Steinhoff-Chefkontrolleur Christo Wiese: Der entzauberte Milliardär vom Kap
Der Großaktionär zieht sich bei Steinhoff zurück. Die Finanzinstitute zwangen ihn, seine Anteile zu verkaufen.
Foto: BloombergKapstadt, Düsseldorf. Er war die graue Eminenz im Hause Steinhoff. Der Einfluss und das Geld des Südafrikaners Christo Wiese beförderten das rasante Wachstum des Konzerns zum zweitgrößten Möbelriesen der Welt hinter Ikea. Doch jetzt zeigt das Imperium Zeichen der Auflösung – und mit ihm das Vermögen und das Lebenswerk von Wiese.
Es ist nur wenige Monate her, dass der 76-Jährige zu den reichsten Menschen Südafrikas gezählt wurde. Die US-Zeitschrift „Forbes“ bezifferte sein Vermögen auf 5,9 Milliarden Dollar. Doch mit der Krise bei Steinhoff verpuffte offenbar auch ein großer Teil von Wieses Reichtum. Im Dezember schrumpfte der Besitz des einstigen Milliardärs nach Berechnung der Zeitschrift auf bis zu 742 Millionen Dollar. Den Milliardärstitel hätte er damit in Rekordzeit verloren.
Wiese hält einen großen Teil seines Vermögens in Aktien des schwankenden Möbelriesen Steinhoff mit Firmenzentrale im südafrikanischen Stellenbosch. Der Bure mit hartem afrikaansen Akzent und kräftigen Farmerhänden war bislang dort Aufsichtsratsvorsitzender. Er ist zugleich Akteur und Opfer im Drama des Handelskonglomerats.
Zusammenbruch nach Börsengang
Der von Bruno Steinhoff aus Westerstede gegründete Konzern mit geschätzten 20 Milliarden Euro Umsatz ging zur Jahrtausendwende zunächst als mittelständischer Möbelhändler in Johannesburg an die Börse. Vor zwei Jahren dann ließ Steinhoff sich auch in Frankfurt listen. Nach rasantem Wachstum und ständig neuen Zukäufen gehören nun Möbelketten wie Poco, Kika/Leiner in Österreich oder die französische Conforama zum Konglomerat. In Südafrika kaufte Steinhoff Wieses Pepkor-Kette.
Der große Zusammenbruch kam zwei Jahre nach dem Frankfurter Börsengang Anfang Dezember. Kurz vor der geplanten Bekanntgabe der Geschäftszahlen traten Bilanzierungs-Unregelmäßigkeiten zutage. Die Wirtschaftsprüfer verweigerten ihr Testat, der langjährige Vorstandschef, Markus Jooste, musste gehen. Die Aktie verlor an einem Tag fast 80 Prozent ihres Wertes. Betroffen waren vor allem südafrikanische Pensionsfonds und Vermögensverwaltungen, die Steinhoff-Aktien im Portfolio hielten. Schwer betroffen waren Großaktionär Wiese, aber auch internationale Banken, die dem Konzern insgesamt 18 Milliarden Dollar geliehen hatten.
Jetzt räumen die Finanzinstitute bei Steinhoff auf und drängen Wiese hinaus. Sie zwangen den Einzelhandelsmogul am Donnerstag, aus seinem Vermögen rund 100 Millionen Steinhoff-Aktien zu verkaufen, zu einem lächerlichen Kurs von 48 Cent. Damit hat Wiese, der Milliarden Euro auf den Konzern gesetzt hatte, gerade mal 48 Millionen Euro für das Teilpaket erlöst. Zum Börsengang in Frankfurt war es noch eine halbe Milliarde Euro wert gewesen. Das nun verkaufte Aktienpaket hatte Wiese bei den Banken als Sicherheit für neue Steinhoff-Aktienkäufe genutzt.
Bilanzen müssen neu aufgestellt werden
Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Mit der Veräußerung der Anteile zerbrach der Aktionärspool, den Wiese zur Kontrolle des Unternehmens aufgebaut hatte. Die Stimmrechte des Pools waren unter die entscheidende Schwelle von 30 Prozent gefallen. Wiese selbst hält nach dem Verkauf noch 20,5 Prozent an Steinhoff.
Mit dem Verkauf seiner Aktien trat Wiese auch vom Chefposten im Aufsichtsrat zurück. Nach dem Rücktritt von Jooste hatte Wiese provisorisch selbst die komplette Firmenlenkung übernommen. Er habe nun den Rücktritt angeboten, um ein unabhängiges Management zu gewährleisten, teilte der Steinhoff-Konzern in einer Ad-hoc-Meldung mit. Aufsichtsratsmitglied Heather Sonn werde vorerst seine Aufgaben übernehmen.
Der Steinhoff-Konzern hatte bis zum Abgang von Vorstand Jooste stets bestritten, Bilanzen manipuliert zu haben. Nun gibt der Konzern bekannt, dass die Bilanzen mehrerer Jahre neu aufgestellt werden müssten.
Wiese kappt nun weitere Verbindungen zu Steinhoff. Er hatte die Textilkette Pepkor bei Steinhoff eingebracht, ist gleichzeitig aber auch Großaktionär beim Lebensmittelkonzern Shoprite. Seine Shoprite-Anteile wollte Wiese ebenfalls an Steinhoff verkaufen, um sein gesamtes Einzelhandelsportfolio zu bündeln. Am Freitag sagte Wiese den zwei Milliarden Euro schweren Deal ab. Er war als Aktientausch geplant. Der würde wohl mit den wertlos gewordenen Steinhoff-Aktien schwierig werden.
Der Steinhoff-Skandal rückt die Verdienste Wieses in den Hintergrund. Er gilt als Visionär der südafrikanischen Einzelhandelsbranche und hat es geschafft, seine Ketten auch außerhalb Südafrikas in anderen Ländern zu etablieren. Als politischer Fürsprecher der Aktionäre hat er Respekt gewonnen. Seinen eigenen Aktienbesitz kann Wiese jetzt höchstens in Teilen retten. Er besteht wohl überwiegend aus einer gigantischen Fehlwette.