Outdoor-Ausrüster: US-Amerikanische Callaway Golf Company übernimmt Jack Wolfskin
Die Marke mit der Wolfstatze wechselt den Besitzer.
Foto: dpaMünchen. Die US-amerikanische Callaway Golf Company will den deutschen Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin übernehmen. Für den Mittelständler würden sie 418 Millionen Euro bezahlen, teilte Callaway an diesem Freitag mit. Ziel sei es, den Lifestyle-Bereich außerhalb des angestammten Kerngeschäfts mit Golfausrüstung zu stärken.
„Jack Wolfskin ist eine Outdoor-Marke mit einer enormen internationalen Reichweite“, sagte Callaway-Chef Chip Brewer. Das Label sei führend auf dem europäischen Markt und habe eine starke Präsenz in China. Brewer zufolge soll das Management unter Melody Harris-Jensbach an Bord bleiben.
„Callaway hat über mehrere Jahre bewiesen, dass es ein großartiger Innovator ist und Marken aufbauen kann“, betonte Harris-Jensbach. Es sei zu erkennen, dass Callaway in die Marken investiere, die sie übernehmen würden. Sie sei „sehr froh, mit Callaway einen strategischen und langfristigen Eigentümer zu bekommen.“
Tatsächlich wäre etwas Kontinuität ein Segen für Jack Wolfskin. Denn die Besitzer gaben sich in den vergangenen Jahren die Klinke in die Hand, der Marke ging es zudem gar nicht gut. Jack Wolfskin liefen lange die Kunden weg. Anfang des Jahrzehnts war Jack Wolfskin noch der zweitgrößte Lieferant von Intersport, der führenden Sporthandelskette hierzulande – hinter dem Sportkonzern Adidas, aber vor Weltmarktführer Nike. Doch zuletzt rangierte die Marke abgeschlagen auf Platz sieben der beliebtesten Marken bei Intersport.
Angesichts horrend hoher Schulden war der Deutschen liebster Allwetter-Ausrüster mehr mit sich selbst beschäftigt, als attraktive neue Regenjacken in die Läden zu bringen. Erst nach einem Schuldenschnitt im Sommer 2017 konnte sich die Firma wieder auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren.
Im Juli vorigen Jahres bekam die Outdoormarke nach langen, zähen Verhandlungen zuletzt neue Besitzer. Drei Gläubiger, die Hedgefonds Bain Capital Credit, HIG Bayside Capital und CQS, übernahmen die Mehrheit der Anteile vom Finanzinvestor Blackstone. Dabei wurden die Verbindlichkeiten für das operative Geschäft von 365 Millionen Euro auf 110 Millionen Euro reduziert. Gleichzeitig stellten die Kreditgeber 25 Millionen Euro zur Verfügung.
Jack Wolfskin war zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden: Anfang des Jahrtausends ging es bei dem Mittelständler aus Idstein bei Frankfurt rasant aufwärts. Zwischen 2005 und 2011 verdreifachte sich der Umsatz, von knapp 100 Millionen auf 355 Millionen Euro. Das zog die Käufer magisch an, ein Finanzinvestor folgte auf den nächsten - und mit jedem Verkauf vervielfachte sich der Preis. So übernahm Blackstone das Unternehmen 2012 für 700 Millionen Euro.
Mit den Amerikanern fand die Geldvermehrung ein abruptes Ende. Der Boom der Outdoor-Branche war inzwischen vorüber, Jack Wolfskin kam mit der internationalen Expansion nicht wie geplant voran, der Umsatz ging zurück. Zudem sei das Label „überdistribuiert“ gewesen, sagte Hans-Hermann Deters, Geschäftsführer von Sport 2000. Jack Wolfskin war allgegenwärtig, und irgendwann hatten sich die Leute sattgesehen. Blackstone hatte die Übernahme weitgehend mit Fremdkapital finanziert. Die Hessen konnten schließlich die gewaltige Zinslast nicht mehr tragen. Blackstone musste 300 Millionen Euro Eigenkapital abschreiben.
Unter Harris-Jensbach scheint es jetzt wieder bergauf zu gehen. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sei im Geschäftsjahr 2018 um ein Fünftel auf 42,1 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz lag bei 334 Millionen Euro.
Jack Wolfskin hat einen großen Vorteil gegenüber anderen expandierenden deutschen Outdoor-Marken wie Schöffel, Maier Sports oder Vaude: Die Firma besitzt einen durch und durch internationalen Namen. Das mag ein Grund für Callaway gewesen sein, jetzt zuzugreifen. Die Transaktion soll Anfang 2019 über die Bühne gehen.