1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Studie zum Erbvolumen: Deutschland erbt – bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr

Studie zum ErbvolumenDeutschland erbt – bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr

Über die exakte Höhe des an Erben weitergebenen Vermögens liegen nur Schätzungen vor. Berliner Ökonomen beziehen für eine neue Studie auch die Auswirkungen regelmäßigen Sparens ein – und kommen auf überraschende Zahlen. 05.07.2017 - 09:22 Uhr Artikel anhören

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat mittels einer Studien herausgefunden, dass Erben noch weit mehr Vermögen übertragen bekommen als bisher angenommen.

Foto: dpa

Berlin. In Deutschland wird in den nächsten Jahren nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weit mehr vererbt und verschenkt als bisher angenommen. Zwischen 2012 und 2027 belaufe sich das Erbvolumen auf schätzungsweise bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist gut ein Viertel mehr als in früheren Studien unterstellt, wie aus einer Studie des DIW im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht.

Die Berliner Forscher berücksichtigten bei den Zahlen nach eigener Aussage auch Wertveränderungen sowie Auswirkungen von regelmäßigem Sparen. Dadurch übertreffe das voraussichtliche Erbvolumen den reinen Vermögensbestand deutlich.

Für die Studie wurde als Basisszenario der Vermögensbestand der über 70-Jährigen im Jahr 2012 betrachtet. Daraus ergebe sich für die folgenden 15 Jahre ein potenzielles Erbvolumen von 1,31 Billionen Euro – oder 87 Milliarden Euro pro Jahr. Unter Berücksichtigung des Spareffekts und einer angenommenen Wertsteigerung des Vermögens von jährlich zwei Prozent erhöhe sich dieses Volumen um 28 Prozent auf 112 Milliarden Euro pro Jahr. Hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung ergebe sich schließlich ein voraussichtliches Erbvolumen von bis zu 400 Milliarden pro Jahr.

So viele Deutsche erben mehr als 100.000 Euro
Bundesweit erhalten durchschnittlich 16 Prozent der deutschen Erben mehr als 100.000 Euro. Aber zwischen Ost- und West sowie den Bundesländern gibt es große Unterschiede. Quelle: Quirin Bank, YouGov, Stand: April 2017Erhebungszeitraum: 12.04.2017 - 25.04.2017; immer bezogen auf jene, die bereits geerbt haben (bundesweit 35 Prozent der Deutschen)
In Westdeutschland wurde in der Vergangenheit in 19 Prozent der Fälle ein Vermögen von mehr als 100.000 Euro vererbt. Vor allem Immobilien treiben hier die Erbschaft in die Höhe.
In Ostdeutschland wurden deutlich seltener Immobilien vererbt, auch fällt der Nachlass generell oft geringer aus als im Westen. Nur sieben Prozent der Ostdeutschen Erben konnten sich über einen Nachlass von mehr als 100.000 Euro freuen.
Auch zwischen den Bundesländern zeigen sich große Unterschiede. Im nördlichsten Bundesland lag der Anteil hoher Erbschaften bei zwölf Prozent.
In Hamburg ist deutlich höherer Wohlstand anzutreffen. 21 Prozent der Hamburger erben mehr als 100.000 Euro.
17 Prozent der niedersächsischen Erben bekommen mehr als 100.000 Euro.
Hohe Summe bekommen auch viele im verschuldeten Bremen: 20 Prozent der Bremer erben mehr als 100.000 Euro.
Im bevölkerungsreichsten Bundesland liegt der Anteil hoher Erbschaften bei 16 Prozent.
Mehr hohe Erbschaften gibt es in keinem anderen Bundesland: Mehr als 100.000 Euro erben 24 Prozent.
17 Prozent der Erben in Rheinland-Pfalz erhielten einen Nachlass von mehr als 100.000 Euro. Fast jeder zweite erbte eine Immobilie – häufiger als in jedem anderen Bundesland.
20 Prozent, also jeder fünfte Erbe in Baden-Württemberg, konnte sich über einen Nachlass von mehr als 100.000 Euro freuen.
Nur in Hessen gibt es mehr hohe Erbschaften. 22 Prozent der hessischen Erben bekommen einen Nachlass im sechsstelligen Bereich.
Schlusslicht im Westen: Nur zehn Prozent der Erbschaften im Saarland liegen über 100.000 Euro.
Arm, aber sexy, scheint in Berlin noch immer zu gelten: Nur acht Prozent erben in Berlin sechsstellig.
Ähnliches Bild im Berliner Umland: Neun Prozent der Erben in Brandenburg erhalten einen Nachlass von mehr als 100.000 Euro.
Acht Prozent der Erben in Mecklenburg-Vorpommern können einen Nachlass im Wert von mehr als 100.000 Euro einstreichen.
Die weit geringere Zahl vererbter Immobilien macht sich in Ostdeutschland bemerkbar. Nur sechs Prozent Erbschaften erreichen einen Wert von 100.000 Euro und mehr.
Die niedrigsten Erbschaften verzeichnet Sachsen-Anhalt: Gerade mal fünf Prozent bekommen mehr als 100.000 Euro.
In Thüringen erhalten sieben Prozent aus dem Nachlass mehr als 100.000 Euro.

