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Reckitt BenckiserCyberattacke wird für Putzmittel-Hersteller teuer

Reckitt Benckiser ist der erste Konzern, der die Kosten des jüngsten Cyberangriffs beziffert. Teile der Produktion und Auslieferung fielen aus. Nun senkt der Hersteller von Sagrotan und Durex-Kondomen die Umsatzprognose.dpa und Christoph Kapalschinski 06.07.2017 - 11:57 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Hersteller von Reinigungsprodukten und Haushaltswaren, der für Marken wie Sagrotan, Vanish, Durex oder Scholl bekannt ist, rechnet mit einem Umsatzeinbruch nach einer Cyberattacke.

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London. Die jüngste Cyberattacke mit dem Schadprogramm NotPetya auf Unternehmen und Behörden Ende Juni hat den britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hart getroffen: Der Hersteller von Reinigungsprodukten und Haushaltswaren, der für Marken wie Sagrotan, Vanish, Durex oder Scholl bekannt ist, rechnet im zweiten Quartal mit sinkenden Umsätzen. Das Unternehmen musste auch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr senken, wie aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht. Die Aktie des weltweit agierenden Konzerns gab am Donnerstag an der Börse in London um rund zwei Prozent nach.

Das Unternehmen erwartet für das zweite Quartal nach vorläufigen Berechnungen einen organischen Umsatzrückgang von zwei Prozent. Die Folgen der Cyberattacke herausgerechnet, geht Reckitt Benckiser von einer Stagnation aus. Einige der in dieser Zeit verlorenen Umsätze könnten jedoch in den drei darauf folgenden Monaten verbucht werden.

Der britische Reinigungsmittelhersteller ist der wachstumsstärkste und profitabelste Konzern der Branche und die weltweite Nummer eins im Geschäft mit Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln. Die Familie Reimann ist wesentlich an Reckitt beteiligt. Kaum ein Industriellenclan ist verschwiegener. Kaum einer scheffelt derzeit mehr Geld mit seinem Reich, auch wenn man laut eigener Aussage die Hälfte der Dividenden spendet.

Foto: Reuters

Ludwig Reimann gründete im 19. Jahrhundert zusammen mit Johann Adam Benckiser eine Chemiefabrik, die unter dem Namen Reckitt Benckiser zu einem der weltweit führenden Anbieter von Wasch- und Reinigungsmitteln geworden ist. Albert Reimann erfand unter anderem den Wasserenthärter Calgon.

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Das Unternehmen setzt vor allem den deutschen Konkurrenten Henkel unter Druck.

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Zu den bekanntesten Marken von Reckitt Benckiser gehört Clearasil, eine Hautpflegeserie gegen Pickel und Akne. Die Marke ist seit 2006 Teil des Reckitt Benckiser-Portfolios durch die Akquisition von Boots Healthcare.

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Auch der Fleckentferner Vanish gehört zum Portfolio des Unternehmens. Das Produkt wird sowohl in Simbabwe und Sri Lanka, als auch in Deutschland und den USA verkauft.

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Coty ist der weltgrößte Dufthersteller und gehört zum größten Teil der Familie Reimann. Das Unternehmen vertreibt hauptsächlich Celebrity-Parfums und Designerdüfte wie Calvin Klein, Davidoff und Joop.

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Die Holding Labelux konzentriert sich auf Luxusmarken. Seit 2007 Jahren kauft die Holding einen Luxusgüterkonzern zusammen. Der Schweizer Lederwarenhersteller Bally gehört neben der Schmuckmanufaktur Solange und dem italienischen Lederwarenhersteller Zagliani bereits dazu. Im Juli 2008 wurde das US-amerikanische Modemarke Derek Lam übernommen, im Mai 2011 der US-Schuhhersteller Jimmy Choo.

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Die Reimann gehörende österreichische Holding Labelux hatte 2012 rund 575 Millionen Euro für den für seine „High Heels“ bekannten Hersteller und Händler von Damenschuhen gezahlt. Die 1996 von der früheren „Vogue“-Redakteurin Tamara Mellon in London und dem Schuster Jimmy Choo ins Leben gerufene Marke war 2007 für 185 Millionen Pfund an den Finanzinvestor Tower-Brook Capital verkauft worden, der sie zu einer weltweiten In-Marke ausbaute. Namensgeber Jimmy Choo hatte seine Anteile bereits 2001 abgegeben.

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Im Jahr 2014 brachten die Reimanns einen Teil von Jimmy Choo an die Börse, hielten aber weiterhin die Mehrheit von 68 Prozent. Im Juli 2017 kündigte das Unternehmen an, für mehr als eine Milliarde Euro von der Modefirma Michael Kors übernommen zu werden

Foto: dapd

Auch im Kaffeegeschäft mischt die Familien Reimann mit. Erst im Dezember 2012 kaufte die Familie Caribou Coffee für 340 Millionen Dollar, zuvor Peet’s Coffee & Tea für eine Milliarde Dollar. 2013 übernahm ein Konsortium unter Führung der Familienholding JAB den niederländischen Kaffee- und Teehersteller DE Master Blenders („Jacobs“. „Senseo“).

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Im Dezember 2015 gelingt den Reimanns der große Coup: Für 14 Milliarden Dollar übernimmt ihre Holding JAB den Kaffeekapsel-Produzenten Keurig und wird damit zu einem Rivalen von Platzhirsch Nespresso.

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Im Mai 2016 übernahmen die Reimanns für rund 1,35 Milliarden Dollar (1,18 Milliarden Euro) über eine Tochtergesellschaft die US-Donutkette Krispy Kreme.

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Für den jüngsten Ausbau des Firmenimperiums der Reimanns hat die Milliardärsfamilie 7,5 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 7 Milliarden Euro) für die Bäckereikette Panera Bread investiert.

Foto: AFP

Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern noch mit einem Umsatzplus aus eigener Kraft um rund zwei Prozent. Bisher waren drei Prozent angepeilt. Das organische Wachstum klammert Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen aus.

Die Cyberattacke habe Produktion und Auslieferung zum Teil unterbrochen, hieß es. Einige Werke könnten derzeit immer noch nicht unter voller Last arbeiten. Zudem kann Reckitt Benckiser nach eigenen Angaben für einige Aufträge keine Rechnungen stellen. Das Unternehmen komme aber beim Wiederherstellen seiner Systeme voran.

Im Juni habe es zudem weniger Aufträge aus Indien gegeben, was im Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Mehrwertsteuer in dem Land stehe. Die Auswirkungen seien jedoch deutlich geringer als die der Cyberattacke.

In der vergangenen Woche waren bei etlichen Unternehmen weltweit die IT- und Kommunikationssysteme durch eine Cyberattacke lahmgelegt worden, die vermutlich in der Ukraine gestartet worden war. So war auch Beiersdorf mehrere Tage in weiten Teilen lahmgelegt.

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Telefone und Computer standen still, dazu Teile der Produktion weltweit. Trotz der Umsatzwarnung des Konkurrenten will der deutsche Dax-Konzern noch nicht beziffern, welche finanziellen Auswirkungen der Vorfall hat. Eine Sprecherin sagte, noch seien die Auswirkungen unklar, etwa wie stark Auslieferungen an Kunden beeinträchtigt waren. Der Konzern werde sich voraussichtlich Ende kommender Woche äußern. Bis Mittag gab die in den vergangenen Tagen gebeutelte Aktie dennoch um weitere gut eineinhalb Prozent nach. 

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