Banken: Neue Chefin von ABN Amro streicht Tausende Stellen
Frankfurt. Die niederländische Bank ABN Amro streicht etwa 5200 Vollzeitstellen und fokussiert sich auf ihre profitablen Geschäftsbereiche im Nordwesten Europas. Bis 2028 sollen die Stellen abgebaut werden, kündigte die seit April amtierende Vorstandschefin Marguerite Bérard an. Das entspricht etwa einem Fünftel aller Arbeitsplätze.
Etwa 50 Prozent des Abbaus will das Institut durch natürliche Fluktuation erreichen, wie es in einer Präsentation seiner neuen Strategie erklärte. Zudem sollen die Ressourcen im gesamten Konzern effizienter eingesetzt werden. Wie stark das Deutschlandgeschäft davon betroffen ist, führte das Institut nicht detailliert auf.
In der Bundesrepublik ist ABN Amro vor allem für sein Angebot in der Vermögensverwaltung bekannt. Im Sommer hatte das Institut die 672 Millionen Euro schwere Übernahme der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) abgeschlossen. HAL wird nun mit der deutschen ABN-Tochter Bethmann zusammengelegt.
Die Integration verlaufe planmäßig, teilte ABN Amro mit. Das künftige operative Geschäftsmodell solle optimiert werden, „um Doppelarbeiten zu vermeiden und Effizienzen zu ermöglichen“. Insgesamt seien im Rahmen der Zusammenlegung Kostensynergien von mindestens 60 Millionen Euro geplant, bekräftigte das Institut.
Es ist davon auszugehen, dass beim Abbau von Doppelarbeiten auch Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Dies steht aber schon länger fest und hat nicht direkt etwas mit der neuen Strategie zu tun.
Für finale Aussagen über die Auswirkungen des geplanten Stellenabbaus auf Deutschland sei es noch zu früh, sagte eine mit dem Thema vertraute Person dem Handelsblatt. Insgesamt sehe sich ABN Amro Deutschland mit seinem Wealth Management und dem Mittelstandsgeschäft mit der Zielgruppe familiengeführte Unternehmen aber gut aufgestellt für die neue Strategie des Mutterkonzerns.
Aktie von ABN Amro legt deutlich zu
Bérard will in diesen Geschäftsbereichen wachsen. Zudem möchte sie das niederländische Hypothekengeschäft ausbauen. Dazu soll auch die Mitte November verkündete Übernahme der NIBC Bank von Blackstone beitragen. Im Firmenkundengeschäft fährt das Institut sein Engagement dagegen zurück. Zudem verkauft es sein Konsumentenkreditgeschäft Alfam an den niederländischen Konkurrenten Rabobank.
Durch die Maßnahmen soll die Eigenkapitalrendite von ABN Amro bis 2028 auf mindestens zwölf Prozent steigen. Im europäischen Vergleich ist dieses Ziel nicht übermäßig ambitioniert. Die Deutsche Bank peilt bis 2028 eine Rendite von mehr als 13 Prozent an, die Commerzbank sogar von 15 Prozent.
Die Investoren von ABN Amro, an der der niederländische Staat noch maßgeblich beteiligt ist, reagierten am Dienstag dennoch erfreut. Bis zum Nachmittag legte die Aktie etwa sechs Prozent zu.