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BundesanleiheBund verdoppelt Emissionsvolumen und führt neue Anleihen ein

Zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit muss der Bund seine Finanzplanung anpassen. So soll die Regierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie handlungsfähig bleiben. Jakob Blume 07.04.2020 - 15:54 Uhr

Der Bund sammelt Milliarden im Kampf gegen Corona am Kapitalmarkt ein.

Foto: dpa

Frankfurt. In der Krise werden alte Gewohnheiten über den Haufen geworfen – das gilt auch für den Schuldenmanager des Bundes: Die Deutsche Finanzagentur gab am Dienstag bekannt, dass sie im Auftrag des Finanzministeriums erstmals Bundesanleihen mit Laufzeiten von sieben und 15 Jahren ausgeben will.

Zudem sollen die Neuemissionen des Bundes ein zweites Mal innerhalb von zwei Wochen aufgestockt werden. Statt der ursprünglich geplanten 210 Milliarden Euro könnte der Bund 2020 nun mehr als 400 Milliarden Euro am Anleihemarkt aufnehmen. Tammo Diemer, Chef der Finanzagentur, sagte am Dienstag: „Wir stellen sicher, dass der Bund bei der Bewältigung der Corona-Pandemie jederzeit handlungsfähig bleibt.“

Etwas mehr als die Hälfte des Betrags sammelt der Bund über kurzlaufende Papiere bis zu einem Jahr ein: Rund 200 Milliarden Euro dürfte über Bundesanleihen mit mindestens zwei Jahren Laufzeit in den Haushalt fließen. Zuletzt hat die Finanzagentur im Jahr 2010 so viel Geld über Bundesanleihen eingesammelt. Damals musste die Agentur die Bankenrettung des Bundes in der Finanzkrise refinanzieren.

Grund für den rasant steigenden Finanzierungsbedarf sind die Coronahilfen der Bundesregierung für Unternehmen. Die Flut neuer Anleihen diene „als Liquiditätsvorsorge, um im Rahmen des Maßnahmenpakets des Bundes zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie kurzfristig auftretenden, außerordentlichen Liquiditätsbedarf decken zu können“, so Diemer.

Auch die Finanzierung der Sonderprogramme der staatseigenen Bank KfW habe zu dem gestiegenen Bedarf an frischem Geld beigetragen. „Die Hilfsprogramme sind rasch und erfolgreich angelaufen“, sagte Diemer. Er verwies auch auf den KfW-Schnellkredit für Mittelständler, den die Bundesregierung am Montag aufgelegt hatte. Der Bund will damit Firmen helfen, indem diese zu 100 Prozent von der KfW garantierte Kredite aufnehmen können.

Finanzagentur weicht von bisheriger Linie ab

Besonders im Fokus der Investoren dürften die neuen Laufzeiten stehen: Im Mai wird eine 15-jährige Bundesanleihe mit Fälligkeit im Mai 2035 an den Start gebracht. Im Juni ist eine Aufstockung um 2,5 Milliarden Euro vorgesehen. Am 12. Mai wird eine siebenjährige Bundesanleihe mit Fälligkeit im November 2027 emittiert. Neben der Neuemission mit einem Volumen von vier Milliarden Euro sind im Juni zwei Aufstockungen über jeweils drei Milliarden Euro vorgesehen.

Die Finanzagentur weicht damit deutlich von ihrer bisherigen Linie ab, die Finanzierung des Bundeshaushalts über bestehende, am Kapitalmarkt bekannte Wertpapiere zu sichern. Dazu zählen etwa Bundesanleihen mit den Laufzeiten zwei, fünf, zehn und 30 Jahre.

In der Vergangenheit sei es darum gegangen, bei sinkender Neuverschuldung die Finanzierung des Bundes über die etablierten Laufzeiten zu sichern, sagte Diemer. Dabei habe die Finanzagentur immer darauf geachtet, die Volumen der gängigen Bundesanleihen hoch zu halten, um die Liquidität der Papiere zu sichern.

Nun sei es möglich, in den etablierten Laufzeiten die Volumen zu erhöhen und gleichzeitig neue Laufzeitsegmente zu erschließen. Diese könnten „zu liquiden und gut handelbaren Papieren weiterentwickelt werden“, so Diemer. Die Investoren fragten derzeit besonders stark Staatsanleihen mit siebenjähriger Laufzeit nach. „Davon würden wir gerne profitieren“, sagte der Chef der Finanzagentur weiter. Bei den Fälligkeiten im Jahr 2035 gäbe es zudem eine Lücke, die mit den neuen 15-jährigen Anleihen geschlossen werden könne.

Unklar ist noch, wie Unternehmen das 400 Milliarden Euro umfassende Paket für Garantien für Schuldtitel anzapfen können. Die entsprechenden Rechtsverordnungen werden noch ausgebarbeitet, stünden jedoch kurz vor der Vollendung, so Diemer. „Wir befinden uns in einem außerordentlichen Umfeld“, betonte er. Daher sei es nötig gewesen, die Finanzplanung des Bundes ein zweites Mal innerhalb kürzester Zeit anzupassen.

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