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OligarchWladimir Potanin ist Russlands neuer reichster Mann

Die Corona- und die Ölpreiskrise haben die russischen Oligarchen schwer getroffen. Wladimir Potanin hat sein Kapital gegen den Trend vergrößert.André Ballin 13.04.2020 - 17:56 Uhr

Der Oligarch hat auf den richtigen Rohstoff gesetzt.

Foto: Bloomberg

Moskau. Das Coronavirus lässt zwar nicht die Zahl der Oligarchen in Russland, wohl aber ihr Vermögen schrumpfen: Die 102 Milliardäre im Land (2019 waren es genau 100) besitzen laut „Forbes“ „nur noch“ 392,3 Milliarden Dollar, während es 2019 noch 425,1 Milliarden Dollar waren.

Vor allem an der Spitze gab es jede Menge Verlierer: Lediglich zwei Milliardäre aus den Top zehn, die in ihrer Zusammensetzung unverändert blieb, konnten ihr Kapital vergrößern. Einer von ihnen ist Wladimir Potanin, nun der neue reichste Mann Russlands.

Im Gegensatz zu den anderen Oligarchen, die ihr Geld mit Öl, Gas und Eisenerz verdienen, setzte er auf Palladium – den einzigen Rohstoff, der trotz Krise weiterhin einen Aufwärtstrend verzeichnet und Potanin so zum neuen Reichsten Russlands macht. Sein Vermögen beläuft sich auf geschätzt 19,7 Milliarden Dollar, 1,6 Milliarden mehr als noch im Vorjahr.

Es ist nicht das erste Mal, dass Potanin die Spitzenposition in Russland innehat. 2015 war er schon einmal dort. Der 59-Jährige zählt gewissermaßen zum Inventar der russischen Oligarchie. Reich geworden ist der Absolvent der Moskauer Diplomatenschmiede MGIMO, an der auch Außenminister Sergej Lawrow studierte, wie viele seiner Kollegen in den 90er Jahren.

Potanin sicherte sich damals die Mehrheit am Buntmetallkonzern Norilsk Nickel, dem Weltmarktführer bei der Produktion von Nickel, Palladium und Platin.

Hohe Nachfrage nach Palladium

Infolge der Coronakrise hat das Unternehmen zwar ebenfalls mit der Nachfrageschwäche zu kämpfen, allerdings nicht so stark wie die Konkurrenz: Die Nachfrage nach Palladium ist nach wie vor weit höher als das Angebot, speziell nachdem der Palladium-Großproduzent Südafrika seine Förderung wegen der Pandemie hat zurückfahren müssen.

Die Produktion von Norilsk Nickel leidet bislang nicht unter den Quarantäne-Maßnahmen. Und da Palladium – auch durch Dieselaffäre und neue Umweltstandards – in Benzinkatalysatoren weiter sehr gefragt ist, kann Potanin zuversichtlich in die Zukunft schauen. Selbst wenn das Ski-Ressort „Rosa Chutor“, das er für Putins Olympische Winterspiele in Sotschi beisteuerte, in diesem Jahr dicke Verluste schreiben wird.

Sein Engagement dort dient ähnlich wie sein Einsatz bei der von Präsident Wladimir Putin ins Leben gerufenen „Nacht-Eishockey-Liga“ und sein Versprechen, sein Vermögen nicht den Kindern, sondern dem Gemeinnutz zu hinterlassen, ohnehin eher der politischen Absicherung.

Auch in der Coronakrise prescht er nun als einer von wenigen Oligarchen vor und bietet dem Staat seine Hilfe an. „Weil wir gut in Form sind, müssen wir uns um unsere Arbeiter kümmern, sie medizinisch und sozial absichern“, erklärte Potanin unlängst. Zudem sehe er es auch als Pflicht, den Gemeinden zu helfen, in denen der Konzern aktiv sei, um den Staat im Kampf gegen Covid-19 zu unterstützen.

Der Milliardär beließ es nicht nur bei Worten: Den Mietern seiner Mall in Norilsk hat er die Mietzahlungen gestundet. Zudem spendete er eine Milliarde Rubel (das entspricht gut zwölf Millionen Euro) an Museen, aber auch an Hilfsorganisationen, die sich in der Coronakrise einbringen und Alte, Waisen und Großfamilien unterstützen.

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