Bauprojekt Überseequartier: Lego-Center soll Shopping-Kunden nach Hamburg locken
Für 1,2 Milliarden Euro entstehen Geschäfte, Büros, Wohnungen und ein Kreuzfahrtterminal.
Foto: URWHamburg. Die bekannteste deutsche Modelleisenbahn-Anlage, das Miniatur-Wunderland in Hamburg, bekommt offenbar eine Konkurrenz in unmittelbarer Nähe. Ab 2023 soll in der Hamburger Hafencity ein Lego Discovery Center entstehen, das ebenfalls Familien ansprechen könnte.
Die Indoor-Attraktion gibt es in Deutschland bislang in Berlin und Oberhausen. Zwei weitere stehen in Großbritannien, ein weiteres in Istanbul.
Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht des Einkaufscenter-Entwicklers Unibail-Rodamco-Westfield (URW) wird das Lego-Erlebnisland Baustein des Freizeitkonzepts des Überseequartiers, eines der größten Bauprojekte Deutschlands. Ein entsprechender Vertrag sei kürzlich unterschrieben worden. Betreiber der Attraktion ist der globale Eventkonzern Merlin Entertainment. Die Briten betreiben Freizeitparks, die 2019 rund 67 Millionen Besucher lockten.
Der französische Entwickler URW baut bereits seit 2017 an dem Projekt, das neben 200 Geschäften auch Hotels, Büros, Wohnungen und sogar ein Kreuzfahrtterminal beinhaltet. Eigentlich sollte das neue Stadtviertel bereits Ende 2021 eröffnen, hieß es bei der Grundsteinlegung. Zwischenzeitlich war die Eröffnung auf 2022 verschoben worden. Noch sind die Bauarbeiten nicht über die Erdoberfläche hinausgekommen – im Untergrund entsteht neben Parkplätzen auch ein Busterminal.
Jetzt verschiebt sich die Eröffnung erneut: Laut Finanzbericht ist nun erst für 2023 die Eröffnung geplant – und das auch nur schrittweise. Derzeit verzögern Hygieneauflagen allgemein viele Baustellen.
Das Lego-Angebot muss Publikum in das Einkaufszentrum locken in einer Zeit, in der der Einzelhandel auch in der Hansestadt über geringeren Zuspruch klagt – verstärkt durch die Coronakrise. Das Bauprojekt steht daher in der Kritik der Cityhändler, die die Konkurrenz fürchten.
Schließungen wegen Corona wirken sich aus
Dem gegenüber stehen 1,24 Milliarden Euro Investitionen, die URW laut Finanzbericht erwartet. Davon gehen 770 Millionen Euro in den Shoppingbereich. Zudem hat Unibail Wohnungsentwicklungen an Partner weitergegeben.
Insgesamt leidet URW unter der Coronakrise. Viele Geschäfte mussten zeitweise schließen. Die Mieteinnahmen sanken konzernweit im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Vor allem in Großbritannien und Österreich fiel der Rückgang stark aus, in Deutschland blieb der Konzern vergleichsweise stabil.
Der Wert des Gesamtportfolios sank von 65 Milliarden auf 60 Milliarden Euro. Konzernchef Christophe Cuvillier betonte, der Konzern habe erfolgreich seine Liquidität geschont und werde Schulden abbauen. URW baut daher weniger als geplant. Das betrifft jedoch nicht das Hamburger Großprojekt.