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ProkonInsolvenzverwalter retten 100 Millionen Euro für Gläubiger

Gläubiger des Windparkbetreibers Prokon, der 2014 Pleite ging, können sich freuen. Die Insolvenzverwalter haben einen Teil ihres Geldes gerettet. Bis Ende des Jahres sollen 100 Millionen Euro ausgeschüttet werden.Gertrud Hussla, Lars-Marten Nagel 07.07.2017 - 16:27 Uhr Artikel anhören

Bis Ende des Jahres sollen die Gläubiger des 2014 in die Insolvenz gerutschten Unternehmens aus Itzehoe mindestens 100 Millionen Euro erhalten.

Foto: dpa

Gute Nachrichten gab es für Anleger des Windparkbetreibers Prokon in der Vergangenheit nur spärlich. Deshalb dürften einige erleichtert sein, dass es den Insolvenzverwaltern erneut gelungen ist, eine hohe Millionen-Summe ihres Geldes zu sichern. Bis Ende des Jahres sollen die Gläubiger des 2014 in die Insolvenz gerutschten Unternehmens aus Itzehoe mindestens 100 Millionen Euro erhalten. Über die geplante Ausschüttung informierte am Freitag Stefan Denkhaus, Hamburger Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Abwicklungsgesellschaft Prokon SPV.

Möglich wird die Zahlung, weil es gelungen ist, eine Finanzierung von rund 130 Millionen Euro abzulösen, die Prokon dem sächsischen Sägewerk HIT Holzindustrie Torgau und einer Tochtergesellschaft gewährt hatte. „Wir freuen uns sehr, dass wir eine äußerst komplizierte Transaktion im Sinne der Gläubiger erfolgreich durchführen konnten“, sagte Denkhaus. Deshalb liege die Prokon SPV inzwischen rund 20 Millionen Euro über den Wertansätzen im Insolvenzplan.

Das Insolvenzverfahren bei Prokon wurde Mitte des Jahres 2015 aufgehoben. Prokon ist seither als Genossenschaft mit den Kernbereichen „Windenergie und Stromhandel“ am Markt tätig. Parallel agiert die Abwicklungsgesellschaft Prokon SPV. Sie wurde gegründet, um Gelder einzutreiben, die der Firmengründer und frühere Prokon-Chef Carsten Rodbertus in Nebengeschäften fern der Windkraft investiert hatte.

Dazu zählte vor allem eine dreistellige Millionensumme, die Rodbertus in die Forstwirtschaft gesteckt hatte. Prokon hatte Tausende Hektar Wald in Rumänien gekauft und war zwischenzeitlich zu einem der größten privaten Waldbesitzer des Landes aufgestiegen. Was Rodbertus seinen Anlegern als nachhaltige Investition pries, brachte ihm auch viel Kritik ein. Die Forstwirtschaft im Karpatengebiet, in den letzten echten Urwäldern Europas, gilt als beliebtes Betätigungsfeld von Kriminellen wie Schmugglern.

Umso erfreuter dürfte das Team um den Hamburger Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin gewesen sein, als es ihm im vergangenen Jahr gelang, einen großen Teil des rumänischen Waldes an Ikea zu verkaufen. Das brachte auf einen Schlag rund 50 Millionen Euro. Mit der Ablösung der Finanzierung des sächsischen Sägewerks vollzieht sich nun ein zweiter Coup.

Im Jahr vor der Prokon-Pleite lief es bei der HIT Torgau lange nicht gut. Die Chefs vor Ort stritten heftig mit dem Landkreis über Genehmigungen beim Bau eines Heizkraftwerkes. Zeitweise soll HIT bis zu 60.000 Euro am Tag verloren haben. Doch das war 2013. Seitdem hat das Sägewerk offenbar die Kurve gekriegt. Von einer „tollen Entwicklung“ spricht Stefan Denkhaus. Die Kapazität des Werkes liege inzwischen bei 55.000 Holzpaletten täglich. Das überzeugte wohl auch eine Großbank, die nun die Finanzierung von Prokon übernimmt.

Die angekündigten 100 Millionen Euro werden auf rund 56.000 Gläubiger verteilt. Darunter sind viele frühere Genussrechteinhaber, die sich gegen eine Mitgliedschaft in der Prokon-Genossenschaft entschieden haben. Hinzu kommen andere Gläubiger, wie zum Beispiel ehemalige Stromkunden.

Die geplante Ausschüttung ist nicht die einzige Leistung. Die Berechtigten hatten bereits von Prokon Schuldverschreibungen aus einer neuen Unternehmensanleihe (WKN:A2AASM) angeboten bekommen. Zudem hatte die Prokon SVP Anfang des Jahres schon einmal 70 Millionen Euro ausgeschüttet – ein Großteil dieses Geldes stammte aus dem Waldverkauf.

Wahrscheinlich dürften zahlreiche Anleger aufatmen. Die Insolvenzquote ist für eine derart spektakuläre Pleite ungewöhnlich hoch. Die zuletzt angestrebten 57,8 Prozent dürften nun noch einmal leicht nach oben korrigiert werden. Eine verbindliche Schlussrechnung lässt noch auf sich warten. Zwar ist die letzte Verwertungsmaßnahme nun durchgeführt, doch laut Denkhaus wird die Abwicklung diverser Verträge und das Auslaufen von Gewährleistungsfristen bis Anfang 2019 in Anspruch nehmen.

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