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Mutmaßlicher SteuerbetrugCum-Ex-Drahtzieher Sanjay Shah in Dubai vor Gericht – wegen eines geplatzten Schecks

Der Brite hat Milliarden mit Cum-Ex-Deals verdient. Shah wird jetzt im Exil in Dubai juristisch belangt – wegen einer vermeintlichen Nichtigkeit.Sönke Iwersen, Volker Votsmeier 21.10.2018 - 15:21 Uhr Artikel anhören

Der Brite profitierte kräftig von sogenannten Cum-Ex-Geschäften, sieht darin aber keine Illegalität.

Foto: The National

Düsseldorf. In den vergangenen Jahren hatte Sanjay Shah so viele Millionen zusammengerafft, dass die Zukunft gesichert schien. Mochte Shah seiner Frau zum Geburtstag eine Hermès-Handtasche für 125.000 Euro kaufen oder für Wohltätigkeitszwecke Weltstars wie Lenny Kravitz einfliegen lassen – an seiner Villa, seiner Jacht und seinen Luxuswagen musste er keine Abstriche machen. So dachte man.

Nun musste er ins Gefängnis. Ein Gericht in Dubai, dort lebt Shah seit Jahren, verurteilte den 48-Jährigen zu zwei Jahren Haft. Shah hatte einen ungedeckten Scheck ausgeschrieben – das wird in Dubai schnell und hart bestraft. „Wenn dort ein Scheck platzt, muss man sofort ins Gefängnis“, sagt Shahs Sprecher. Seine Anwälte hätten Berufung eingelegt, und Shah sei nach drei Wochen wieder frei gewesen – zumindest vorübergehend.

Es ist eine Ironie der Geschichte, auch wenn Shah darüber nicht lachen mag. Seit Jahren hat es den Anschein, als drehe er aus Dubai allen, die ihm nachstellen, eine lange Nase. Allein dänische Steuerfahnder werfen Shah vor, 1,7 Milliarden Euro Staatsgelder veruntreut zu haben. Auch die Justiz in Belgien, Deutschland, Großbritannien und den USA ist ihm auf der Spur.

Cum-Ex heißen die Geschäfte, die Shah zum Vorwurf gemacht werden. Findige Steueranwälte hatten eine Methode gefunden, die Steuerkasse zu plündern. Sie rieten ihren Mandanten, sich Geld zu leihen. Sehr viel Geld. Damit handelten sie Aktien – am besten im Milliardenvolumen. Durch den Handel mit Leerverkäufen erreichten die Beteiligten, dass viel mehr Kapitalertragsteuer erstattet als abgeführt wurde. Allein der deutsche Fiskus verlor etwa zwölf Milliarden Euro.

Shah streitet eine Beteiligung nicht ab, findet daran aber nichts Falsches. „Wir nutzten nur Marktopportunitäten aus“, sagte er der dänischen Börsenzeitung. „Deutsche Anwälte haben mir erzählt, dass viele Leute mit den Geschäften viel Geld verdienten. Es war, als ob sie Lastwagen in ein Lagerhaus fahren und 24 Stunden am Tag mit Geld befüllen.“

Mutmaßlicher Steuerbetrug

Cum, Ex und hopp – gegen Sanjay Shah ermitteln die Staatsanwälte erfolglos

Darum ging es in Shahs Leben. 1970 in London geboren, beschreibt der Brite mit indischen Wurzeln seine Kindheit als einfach und bescheiden. Seine Familie wohnte zu viert in einer Wohnung mit nur einem Schlafzimmer, Shah arbeitete neben der Schule als Zeitungsjunge – für zwölf Pfund pro Woche. Der Weg zum Milliardär, der er einmal werden sollte, war noch lang.

Shah hat ihn vor Kurzem aufgezeichnet. Dem Handelsblatt liegt sein handgeschriebenes Manuskript vor. 1992 brach er sein Medizinstudium ab – er sei unmotiviert gewesen, notierte Shah. 1999 arbeitete er für Merrill Lynch als kleiner Händler im Backoffice. Eines Tages fragte er seinen Boss, wer eigentlich die Sportwagen fuhr, die er jeden Morgen auf dem Parkplatz sah. „Die Händler im fünften Stock“, kam als Antwort. Für Shah war klar: Dort wollte er auch hin.

Der Rest könnte Strafrechtsgeschichte werden. Shah wechselte von einer Bank zur anderen, 2008 machte er sich mit der Investmentgesellschaft Solo Capital selbstständig. Sie wurde Dreh- und Angelpunkt für windige Geschäfte weltweit. Ermittler halten Shah vor, er habe für die Aktiendeals Dutzende von Scheinfirmen aufgesetzt. In Hamburg laufen Ermittlungen wegen Geldwäsche. Die Dero Bank in München, die enge Verbindung zu Shah hatte, wurde geschlossen.

Shah beobachte das in den vergangenen Jahren aus sicherer Entfernung in Dubai. Doch weil ein Londoner Gericht große Teile seines Vermögens einfror, platzte nun ein Scheck. Für Shah beginnt damit seine wohl größte Krise, größer noch als 2003, als seine Frau schwanger war und er ausgerechnet zu dieser Zeit seinen Bank-Job verlor. Er musste seinen Mercedes gegen einen Toyota tauschen. „Mein Stolz war verletzt“, sagte Shah. „Ich fragte mich, was die Nachbarn wohl denken.“

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Es ist eine Frage, die sich bald wieder stellt. Am Monatsende kommt Shah vor Gericht in Dubai. Wenn es schlecht läuft, kommt er zwei Jahre lang nicht nach Hause.

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