Vermögensmanager: Investoren plädieren für kürzere Amtszeiten der Dax-Aufsichtsräte
Die Corporate Governance in Deutschland ist durch den Skandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard in die Kritik geraten.
Foto: dpaFrankfurt. Eine Reihe angelsächsischer Investoren übt in einem offenen Brief deutliche Kritik am deutschen System der Corporate Governance, also den Regeln für eine gute Unternehmensführung. Im Mittelpunkt stehen dabei die Amtszeiten der Aufsichtsräte in den Dax-30-Unternehmen, die nach Ansicht der gemeinschaftlichen Investoreninitiative zu lang sind. Angeführt wird die Gruppe vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors, weitere Asset-Manager sind Schroders, LGIM, Aberdeen Standard Investments, Aviva Investors und JP Morgan Asset Management.
Den Unternehmen wird empfohlen, die deutsche Governance auf eine Ebene mit anderen Märkten zu bringen. Gegenwärtig hinkten hiesige Konzerne ihren europäischen Konkurrenten hinterher. Als Mitglieder im Dax 30 werden die Unternehmen aufgefordert, die Amtszeit der von den Aktionären gewählten Aufsichtsräte freiwillig auf drei Jahre zu verkürzen. Aktuell werde die gesetzliche Obergrenze von fünf Jahren in Deutschland in der Praxis auch ausgenutzt.
Selbst dort, wo die Amtszeiten länger sind als drei Jahre, wie in Frankreich, den Niederlanden und Spanien, könnten die Aktionäre zumindest einige Aufsichtsräte jährlich zur Rechenschaft ziehen, sagt Robert Walker, Global Co-Head of Asset Stewardship bei State Street Global Advisors. Dies sei in Deutschland nicht der Fall, und State Street sei der Meinung, dass sich das ändern müsse, um die Rechenschaftspflicht und die Unternehmenstransparenz zu verbessern.
„Wir wollen, dass Unternehmen freiwillig dreijährige Wahlzyklen einführen“, betont der Vermögensmanager. Branchenbeobachter glauben, dass dies ein Zwischenschritt sein könnte hin zu einjährigen Amtszeiten, wie es beispielsweise gängige Praxis in Großbritannien und Irland sei.
Zuletzt war die Corporate Governance in Deutschland durch den Skandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard in die Kritik geraten. Mitglieder der angelsächsischen Initiative wollten den Fall Wirecard aber nicht kommentieren. Die jetzt vorgepreschte Investorengruppe repräsentiert nach eigenen Angaben zusammen 8,3 Billionen Dollar an verwaltetem Vermögen weltweit. Für eine positive Entwicklung am gesamten Markt sei es notwendig, dass Investoren, Unternehmen und Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten.
Darüber hinaus habe die Kommission des Deutschen Corporate Governance Kodex im vergangenen Jahr Schritte für die Einführung einer dreijährigen Amtszeit für Vorstandsmitglieder eingeleitet. State Street und die anderen Unterzeichner unterstützten die Initiative. „Wir sind der Meinung, dass die Unternehmen diesen Wandel aktiv anstreben sollten, denn das würde einen sinnvollen Schritt in Richtung einer besseren Unternehmensführung und stärkerer Aktionärsrechte signalisieren, meint Walker.
Die Reformvorschläge der Kommission zu den Aufsichtsräten waren von vielen deutschen Konzernlenkern kritisiert worden. Neuwahlen alle drei Jahre stünden einer effektiven Arbeit des Aufsichtsrates entgegen, war eines der Argumente. Außerdem warnte man davor, die angelsächsischen Vorstellungen zum Maß aller Dinge zu machen.