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PharmaindustrieBayer kauft Spezialisten für Frauengesundheit

Der deutsche Pharmakonzern übernimmt die Biotechfirma Kandy Therapeutics. Die entwickelt ein vielversprechendes Medikament gegen Wechseljahrbeschwerden.Maike Telgheder 11.08.2020 - 16:03 Uhr aktualisiert

Der Pharmariese baut sein Geschäft mit der Frauengesundheit aus.

Foto: dpa

Frankfurt. Bayer verstärkt sein Pharmageschäft mit dem Kauf eines Medikaments mit Milliarden-Umsatzpotenzial. Der Leverkusener Konzern übernimmt die britische Biotechfirma Kandy Therapeutics und sichert sich damit einen Wirkstoff zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden von Frauen.

„Ein solcher Wirkstoff hat erhebliches Umsatzpotenzial“, sagte Stefan Oelrich, Vorstandsmitglied der Bayer AG und Präsident der Division Pharmaceuticals, dem Handelsblatt. Bayer traut dem Mittel nach erfolgter Zulassung jährliche Umsätze in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro zu.

Bayer leistet für die Übernahme eine Vorauszahlung von 425 Millionen Dollar, weitere Meilensteinzahlungen von bis zu 450 Millionen Dollar werden bis zur Markteinführung fällig. Zudem winken Kandy Therapeutics weitere an den Umsatz gekoppelte Meilensteinzahlungen im dreistelligen Millionenbereich. Der Abschluss der Transaktion wird bis September erwartet.

Mit dieser Akquisition werde Bayer sein Entwicklungsportfolio im Bereich Frauengesundheit um eine neuartige, nichthormonelle Behandlungsoption für Frauen in der Menopause ergänzen, so Pharmavorstand Oelrich. Der Wirkstoff soll im kommenden Jahr in die entscheidende abschließende Phase der klinischen Entwicklung gebracht werden. Läuft alles wie geplant, könnte das Mittel nach Oelrichs Einschätzung 2024 oder 2025 zugelassen werden.

Bisher ist eine Hormonbehandlung die verfügbare Therapie gegen Wechseljahrbeschwerden. Der Wirkstoff von Kandy Therapeutics gehört einer neuen Therapieklasse an. Er setzt im Gehirn im Hypothalamus an und reguliert dort östrogensensitive Neuronen. Die sind bei Frauen mit Wechseljahrbeschwerden bedingt durch das Fehlen von Östrogen übermäßig aktiv und stören dadurch den Wärmeregulierungsmechanismus des Körpers. Dies führt zu den sogenannten vasomotorischen Symptomen wie Hitzewallungen und Nachtschweiß.

Milliarden mit Hormonspiralen und Antibabypillen

Ein weiterer Wirkstoff dieser Therapieklasse gegen Wechseljahrbeschwerden wird bereits vom japanischen Astellas-Konzern erforscht. Das Unternehmen hat zeitlich einen Vorsprung: Die letzte klinische Phase vor dem Zulassungsantrag startete im vergangenen Sommer.

Bayer ist seit der Übernahme der Firma Schering, die die erste Antibabypille in Deutschland auf den Markt brachte, Marktführer im Bereich Frauengesundheit. Insgesamt erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr in der Pharmasparte einen Umsatz von knapp 18 Milliarden Euro, rund drei Milliarden Euro entfallen auf den Bereich Frauengesundheit. Größte Produkte hier sind die Hormonspiralen um die Marke Mirena mit einem Jahresumsatz von zuletzt 1,2 Milliarden Euro sowie die Antibabypillen der YAZ-Familie mit 681 Millionen Euro Umsatz.

Der Erwerb von Kandy Therapeutics ist für Bayer laut Oelrich ein weiterer wichtiger Schritt, das Portfolio im Bereich Frauengesundheit durch strategische Kollaborationen und Vereinbarungen zu erweitern – auch jenseits des Bereichs Verhütung. Mit dem Hamburger Biotechunternehmen Evotec entwickelt der Konzern mehrere Wirkstoffe zur Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndroms, einer der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen, die zu Unfruchtbarkeit führt.

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Außerdem hat Bayer im Januar 2020 eine exklusive Lizenzvereinbarung mit dem Unternehmen Daré Bioscience für den US-Markt getroffen. Diese fokussiert sich auf einen hormonfreien, monatlich anzuwendenden Vaginalring, der sich derzeit in der klinischen Entwicklung zur Verhütung befindet. Bayer will sich nach den Angaben Oelrichs weiter nach Pharmazukäufen umschauen. Allerdings seien die Preise gerade für Produkte in der späten klinischen Entwicklung sehr hoch.

Das britische Biotechunternehmen Kandy Therapeutics wurde 2017 als Ausgründung von der Pharmafirma Nerre Therapeutics gegründet, die wiederum ein Spin-off des britischen Pharmakonzerns GSK ist. Kandy Therapeutics wurde bisher von den Investoren Advent Life Sciences, Fountain Healthcare Partners, Forbion Capital Partners, OrbiMed und Longitude Capital unterstützt.

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