Kommentar: Schafft das Kleingeld ab!
Hübsches Kupfergeld – das niemand braucht.
Foto: picture alliance/dpaEinige Länder wie Irland, die Niederlande und Belgien probieren es schon aus: Sie verzichten auf Ein- und Zwei-Cent-Stücke. Jetzt gibt es Überlegungen, das überall im Euro-Raum einzuführen, und auch schon erste Stimmen, die dagegen protestieren. Die eigentliche Frage aber lautet: Warum nicht gleich auf alle kupferglänzenden Stücke verzichten und zehn Cent zur kleinsten Münze erklären?
Gegen das Kleingeld spricht vor allem, dass es unpraktisch ist. Es beschwert den Geldbeutel und bremst den Zahlungsvorgang an der Kasse. Eigentlich müssten daher gerade Bargeldfreunde für die Vereinfachung sein. Denn Münzen und Scheine stehen im Wettbewerb zu anderen Zahlungsmitteln.
Seit sich auch in Deutschland kontaktloses Zahlen ausbreitet, ist Bargeld ohnehin nicht mehr das schnellste Mittel. Hinzu kommt: Die Produktion der Kleinmünzen ist relativ teuer. Und die Erfahrung zeigt, dass viele davon einfach verloren gehen.
Wenn Kleinstmünzen abgeschafft werden, wird beim Bezahlen der jeweilige Betrag einfach auf- oder abgerundet. Im Durchschnitt ändert sich dadurch nichts für den Kunden. Die meisten Menschen dürften sich gar nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal etwas für weniger als zehn Cent gekauft haben.
Im Laufe der Zeit stellen sich die Geschäfte vielleicht sogar um auf volle Zehnerbeträge, dann fällt das Runden weg. Vielleicht tun sie es auch nicht, wenn ein großer Teil ohnehin nicht mehr bar bezahlt wird.
Keine eingebaute Wertegarantie
Münzgeld hatte ursprünglich eine eingebaute Wertgarantie, weil die Stücke aus kostbarem Metall gefertigt waren. Das ist schon lange vorbei. Nur die Kupfermünzen sind noch ungefähr durch ihre Produktionskosten gedeckt – aber zu klein, um tatsächlich zur Wertaufbewahrung zu dienen.
Insofern sind Münzen heute, ähnlich wie Geldscheine, auch nichts anderes als ein Wertversprechen an den Besitzer. Obwohl Münzen traditionell von Staaten und nicht von Notenbanken ausgegeben werden, ist der Münzwert letztlich von der Europäischen Zentralbank (EZB) abhängig – und nicht von ihrem Materialwert.
Wo und auf welche Weise Bargeld eingesetzt wird sollte eine praktische Frage sein. Eine mögliche komplette Abschaffung des Bargelds ist ein ganz anderes Thema. Es wird aber allenfalls dann aktuell, wenn es kaum noch jemand benutzt – und davon sind wir zumindest in Deutschland weit entfernt.