Ringier-CEO Marc Walder: Spiel, Satz, Sieg
Das Haus ist bestellt.
Foto: ReutersMünchen. Der Schweizer Großverleger Michael Ringier, 68, ist ein Freund des feinen Humors. Das zeigt sich auch in Telefonaten mit seinem CEO Marc Walder. „Arbeitest du noch für mich oder schon für die Schweiz?“, fragt er da seinen leitenden Angestellten schon mal, weil Walder „Digital Switzerland“ anschiebt, eine Online-Ertüchtigungsbewegung für jeden im Land.
Das innige Verhältnis der beiden zeigt sich bei einer aktuellen Rochade im Züricher Medienhaus („Blick“, „Schweizer Illustrierte“): Danach wird der 52-jährige Walder mit zehn Prozent der Verlagsanteile sozusagen Teil der Dynastie; Michael Ringier und seine Schwestern Annette und Evelyn gaben jeweils Aktien ab. Zudem wird der belohnte Noch-Manager in absehbarer Zeit als Verwaltungsratspräsident nach dem Rechten sehen und den CEO-Posten frei machen – für den wiederum Robin Lingg, 38, aus der Ringier-Familie infrage kommt.
Der Sohn von Evelyn Lyngg-Ringier zog das Afrika-Geschäft hoch und sitzt seit 2014 im Group Executive Board, wie das Leitungsgremium im Newspeak der angelsächsischen Managementlehre heißt. Hier verantwortet er die profitablen Online-Marktplätze wie Scout24 Schweiz oder JobCloud. Lingg werde „mittelfristig die Führungsrolle der sechsten Generation der Inhaberfamilie übernehmen“, so die offizielle Mitteilung aus dem Konzern, der 7 300 Mitarbeiter hat und 2016 rund 1,049 Millionen Schweizer Franken umsetzte.
Für Walder, Sohn eines Architekten, ist das alles ein Märchen 2.0. Der Ex-Tennisprofi hatte es einst auf Rang 403 der Weltrangliste und zu zwei Schweizer Meistertiteln im Doppel geschafft. Nach Karriereende entschied er sich gegen eine eigene Tennisschule und heuerte lieber bei Ringier an: zunächst als Hilfskraft in der Zeitschriftenabteilung, wo er Kartons klebte. Nach dem Praktikum beim „Blick“ entwickelte sich dort eine journalistische Karriere. Anschließend wurde er Chefredakteur der „Schweizer Illustrierten“ und des „SonntagsBlicks“, ehe der Wechsel ins Management folgte. Das Rüstzeug hierfür holte sich Walder 2007 bei einem Intensivprogramm in Harvard.
Er war nun Digitalfan und krempelte, zurück am Züricher See, tatendurstig den Verlag um: Ticketverkäufe, Sportrechtehandel, Veranstaltungen, E-Commerce, elektronische Kleinanzeigen waren neue Lieblinge. 2012 wurde er CEO. Eigentümer Michael Ringier schätzt die Spiel-Satz-Sieg-Radikalität, mit der Walder den digitalen Wandel betreibt. Und die beiden eint eine Liebe fürs Tennis: Als Doppel siegten sie sogar mal bei der Journalistenweltmeisterschaft.
Nun bestellt Noch-Verwaltungsratspräsident Ringier sein Feld und findet wärmste Worte für den Partner: Er habe die Transformation des Hauses „maßgeblich vorangetrieben“. Mit der Neu-Rolle als Aktionär – seine zehn Prozent dürften 100 Millionen Euro wert sein – hat Walder sogar den CEO-Kollegen Mathias Döpfner von der Axel Springer SE überflügelt, dessen Anteil dort im Kleinbereich liegt.
Schon früh bekannte Walder, der mit einer Journalistin verheiratet ist und zwei Töchter hat, er habe „eigentlich immer Unternehmer werden wollen“. Er agierte dann als Manager so, als wäre er selbst Unternehmer. Nun ist sein Traum wahr geworden. Hans-Jürgen Jakobs