2015 belief sich das Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland den Angaben zufolge auf 11,2 Billionen Euro. Das Nettovermögen besteht sowohl aus dem Geld- und Immobilienvermögen als auch aus Betriebsvermögen, abzüglich aller Verbindlichkeiten wie Konsumentenkredite oder Hypotheken. Ein Teil dieses Vermögens wird jedes Jahr an die nächste Generation übertragen – durch Erbschaften nach dem Tod oder durch Schenkungen.

DAS HANDELSBLATT-UPDATE AM ABEND Erhalten Sie die Handelsblatt-Nachrichten des Tages börsentäglich um 20 Uhr per WhatsApp direkt auf Ihr Smartphone. Info Anmelden Speichern Sie in Ihrem Adressbuch und schreiben Sie uns eine Whatsapp-Nachricht mit start Foto: Handelsblatt

Wie viel genau vererbt oder verschenkt wird, ist laut DIW aber nicht bekannt, da das Statistische Bundesamt nur die steuerlich veranlagten Fälle ausweise. Danach belief sich das geerbte und geschenkte Vermögen 2014 auf 108,8 Milliarden Euro. Über das Gros der Erbfälle ist aufgrund hoher Freibeträge dem DIW zufolge nichts bekannt. Auch zu jährlichen Übertragungen von Vermögen an steuerlich begünstigte Organisationen wie Kirchen, Parteien oder gemeinnützige Organisationen lägen keine Informationen vor.

Das DIW verweist auf Annahmen, dass in der aktuellen Dekade jährlich 200 Milliarden bis 300 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt werden – beziehungsweise zwischen 2015 und 2024 rund 3,1 Billionen Euro insgesamt. In diesen Studien würden aber weder Wertänderungen des Vermögens, regelmäßiges Sparen noch der Konsum dieser Personen berücksichtigt, sondern eine rein statische Größe angenommen.

Verwandte Themen
Deutschland

Trotz des hohen Erbvolumens ist laut DIW aber fraglich, ob sich dies auch in einem deutlich steigenden Aufkommen aus der Erbschafts- und Schenkungsteuer niederschlägt. Die Mehrzahl der Erbschaften könne aufgrund der aktuell geltenden hohen Freibeträge steuerfrei übertragen werden. Dies gelte auch für sehr hohe Vermögen, die als Betriebsvermögen weitgehend steuerfrei übertragen werden können.

Das DIW rät dazu, die Freibeträge und Steuerprivilegien für Unternehmensvermögen auf den Prüfstand zu stellen. Unter anderem die Union und FDP lehnen dies ab, SPD, Linke und Grüne sind dafür.

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt