Zahlungsdienstleister: Insolvente Wirecard: Wäre der Absturz zu verhindern gewesen?
Noch in der vergangenen Woche hatte die Kanzlei Tilp geäußert, von einer Klage gegen EY absehen zu wollen.
Foto: dpaDüsseldorf/Berlin/Frankfurt. Die Arbeit geht weiter für Wirecards Finanzvorstand Alexander von Knoop. Zusammen mit Produktvorständin Susanne Steidl ist er der letzte Vertreter der alten Garde beim tief gestürzten Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München. Der neue Chef heißt James Freis und muss als Interims-CEO retten, was zu retten ist, seit bekannt geworden war, dass Gelder auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro und große Teile des Asiengeschäfts wohl nie existiert haben.
Am Montagmorgen hat von Knoop ein Schreiben des langjährigen Wirtschaftsprüfers EY erhalten. Darin teilte EY mit, dass das Testat für die Jahresbilanz 2019 nun endgültig verweigert wird, wie WDR, NDR und „Süddeutsche Zeitung“ als Erstes berichteten. Man hege den „begründeten Verdacht“, „dass auch die uns vorliegenden Saldenbestätigungen des Treuhänders sowie die uns erteilten Auskünfte zu den Kontoständen zum 31. Dezember 2018 falsch waren“, erklärten die Prüfer.
Eine Ad-hoc-Mitteilung hat Wirecard hierzu bisher nicht versandt. Konzerninsider bestätigten im Gespräch mit dem Handelsblatt den Eingang des Schreibens: Dieses habe das Testat 2019 betroffen, nicht aber das Testat 2018 nachträglich infrage gestellt. Der Grund für die ausbleibende Mitteilung sei, dass der Konzern bereits verschiedentlich informiert habe, dass Zweifel an der Rechnungslegung bestünden. Die entsprechende Erwartung sei im Markt daher bereits eingepreist.