Kommentar: Hygieneregeln und Digitalräume: Der Staat muss die Schüler schützen
Der Bund will die schrittweise Rückkehr aller Schüler ermöglichen.
Foto: dpaBerlin. Die Schule geht wieder los – wenn auch für die meisten Schüler nur tageweise und natürlich unter lästigen und ungewohnten Corona-Bedingungen. Das ist dennoch gut für alle Beteiligten. Ökonomisch auf jeden Fall, denn die Schäden durch Eltern, die wegen der Betreuung nicht arbeiten können, sind gewaltig: Nach einer Schätzung des IAB konnten 1,7 Millionen Eltern nicht arbeiten, der Ausfall summiert sich auf 56 Millionen Arbeitstage.
Und es ist höchste Zeit, dafür zu sorgen, dass alle Schüler etwas lernen, und nicht nur die Kinder jener engagierten Eltern, die die Zeit und das Wissen für homeschooling haben.
Unbedingt nachvollziehbar sind die Hygiene-Regeln, die nun bis auf weiteres in den Schulen gelten. Auch wenn Kinder nach den ersten Studien, die es bisher dazu gibt, vermutlich seltener vom Corona-Virus befallen werden als Erwachsene, verbreiten ihn die Infizierten unter ihnen natürlich.
Deshalb ist es absolut richtig, in der nächsten Zeit für die insgesamt gut zehn Millionen Schüler auf ebenso strenge Abstands- und Hygieneregeln zu bestehen, wie für die Erwachsenen. Das ist lästig und stellt die Schulen, die nun Wechselschichten und Unterricht in kleinen Gruppen organisieren müssen, vor große Herausforderungen.
Die strikten Regeln tragen aber mit Sicherheit dazu bei, dass Deutschland die Pandemie auch weiterhin im Griff behalten kann und es nicht zu einer massiven zweiten Welle kommt, wie sie etwa das lange für seinen großen Erfolg bewunderte Singapur derzeit erlebt. Der allergrößte Teil der Bevölkerung ist noch nicht infiziert und damit auch nicht immun, und es gibt weder wirksame Medikamente noch eine Impfung.
Es ist auch etwas anderes, Schüler in geschlossenen Räumen zu schützen als etwa Kinder auf Spielplätzen. Dort können und müssen verantwortliche Eltern zu enge Kontakte vermeiden – und können einen überfüllten Spielplatz ja auch jederzeit wieder verlassen. In der Schule und Kita jedoch treffen ganz andere Gruppengrößen aufeinander, zudem ist hier der Staat verantwortlich. Kommt es hier zu Massenausbrüchen, müssen die Behörden auch mit Klagen der Eltern rechnen.
All das bedeutet zugleich, dass die Beschränkungen aller Voraussicht nach auch nach den Sommerferien noch monatelang weiter gelten werden – je nach Entwicklung der Epidemie und der Gegenmittel auch bis ins nächste Jahr. Umso wichtiger ist es, dass die Schulen jetzt schnell praktikable Konzepte umsetzen. Zugleich müssen sie den Online-Unterricht dort fortsetzen, wo es Sinn ergibt, also vor allem bei älteren Schülern. So kommen wir dann auch endlich bei der ohnehin überfälligen Digitalisierung des Unterrichts voran.