kunden. Doch das Ingenieurswissen des Maschinenbauers ist wegen chinesischer Spionage in Gefahr.Martin Wocher 30.05.2017 - 16:59 Uhr Artikel anhören

Ein großes Sortiment an Ikea-Möbeln besteht aus Spanplatten, die Maschinen der Firma Siempelkamp aus Krefeld hergestellt haben.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die Maschinen waren aufgebaut, die Mitarbeiter strebten dem Ausgang zu, als die Konkurrenz aufkreuzte: „Sie kamen in Scharen und haben alles bis ins Detail fotografiert“, sagte Hans Fechner, Vorstandschef des Krefelder Büromaschinen, sonstige|Büromaschinen & Geschäftsbedarf, Großhandel|Dosierpumpen|Gebläse & Luftfiltergeräte|Kompressoren & Vakuumpumpen|Kugellager & Rollenlager|Maschinen & Maschinenzubehör, Großhandel|Maschinenbau, Dienstleistungsgewerbe, sonstige|Maschinenbau, Dienstleistungsgewerbe|Maschinenbau, Holzindustrie|Maschinenbau, nichtelektrisch, sonstiger|Maschinenbau, Papierindustrie|Maschinenbauausrüstung|Pumpen|Musterbau|Rolltreppen & Aufzüge|Spezialmaschinenbau|Büromaschinen & Geschäftsbedarf, Großhandel|Maschinenbauausrüstung, sonstigeers Siempelkamp. Das Familienunternehmen ist Weltmarktführer im Bau von Komplettanlagen für die Herstellung von Spanplatten – Grundstoff für die weltweite Möbelindustrie. Tatort des intellektuellen Raubzugs: die Ligna, Leitmesse der Holzindustrie vergangene Woche in Hannover. Die Täter: chinesische Konkurrenten. „Das Kopieren der Chinesen ist ja wie eine Seuche“, ereiferte sich Fechner, der längst seine Konsequenzen daraus gezogen hat. „Das können Sie nur durch Technologiekompetenz kompensieren.“

Das gelingt dem Konzern zunehmend gut – trotz der Spionage aus Fernost. Nach einer Durststrecke und erheblichen Restrukturierungmühen in den vergangenen Jahren steht der Mittelständler wieder gut da: Alle Sparten schreiben schwarze Zahlen, der Umsatz hat sich 2016 – allerdings auch abrechnungsbedingt – um gut 28 Prozent auf 732 Millionen Euro verbessert, der Auftragseingang bewegte sich mit 624 Millionen Euro oberhalb des Vorjahresniveau. So soll es auch in diesem Jahr bleiben, wenn es nach den Worten Fechners geht. „Wir sind auf einem klaren Wachstumspfad“, sagte der 63-jährige Fechner am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf dazu, der schon seit 2002 an der Spitze des Familienkonzerns steht.

Der Grund liegt wiederum – in China. Im Osten des Landes, in der Hafenstadt Qingdao, hat Siempelkamp 2015 ein hochmodernes Werk errichtet, das zum wichtigsten Produktionsstandort des Unternehmens neben dem Stammsitz in Krefeld ausgebaut wird. „Dort steht eine komplette Fertigung“, sagte Fechner, der die Internationalisierung des Unternehmens in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben hat.

Der Vorteil: Siempelkamp wird in China als heimisches Unternehmen wahrgenommen, bezieht Komponenten von lokalen Zulieferern und rechnet in der chinesischen Währung ab. Das Bestreben der Regierung in Peking, künftig heimische Firmen bei Aufträgen zu bevorzugen, schreckt Fechner also nicht. Die Qualität ist hoch – auch das Stammwerk Krefeld bezieht Teile aus Qingdao, das inzwischen komplette Anlagen ausliefern kann. Die Belegschaft in China soll Anfang kommenden Jahres noch einmal deutlich aufgestockt werden.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus
Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.Quelle: dpa
Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.
Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.
Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.
Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.
Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.
Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.
In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.
Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.
Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Denn Asien ist mittlerweile einer der wichtigsten Märkte für den Mittelständler aus dem Rheinland. Gut ein Drittel aller Anlagen zur Herstellung von Holz- und Spanplatten hat Siempelkamp dort stehen, damit ergeben sich neue Geschäftsmöglichkeiten im Service und Ersatzteilgeschäft. Den Firmensitz in Krefeld sieht Fechner durch seine Strategie nicht gefährdet – im Gegenteil: „Wir sind in allen Standorten sehr gut ausgelastet“, sagt er.

Dabei haben die deutschen Standorte einige Umbauarbeiten hinter sich: Die Gusstechnik musste 2016 noch einmal Umsatzeinbußen um gut elf Prozent auf 79 Millionen Euro verkraften. Der Markt ist hart umkämpft, dazu tragen auch chinesische Wettbewerber bei. 

Anlagenbauer Siempelkamp

Die Firma, die die Welt vermöbelt

Siempelkamp konzentriert sich verstärkt auf Großgussteile wie Narben für Windkraftanlagern oder Behälter für radioaktiven Abfall, sogenannte Castoren. Laut Fechner angesichts der in vielen Ländern ungeklärten Endlagerung von Atommüll noch auf Jahre ein „sicheres Geschäft.“ Die frühere Sparte Nukleartechnik setzt ihre Kompetenz nicht mehr für den Bau von Atomkraftwerken ein – die ohnehin nicht mehr errichtet werden – sondern in deren Abriss.

Verwandte Themen
Ikea
Maschinenbau

Hier liefert Siempelkamp Maschinen und das Ingenieurs-Know-how für die Zerlegung des Reaktorkerns. „Wir haben darin viel Erfahrung“, sagt der Siempelkamp-Chef. „Die Zahl der rückzubauenden Anlagen wird weltweit steigen.“ In den USA hat der Mittelständler schon dabei geholfen, das Atomkraftwerk Zion zu zerlegen, derzeit gebe es aussichtsreiche Gespräche über einen Auftrag zum Rückbau zweier weiterer AKWs.

So treibt Fechner die Expansion in wichtige Auslandsmärkte voran. Nur so – davon ist er überzeugt – kann der Mittelständler mit gut 2.600 Mitarbeitern im internationalen Wettbewerb langfristig überleben. Doch auch wenn Siempelkamp in Zukunft mehr und mehr in Werken außerhalb der Landesgrenze produzieren will – technologische Kernkompetenz belässt Fechner in Krefeld. Das gilt beispielsweise für die Hydraulik und die Automatisierung: „Das ist das Herzstück einer solchen Anlage“, sagt er dazu. Und damit eine Überlebensgarantie für das Stammwerk.  

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt