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ZahlungsdienstleisterFondsgesellschaft Deka fordert Rücktritt von Wirecard-Chef Markus Braun

Der Großinvestor sieht in Braun den Hauptverantwortlichen für den jüngsten Vertrauensverlust. Auch andere Anteilseigner und Analysten kritisieren das Krisenmanagement. 06.05.2020 - 18:04 Uhr aktualisiert

Der Druck auf den Wirecard-Frontmann wird größer.

Foto: Reuters

Frankfurt. Die Deka dringt als erste große deutsche Fondsgesellschaft auf die Ablösung von Wirecard-Chef Markus Braun. „Wir fordern den Rücktritt von Markus Braun“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, der „WirtschaftsWoche“. „Das haben wir dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Wirecard, Thomas Eichelmann, im Laufe dieser Woche mitgeteilt“, so Speich weiter. Die Deka ist als Fondsgesellschaft der Sparkassen einer der Großinvestoren von Wirecard.

Braun sei der Hauptverantwortliche für den Vertrauensverlust am Kapitalmarkt, sagte Speich. Dieser lasse sich nur reparieren, indem ein anderer den Chefposten übernehme. Der Deka sei bewusst, dass Wirecard mit dem Weggang von Braun viel Wissen verlöre. „So sehr Herr Braun auch ein Visionär sein mag, aber er scheint nicht in der Lage zu sein, den Konzern auf die nächste Stufe zu heben. Wirecard hat unter seiner Ägide nicht die Qualität eines Dax-Konzerns erlangt“, kritisierte Speich.

Er appellierte an den Aufsichtsrat, zu handeln: „Die Zeit drängt. Es muss sichergestellt werden, dass der Vertrauensverlust nicht noch vom Kapitalmarkt auf die Kunden überschlägt und damit das Geschäftsmodell bedroht.“

Auch Großinvestor Union Investment pocht auf Veränderungen bei Wirecard, steht aber hinter dem langjährigen Vorstandschef. „Wir fordern nicht den Rücktritt von Markus Braun. Aber wir fordern eine Stärkung der Kompetenzen in kritischen Bereichen wie Accounting und Compliance durch Neubestellung externer Vorstandsmitglieder“, sagte Fondsmanager Andreas Mark.

Wirecard brauche eine stabile und verlässliche Führung, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Voraussetzung sei aber, dass die Firma von den EY-Wirtschaftsprüfern ein uneingeschränktes Testat für das Geschäftsjahr 2019 erhalte. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken hält laut Wirecard-Website rund vier Prozent an dem Konzern.

Wirecard sieht sich Vorwürfen der Falschbilanzierung ausgesetzt. Eine Sonderuntersuchung durch KPMG konnte diese nicht vollständig aus dem Weg räumen. Außerdem warfen die Wirtschaftsprüfer dem Wirecard-Management vor, die Prüfungen zum Teil behindert zu haben. KPMG sagte, man sei nicht in der Lage gewesen, die benötigten Daten zu erhalten, um alle Vorgänge zu prüfen, und kritisierte das Unternehmen für interne Mängel und die fehlende Bereitschaft seiner Drittpartner, zu dem Bericht beizutragen.

Analysten wenden sich nach Sonderprüfung ab

Unterdessen ist die Stimmung unter Analysten für die Wirecard-Aktie auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren gefallen. Vor allem die KPMG-Sonderprüfung des Zahlungsabwicklers brachte für viele Analysten, die 2019 trotz mehrerer Vorwürfe gegen das Unternehmen optimistisch geblieben waren, das Fass zum Überlaufen.

Seit Wirecard den Bericht in der vergangenen Woche veröffentlicht hat, stuften sieben Broker ihre Kaufempfehlungen für die Aktie herab oder strichen ihre Anlageempfehlung gleich komplett. Das Konsensrating für Wirecard - ein Indikator für das Verhältnis von Kauf-, Halten- und Verkaufsratings - liegt nur bei nur noch 3,77 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2018, zeigen vom Informationsdienst Bloomberg erhobene Daten.

„Wir haben den KPMG-Sonderprüfungsbericht eingehend geprüft, und das Ergebnis ist besorgniserregend, da er nicht allen Vorwürfen ein Ende setzen konnte und neue Fragen aufwirft“, schreibt Kepler-Cheuvreux-Analyst Sebastien Sztabowicz in seinem Fazit und suspendierte seine Kaufempfehlung und das Kursziel für die Aktie. Der Analyst hatte zuvor seit Juni 2014 ununterbrochen eine optimistische Sicht auf das Unternehmen.

Außerdem stuften Analysten bei Morgan Stanley, NordLB, DZ Bank AG, Oddo, HSBC und Barclays die Aktien von Wirecard auf „Neutral“ oder ähnlich gleichwertige Ratings herab. Letztes Jahr sah das noch anders aus, als die Analysten ihre Kaufempfehlungen weitgehend beibehalten hatten, trotz mehrfacher Vorwürfe der FT, die von Wirecard stets bestritten wurden.

Trotz der Ratingänderungen empfiehlt nur einer der von Bloomberg untersuchten Analysten den Verkauf der Aktie. Das Papier wird demnach von elf Häusern zum Kauf empfohlen, 14 raten zum Halten. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei knapp 160 Euro pro Aktie, fast das doppelte des aktuellen Kurses.

Die Wirecard-Aktie war in der vergangenen Woche um 30 Prozent gefallen, nachdem der KPMG-Prüfungsbericht öffentlich geworden war. Auch am Mittwoch war sie mit einem Minus von knapp sechs Prozent das Dax-Schlusslicht.

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