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B.-Braun-Chef Heinz-Walter Große„Man darf Afrika nicht nur als Absatzmarkt betrachten“

Der Vorstandsvorsitzende des Medizintechnikunternehmens B. Braun spricht im Interview über Chancen und Probleme in Afrika.Maike Telgheder 26.08.2018 - 13:04 Uhr Artikel anhören

Der Manager ist Vorsitzender der Subsahara-Initiative der Deutschen Wirtschaft (Safri) und Chef des Medizintechnikunternehmens B. Braun.

Foto: B. Braun Melsungen AG

Das Thema Afrika treibt Heinz-Walter Große um. Als Vorsitzender der Subsahara-Initiative der Deutschen Wirtschaft (Safri) und als Chef des Medizintechnikunternehmens B. Braun. So ganz könne man die Aufgaben ohnehin nicht trennen, findet er. Denn als Safri-Chef ist es hilfreich, mit eigenen Erfahrungen aus Afrika argumentieren zu können.

Herr Große, Mitte der Woche reisen Sie mit der Bundeskanzlerin und einer Wirtschaftsdelegation nach Westafrika. Was erhoffen Sie sich als Vorsitzender der Subsahara-Afrika-Initiative der Deutschen Wirtschaft von dieser Reise?
Das Engagement deutscher Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent ist immer noch sehr stark auf Südafrika fokussiert, weil das Land am weitesten entwickelt ist. Ziel der Safri ist es, mehr Firmen für Investitionen in den anderen afrikanischen Ländern zu gewinnen. Ghana beispielsweise ist ein sehr aufstrebendes Land, weswegen wir den dritten deutsch-afrikanischen Wirtschaftsgipfel German-African Business Summit (GABS) nächsten Februar in der Hauptstadt Accra veranstalten werden. Mit der Reise in dieser Woche erhoffen wir uns politische Flankierung deutscher Projekte in den drei Ländern Senegal, Ghana und Nigeria und eine höhere Aufmerksamkeit für das Potenzial dieser Region auf wirtschaftlicher und politischer Ebene.

Viele deutsche Unternehmen haben Afrika mittlerweile als wichtigen Markt erkannt und eine eigene Strategie entwickelt.
Ja, natürlich ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Gut 800 Unternehmen sind aktuell in Afrika investiert, die Zahl der Unternehmen einschließlich der Exporteure liegt mit 3000 deutlich darüber. 60 Prozent der Investitionen wurden aber in Südafrika getätigt. Es gibt außerhalb Südafrikas nur wenige Produktionsstätten nennenswerter Größe, die von deutschen Unternehmen aufgebaut wurden.

Es gibt auch viele Hürden: mangelnde Infrastruktur, schlechte Energieversorgung und die Frage der politischen Stabilität wie der Korruption. Sind das nicht gewichtige Gründe, die gegen Afrika sprechen?
Ich bin weit entfernt davon, nur ein positives Bild von Afrika zu zeichnen. Aber ich finde, dass man Afrika nicht nur als Absatzmarkt betrachten darf. Man kann in Afrika nicht nur handeln, man muss auch investieren. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich kritisiere kein Unternehmen, das in Afrika erst einmal mit Vertrieb und Handel startet. Dennoch meine ich, dass die Firmen ab einem bestimmten Punkt prüfen müssen, ob man vor Ort auch produzieren kann. Es gehört zur unternehmerischen Verantwortung, die Region an der Wertschöpfung teilhaben zu lassen.

Was macht B. Braun in dieser Hinsicht?
Wir haben zwei Produktionsstätten in Südafrika und sind kurz vor dem Abschluss, eine weitere in Kenia zu erwerben. Wir betreiben 33 Dialysekliniken und betreuen rund 1000 Dialysepatienten. Wir sind in allen 54 Ländern zumindest mit eigenen Vertriebsbüros oder Händlern präsent und beschäftigen fast 1000 Mitarbeiter in Afrika.

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Sehen Sie eine besondere Verpflichtung für B. Braun als Familienunternehmen, sich auch gesellschaftlich zu engagieren?
Ich bin grundsätzlich der Ansicht, dass die Unternehmen der Gesellschaft und der Region, in der sie tätig sind, auch etwas zurückgeben müssen. Aber wir sind als Unternehmen in Afrika nicht nur aktiv, weil wir etwas Gutes tun wollen. Das Engagement muss sich schon rechnen, und das tut es auch. In der Realität ist es auch nicht so, dass wir im Unternehmen bei allen Investitionsentscheidungen immer zuerst an Afrika denken. Dennoch: Wir haben eine Afrikastrategie entwickelt. Wir haben ein ganzes Team von Mitarbeitern dort und sind mit Herzblut dabei. Und wir nehmen in Kauf, dass es Unwägbarkeiten und Herausforderungen gibt.

Zum Beispiel Korruption?
Korruption ist weiterhin ein Thema und wird immer dann ein Problem, wenn es Teil des Einkommenssystems eines Landes ist. Da müssen die Länder Verantwortung nehmen, und es gibt ja auch Regierungsverantwortliche, die etwas dagegen tun, wie man jetzt in verschiedenen Ländern sehen kann. Für uns als Unternehmen ist Korruption ein No-Go. Wir haben weltweit ein entsprechendes Compliancesystem aufgesetzt und die Mitarbeiter geschult. Wer dagegen verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen.

Was wünschen Sie sich von der deutschen Politik in puncto Afrika?
Die Politik muss natürlich bessere Rahmenbedingungen schaffen. Es gibt beispielsweise mit nur 13 Ländern Afrikas Doppelbesteuerungsabkommen – mit Nigeria als zweitwichtigstem Partner der deutschen Wirtschaft in Subsahara-Afrika beispielsweise nicht. Dann müssen Fragen der Export- und Investitionsabsicherung geregelt werden. Wenn ein mittelständisches Unternehmen eine Kraftwerksturbine im Wert von 250 Millionen Euro liefert, dann kann es das Risiko eines Zahlungsausfalls nicht allein tragen und benötigt international wettbewerbsfähige Unterstützung. Vor allem aber wünsche ich mir von der Politik eine bessere Koordination und Bündelung der Aktivitäten.

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Inwiefern?
Es gibt viele Initiativen für Afrika, fast jedes Ministerium hat eigene Programme. Das Bundesfinanzministerium hat den „Compact with Africa“, der im Zuge der G20-Präsidentschaft gestartet wurde, das Bundeswirtschaftsministerium die „Pro! Afrika“-Initiative und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Marshallplan mit Afrika. Ich würde mir wünschen, dass alle diese Initiativen an einer Stelle zusammengeführt würden, um schlagkräftiger zu werden.

Welches Potenzial trauen Sie Afrika zu?
Afrika hat 1,2 Milliarden Einwohner, die Zahl der Bevölkerung wird sich bis 2050 verdoppeln. Ich bin absolut davon überzeugt, dass Afrika ein wichtiger und bedeutender Markt werden wird. Man braucht Geduld. Aber wir müssen auch mit der nötigen Konsequenz und Optimismus an die Entwicklung der Märkte Afrikas herangehen, sonst wird das nicht funktionieren.

Herr Große, vielen Dank für das Interview.

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