Studie in Deutschland: Nachhaltige Geldanlagen liegen im Trend
Einer Studie zufolge hat die Coronakrise viele Anleger dazu bewogen, bei der Geldanlage mehr auf Nachhaltigkeit zu achten.
Foto: Marc-Steffen Unger
Berlin. Privatanleger in Deutschland legen derzeit jeden zehnten Euro nachhaltig an, 2025 soll es bereits jeder vierte Euro sein. Jeder fünfte private Investor plant sogar, seine Geldanlagen komplett auf Nachhaltigkeit umzustellen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Studie („Nachhaltige Geldanlage in Deutschland“), die die Gesellschaft Puls Marktforschung im Auftrag der Quirin Privatbank erstellt hat.
„Nachhaltigkeit ist ein stabiler Trend, der für die Finanzbranche große Bedeutung hat“, sagte Konrad Weßner, Geschäftsführer von Puls Marktforschung, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag. Immer mehr Menschen achteten darauf, dass ihre Investments Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, also Geldanlagen nicht zulasten der Umwelt getätigt werden.
Die Vereinten Nationen haben Ziele für die nachhaltige Entwicklung etwa in den Bereichen Frieden, Nahrungsmittelsicherung, Energie, Ausbildung, Gesundheit, Klimawandel und Management natürlicher Ressourcen vorgegeben.
Als Standard für nachhaltige Anlagen hat sich die Abkürzung „ESG“ durchgesetzt, die für Environment (Umwelt), Social (soziale Themen wie Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz) und Governance (nachhaltige Unternehmensführung) steht. Flankiert werden diese UN-Ziele vom „Green Deal“ der EU-Kommission, mit dem das Ziel verfolgt wird, bis 2050 ein klimaneutrales Europa zu schaffen.
Allerdings besteht noch Aufklärungsbedarf. Nach den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge stehen „unzureichende Kenntnisse sowie eine Selbsteinschätzung, die eigenes Wissen zu positiv widerspiegelt, einer stärkeren Hinwendung privater Haushalte zu nachhaltigen Kapitalanlagen im Wege“. Nur 14 Prozent der Befragten wüssten, was unter nachhaltigen Kapitalanlagen zu verstehen sei.
Es dürfte an der Zielgruppe liegen, dass die Ergebnisse bei der Quirin-Studie anders ausfielen. Befragt wurden Personen, die beispielsweise Anlagevermögen in Höhe von mindestens 10.000 Euro zur Verfügung haben. Für die Befragten ist der Klimaschutz zwar ein wichtiger Aspekt bei der Geldanlage. Doch bei der Auswahl von Unternehmen, die für eine nachhaltige Anlage infrage kommen, steht der Klimaschutz nicht an erster Stelle.
Den befragten Anlegern ist es am wichtigsten, dass die Unternehmen nicht korrupt sind, faire Arbeitsbedingungen bieten und die Menschenrechte glaubhaft achten.
Bereitschaft zum Renditeverzicht
Die Marktforscher von Puls haben auch festgestellt, dass jeder Vierte bereit wäre, zugunsten nachhaltiger Anlagen auf bis zu 30 Prozent der Rendite zu verzichten. Dabei sind nachhaltige Anlagen nicht unbedingt renditeschwächer als herkömmliche. Gut ein Drittel der Befragten gibt an, dass sie die Coronakrise dazu angeregt hat, mehr auf Nachhaltigkeit bei der Geldanlage zu achten.
Das kann die Quirin Privatbank selbst bestätigen. Bei etwa 70 Prozent aller neuen Mandate für die Vermögensverwaltung im laufenden Jahr legen die Kunden Wert auf nachhaltige Anlagen. 55 Prozent der Befragten würden es für eine gute Idee halten, wenn der Staat nachhaltige Anlagen fördern würde.
Die Marktforscher stellen allerdings auch klar, dass ein gutes Viertel der Befragten angibt, dass sie kein Interesse an einer nachhaltigen Anlagestrategie haben.