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Kanada„Verbunden in Trauer“ – Wie Justin Trudeau auf den mutmaßlichen Abschuss reagiert

Womöglich ist der Iran schuld am Abschuss eines Flugzeugs – und am Tod von 63 Kanadiern. Doch gerade jetzt ist Premier Trudeau auf den Iran angewiesen.Gerd Braune 10.01.2020 - 17:57 Uhr

Kanada hält seit 2012 keine diplomatischen Beziehungen mehr zum Iran.

Foto: Reuters

Ottawa. Niemals zuvor hat eine Pressekonferenz des kanadischen Premierministers solche Schockwellen in Kanada und im Ausland ausgelöst. Unerwartet deutlich sprach Justin Trudeau von Hinweisen darauf, dass das ukrainische Flugzeug, das bei Teheran abstürzte, von einer iranischen Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Zwei Pressekonferenzen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zeigen einen erschütterten, nachdenklichen und vorsichtigen Trudeau.

Seit der Parlamentswahl im Oktober, bei der sich Trudeau nur knapp an der Macht hatte halten können, hatten die Kanadier nicht oft von ihrem Regierungschef gehört. Manchmal hatte es gar den Anschein, dass nicht Trudeau, sondern seine stellvertretende Premierministerin Chrystia Freeland die wichtigste Person im Kabinett ist.

Bei dem mutmaßlichen Abschuss starben am Mittwochmorgen 63 kanadische Staatsbürger. Am Mittwoch mahnte er noch, mit Spekulationen über die Unglücksursache vorsichtig zu sein. Am Donnerstag gab er mit überraschender Deutlichkeit seinen Befund bekannt: Erkenntnisse aus eigenen und alliierten Quellen wiesen darauf hin, „dass das Flugzeug von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde“.

Das könnte unabsichtlich gewesen sein, um so wichtiger sei nun eine „sorgfältige und glaubwürdige Untersuchung“ der Tragödie. „Die Familien der Opfer und alle Kanadier wollen Antworten. Ich will Antworten.“

Dass Kanada seit 2012 keine diplomatischen Beziehungen zum Iran hat, erschwert die Lage. Trudeau will, dass kanadische Experten am Unglücksort recherchieren können, braucht dafür aber die Zustimmung des Irans. Mit Schuldzuweisungen muss er deswegen vorsichtig sein. Er erwähnt, dass die Mehrheit der Opfer iranische Staatsbürger seien und sagt: „Das verbindet uns in unserer Trauer.“

Vorsicht ist auch gegenüber den USA angesagt. Auf Fragen, ob die USA aufgrund der Eskalation durch ihren Drohnenschlag Mitverantwortung tragen – „wenigstens teilweise“, wie ein Journalist fragt – geht Trudeau nicht direkt ein. „Ich glaube, es ist zu früh, Schlüsse zu ziehen und Vorwürfe und Verantwortungen zuzuweisen.“

Aber so kann man es sehen. Und darin ähnelt das Ereignis einer ganz anderen Begebenheit, bei der Kanada unter einem aggressiv ausgetragenen Konflikt Donald Trumps einen Kollateralschade erleidet. Im Zuge seines Handelsstreits mit China verlangte der US-Präsident von den kanadischen Behörden, eine führende Huawei-Managerin festzunehmen. Als das geschah, ließ China im Gegenzug zwei kanadische Staatsbürger in Haft nehmen und erließ Handelssanktionen gegen Kanada.

Das Regieren ist für Trudeau zu Jahresbeginn nicht nur durch die unsicheren Mehrheitsverhältnisse im Parlament schwieriger geworden. Die geopolitische Lage fordert ihn heraus.

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