Kommentar: Eine Fusion von Rheinmetall und KMW wäre überfällig
Bei allen größeren Projekten kooperieren die Panzerschmieden sowieso.
Foto: dpaRheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) verbindet eine jahrzehntelange Geschichte von Kooperation und Konkurrenz. Das funktionierte zu Zeiten des Kalten Krieges recht gut, als die Aufträge der Bundeswehr stetig hereinkamen.
Je länger aber nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der deutschen Wiedervereinigung der Militäretat vor allem zum Sparen da war, umso weniger logisch erschien das Festhalten an zwei Panzerschmieden in Deutschland.
Dass Rheinmetall jetzt ganz offiziell Gespräche für eine Übernahme von KMW führt, ist überfällig. Bei allen größeren Projekten kooperieren die Panzerschmieden sowieso. In Kassel liegen ihre Fabriken nebeneinander. Mal, beim Leopard, hatte KMW die Führung, mal Rheinmetall, beim Boxer.
Dass KMW bisher so sehr auf Eigenständigkeit beharrte, hatte viel mit persönlichen Animositäten zu tun. Der Mittelständler KMW wollte mit dem börsennotierten Konzern aus Düsseldorf nicht verschmelzen. Um Rheinmetall abzuwehren, taten sich die Münchener vor Jahren mit dem französischen Panzerbauer Nexter zusammen.
Doch die Integration mit der Staatsfirma Nexter funktioniert seither nicht wirklich. Im Ausland wiederum lieferten sich die Panzerschmieden heftigen Wettbewerb.
Die lukrativen Aufträge der Zukunft liegen heute jedoch wieder in Europa. Die Regierungen Frankreichs und Deutschlands haben fest vereinbart, die nächste Generation Kampfflugzeuge und Panzer gemeinsam zu entwickeln, für die eigenen Armeen und weitere in Europa. Für das „Main Battle Ground System“ aus Panzern und verbundenen bemannten und unbemannten Fahrzeugen könnten bis weit in die 2040er-Jahre hinein 100 Milliarden Euro ausgegeben werden.
Rheinmetall und KMW sollen das System entwickeln. Sie müssen sich dafür aber, das verlangt die Bundesregierung völlig zu Recht, so aufstellen, dass sie das Projekt auch stemmen können. Eine lose Zusammenarbeit reicht da nicht.
Es wäre deshalb gut, wenn sich die KMW-Eigentümer für den Verkauf an Rheinmetall entschieden – und Frankreich die Übernahme nicht blockiert. An dem Punkt wird die Bundesregierung nicht darum herumkommen, die Fusion eng zu begleiten. Die Staatsfirma Nexter wird beim Großauftrag klar auf Platz zwei hinter Rheinmetall rücken, wenn Rheinmetall KMW übernimmt. Deshalb kommt von dort Widerstand.
Aber wenn es Merkel und Macron ernst mit der Vereinbarung meinen, dass Frankreich beim Kampfflugzeugsystem FCAS führt und Deutschland bei den Panzern, dann wird Frankreich die deutsche Fusion zulassen müssen. Niemand bestreitet, dass die Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie überfällig ist. Der Zeitpunkt, sie umzusetzen, ist jetzt.