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  4. Kommentar: Die Coronakrise ist ein Desaster für die Lehre

KommentarHunderttausende Schulabgänger drohen bei der Lehre leer auszugehen

Ausgerechnet jetzt müssten Betriebe und angehende Azubis zueinanderfinden. Kann das in Zeiten von Kurzarbeit funktionieren?Barbara Gillmann 15.04.2020 - 08:21 Uhr

Auszubildende suchen aktuell nach einem Betrieb um im Herbst eine Lehre anzutreten.

Foto: dpa

Berlin. Bei Bildung und Corona und den damit einhergehenden Problemen ging es bisher vor allem um Schüler und Studenten. Kein Thema waren die Auszubildenden. Zu Unrecht.

Denn gerade im Frühjahr, also jetzt, werden die Lehrverträge für das im Herbst beginnende Ausbildungsjahr geschlossen. Doch welcher Betrieb stellt schon neue Lehrlinge ein, wenn er gerade Kurzarbeit angemeldet hat und gar nicht weiß, ob und wie er die Krise ökonomisch überlebt?

Und selbst Betriebe, die „nur“ einen deutlichen Umsatzrückgang erwarten, werden verständlicherweise sehr vorsichtig sein, wenn es darum geht eine Lehr-Verpflichtung einzugehen.

Dennoch: Politik und Wirtschaft müssen schon jetzt darüber nachdenken, wie sie einen massiven Einbruch der Ausbildung im Herbst verhindern. Denn das Desaster ist absehbar: 650.000 Betriebe haben Kurzarbeit angekündigt. Wenn auch nur ein Teil davon weniger Lehrlinge einstellt als noch 2019, könnten durchaus hunderttausend oder auch zweihunderttausend Schulabgänger leer ausgehen.

Es wäre katastrophal, wenn sie alle in Hilfsjobs oder Warteschleifen landen. Für die jungen Leute wäre es extrem demotivierend, womöglich bleiben sie auf Dauer Ungelernte. Davon haben wir schon genug: Mehr als zwei Millionen 20- bis 35-Jährige haben aktuell keinen Berufsabschluss. Die Wirtschaft würde den Einbruch in der Nachwuchs-Qualifizierung schon bald mit einem verschärften Fachkräftemangel bezahlen. Auch der ist in diversen Branchen schon jetzt bedrohlich.

Die Politik muss also schleunigst über Anreize nachdenken, wie sie auch coronageschädigten oder zumindest verunsicherten Betrieben die Ausbildung schmackhaft macht. Warum nicht für eine gewisse Zeit den Azubilohn übernehmen – oder zumindest bezuschussen?

Und die Betriebe, vor allem die großen, müssen daran denken, dass sie voraussichtlich schon nächstes Jahr wieder händeringend Fachleute suchen. Da ist es zu empfehlen, auch in diesem Herbst neue Azubis aufzunehmen. Trotz Corona.

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