Dow Jones, Nasdaq, S&P 500: Virussorgen und Arbeitslosenzahlen lasten auf US-Börsen – Dow Jones schließt im Minus
Die nur langsam abebbende Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe enttäuscht die US-Anleger.
Foto: AFPDüsseldorf. Verunsichert durch neue Corona-Fälle sind die Anleger an der Wall Street am Donnerstag in Deckung geblieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer auf 26.080 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen moderate 0,3 Prozent auf 9943 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,1 Prozent auf 3115 Punkte zu.
„Die Anleger suchen verzweifelt nach etwas, um optimistisch zu sein, aber wir sind noch nicht über den Berg“, sagte Portfolio-Managerin Katerina Simonetti vom Vermögensverwalter UBS Private Wealth Management. In mehreren US-Bundesstaaten steigen die Corona-Neuinfektionen stark an. Dazu kommt der Ausbruch in der chinesischen Hauptstadt Peking. Die Furcht vor einer zweiten Welle in der Coronavirus-Pandemie belastete auch die Börsen in Europa. Ein spektakulärer Kurssturz beim Dax-Konzern Wirecard trieb den Puls der Börsianer zusätzlich in die Höhe. Der deutsche Leitindex verlor 0,8 Prozent auf 12.281 Zähler.
Ohne eine Impfung oder eine Lösung für dieses Gesundheitsproblem werde die Wirtschaft weiter unter der Pandemie leiden, sagte Anlagestratege Nate Fischer vom Vermögensverwalter Strategic Wealth Partners. Das zeigte auch die weiter angespannte Lage am US-Arbeitsmarkt. Vorige Woche stellten mehr als 1,5 Millionen Bürger erstmals einen Antrag auf staatliche Stütze. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 1,3 Millionen gerechnet. Zwar sinkt die Zahl seit dem Höhepunkt von knapp sieben Millionen Ende März kontinuierlich, aber langsamer als gedacht. „Für eine Wirtschaft, die sich wieder öffnet, ist das eine riesige Zahl“, sagte der US-Chefökonom des Finanzhauses TS Lombard in New York, Steven Blitz, zu der aktuellen Entwicklung.
Die Notenbank Federal Reserve rechnet damit, dass sich die Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft hinziehen wird. Mit einer vollständigen Genesung sei erst zu rechnen, wenn die Bürger von der Eindämmung der Corona-Pandemie überzeugt seien, betonte Fed-Chef Jerome Powell diese Woche bei seiner Anhörung vor dem Kongress.
Blick auf die Einzelwerte
Unter den Einzelwerten standen die Papiere der durch die Viruskrise schwer angeschlagenen Kreuzfahrtreederei Carnival Corp mit einem Verlust von 1,4 Prozent im Anlegerfokus. Die Aida-Muttergesellschaft verbuchte im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 4,4 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatte Carnival noch 451 Millionen Dollar verdient. Der Umsatz sank von 4,8 Milliarden auf 700 Millionen Dollar. Damit wurden die ohnehin schon niedrigen Markterwartungen verfehlt.
Die Anteilscheine von Biogen sackten um 7,5 Prozent ab, nachdem ein Gericht in West Virginia das Patent für den Biogen-Verkaufsschlager Tecfidera gegen Multiple Sklerose wegen einer fehlenden schriftlichen Beschreibung für ungültig erklärt hatte. Das Biotech-Unternehmen hatte mit Tecfidera im vergangenen Jahr allein in den USA 3,3 Milliarden US-Dollar erlöst.
Der zum Bonner Telekom-Konzern gehörende US-Mobilfunker T-Mobile US wird ab 1. Juli einen neuen Finanzvorstand haben. Peter Osvaldik folgt auf Braxton Carter, der seit rund 19 Jahren für den Konzern tätig ist und nun in den Ruhestand geht. Die Aktien stiegen um rund 3,7 Prozent.
Die Aktie der US-Supermarktkette Kroger ließ mehr als drei Prozent Federn. Nach einem Umsatzplus im abgelaufenen Quartal geht der Konzern davon aus, dass sich der Anstieg verlangsamt. Investoren werteten es zudem negativ, dass Kroger keine konkrete Jahresprognose lieferte.