Kommentar: Premier Conte bekommt den Bonus für sein Krisenmanagement
Italiens Premierminister Giuseppe Conte hat in der Coronakrise die richtige Kommunikation gefunden und ist in der Gunst der Bevölkerung gestiegen.
Foto: AFPRom. Es wird noch schlimmer und keiner weiß, wann es endet. Italien hat China überholt mit der Zahl der Menschen, die an Covid-19 gestorben sind. In den Krankenhäusern kämpfen die Ärzte um Leben und Tod, in den Städten ertragen die Menschen nun schon seit zwei Wochen eine drastische Ausgangssperre.
Kaum einer hätte gedacht, dass die individualistischen, quirligen Italiener sich fügen und zu Hause bleiben, um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Doch die Bildsprache hat gewirkt.
Noch wichtiger: Premier Giuseppe Conte, anfangs von vielen nicht ernst genommen, hat in der Krise die richtige Kommunikation gefunden. Seine Botschaften an die Italiener sind glaubwürdig, er trifft die Entscheidungen nicht übereilt und er nimmt seine Landsleute mit.
Richtig ist auch die Strategie, jedes scharfe Regierungsdekret ein paar Tage vorher häppchenweise in den Medien anzukündigen. So auch dieses Mal, da eine weitere Verschärfung der Ausgangssperre in den nächsten Tagen kommen soll. Anders kann auch eine psychologische Überforderung der Menschen nicht vermieden werden.
Dafür bekommt er jetzt den Bonus. Die Zustimmung zu Conte und seiner Regierung ist im vergangenen Monat sprunghaft in die Höhe geschnellt, zeigt die neueste Umfrage. Kein Vorgänger, weder Matteo Renzi noch Paolo Gentiloni, konnten je den Wert von 71 Prozent Zustimmung erreichen wie er. Gut gestartet war der parteilose Jurist nicht mit der Populistenregierung vor zwei Jahren, jetzt aber hält er das Land in der Notlage zusammen.
Dazu kommt für ihn ein positiver Kollateraleffekt der Coronakrise: Oppositionsführer Matteo Salvini, durch die Ausgangssperre seiner Bühne auf den Marktplätzen des Landes beraubt, rutscht in der Umfrage ab.
Seine Lega ist noch immer die stärkste Partei, verliert aber von Monat zu Monat an Zustimmung. Offenkundig steht seine Politik des Angstmachens vor dem Scheitern. Das Virus ist ein nicht zu greifender Gegner, gegen den Hassparolen nicht helfen. Und das ist in der Krise eine gute Nachricht, nicht nur für Italien.
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