Fondsmanager-Umfrage: Investoren kaufen mehr europäische Aktien
21 Prozent der Investoren wollen laut einer Umfrage in den nächsten zwölf Monaten mehr in europäische Aktien investieren.
Foto: ReutersFrankfurt. Europäische Aktien werden wieder beliebter. Seit dem Beginn der Erholungsrally an den Börsen hat der breite europäische Aktienindex Stoxx Europe 600 mit einem Plus von rund einem Drittel zwar weniger zugelegt als der US-Leitindex S&P 500, der mehr als 40 Prozent gewann. Aber seit Anfang Juni hat der europäische Aktienindex sein US-Pendant geschlagen. Er legte um mehr als viereinhalb Prozent zu, beim S&P 500 waren es gut drei Prozent.
Dass Europa in der Gunst der Investoren vorrückt, zeigt auch die neue monatliche Fondsmanagerumfrage der Bank of America (BofA). Unter dem Strich sind demnach 16 Prozent der internationalen Fondsmanager in europäischen Aktien übergewichtet. Vor einem Monat waren es sieben Prozent. Einen so deutlichen Anstieg in der Gunst der Investoren gab es sonst nirgendwo. Noch frappierender: Im Mai waren noch 17 Prozent der befragten Investoren in europäischen Aktien untergewichtet.
Über- oder untergewichtet bedeutet, dass die Portfoliomanager von Fondsgesellschaften, Versicherern, Pensionskassen, Unternehmen und Hedgefonds mehr oder weniger Aktien einer Region oder Branche halten, als es die jeweiligen Richtlinien für ihre Häuser vorgeben. Die Übergewichtung von „netto“ 16 Prozent bedeutet in der Begrifflichkeit der Umfrage, dass es 16 Prozent mehr Investoren gibt, die europäische Aktien in ihren Depots übergewichten, als solche, die das nicht machen.
Hoffnung für europäische Aktien macht auch der Blick nach vorn. Gut ein Fünftel der 210 Investoren, die diesmal an der Umfrage teilnahmen, will in den nächsten zwölf Monaten den Europa-Anteil im Portfolio weiter ausbauen. Das könnte starke Zuflüsse in europäische Aktien zur Folge haben. Die befragten Portfoliomanager verwalten zusammen 607 Milliarden Dollar.
Martin Lück, einer der leitenden Kapitalmarktstrategen beim Fondshaus Blackrock, findet den optimistischeren Blick auf Europa nachvollziehbar. Der politische Apparat sehe verglichen mit dem der USA „paradiesisch“ aus. Zudem mache ein „nicht ganz so grauenhaftes Corona-Management“ auf dem alten Kontinent eventuell einen früheren Neustart aus der Krise möglich.
Auf Rang eins bleiben US-Aktien
Trotzdem warnt Lück vor Euphorie: „Bevor wir Europäer uns angesichts des vermeintlichen Verfalls Amerikas oder der Inkompatibilitäten Asiens selbstzufrieden zurücklehnen, sollten wir unsere Hausaufgaben erledigen.“ Noch kämpfe jede Regierung zu sehr nur für ihre eigenen Interessen, zum Beispiel mit Blick auf EU-Haushalt, Migration und Klima. Dennoch gewichtet auch Blackrock seit Ende Juni europäische Aktien insgesamt über.
Ganz vorn in der Gunst der internationalen Investoren stehen laut BofA-Umfrage indes nach wie vor US-Aktien. 21 Prozent der Investoren halten mehr US-Aktien, als es die hausinternen Benchmarks vorgeben. Das ist ein Prozentpunkt mehr als vor einem Monat. Auf Platz drei in der Investorengunst stehen die Aktien von Schwellenländern, die auf eine Übergewichtung von netto 15 Prozent kommen.
Insgesamt gewichten Investoren Aktien in ihren Portfolios netto nur fünf Prozent über. Das sind etwas weniger als vor einem Monat. Der Optimismus der Investoren mit Blick auf die Entwicklung der Aktienmärkte hält sich damit in Grenzen. Überraschend ist das nicht. Angesichts der seit Mitte März inmitten der Rezession anhaltenden Rally an den Börsen halten 71 Prozent der Investoren die Aktienmärkte für „überbewertet“.