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Investmentstrategie Wie die US-Regierung die nachhaltige Geldanlage bekämpft

In den USA schlägt eine Kampagne gegen verantwortliches Investieren hohe Wellen. Europa fährt einen entgegengesetzten Kurs – mit Unterstützung der Wissenschaft.
18.08.2020 - 04:08 Uhr Kommentieren
Noch vor der Präsidentenwahl im November soll der Vorschlag des US-Arbeitsministeriums in einen Gesetzesvorschlag umgewandelt und dann verabschiedet werden. Quelle: Senvion
Windräder in Kalifornien

Noch vor der Präsidentenwahl im November soll der Vorschlag des US-Arbeitsministeriums in einen Gesetzesvorschlag umgewandelt und dann verabschiedet werden.

(Foto: Senvion)

Frankfurt Es sind Proteste in der Finanzwelt, wie es sie in den USA selten gegeben hat. Selbst große Vermögenverwalter wie State Street Global Advisors positionieren sich derzeit gegen einen Vorschlag des dortigen Arbeitsministeriums, nach dem die Verwalter privater Pensionsgelder belegen müssten, dass sie bei ihren Investments durch die Orientierung an Nachhaltigkeitskriterien keine Ertragseinbußen in Kauf nehmen. Noch vor der Präsidentenwahl im November soll der Vorschlag in einen Gesetzesvorschlag umgewandelt und dann verabschiedet werden.

Die Pläne wurden im Juni bekannt und sind so weitreichend, dass sie sogar altbekannte Regeln der Finanzwelt ins Wanken bringen. In der Vergangenheit schauten die Finanzexperten in der Alten Welt immer in die Neue Welt, wenn es um neue Trends ging. Und diese Trends breiteten sich dann regelmäßig mit Zeitverzögerung in Europa aus. Dieses Mal dürfte das anders sein.

In Europa und auch der Wissenschaft gilt als belegt, dass verantwortliches Anlegen nicht nur keine Risiken verstärkt, sondern sie eher senkt. Das illustriert beispielsweise ein Blick auf die Ergebnisse in Deutschland zugelassener Investmentprodukte. Über zehn Jahre erwirtschafteten Aktienfonds mit Nachhaltigkeitsausrichtung 0,7 Prozentpunkte mehr an jährlicher Rendite im Vergleich zu Strategien ohne diesen Fokus.

In der jüngeren Zeit nahm der Vorteil sogar zu und erreichte in den vergangenen zwölf Monaten 2,8 Prozentpunkte (siehe Grafik). „Die US-Regierung versteht das Thema nicht, ich kann mir das nur mit mangelndem Wissen oder Ignoranz erklären“, sagt Carlo Funk, Leiter des Nachhaltigkeitsbereichs für Europa bei State Street Global Advisors, dem weltweit drittgrößten Vermögensverwalter.

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    Er kennt die Agenden der hiesigen Investoren, Fondsverbände, Aufsichtsbehörden und EU-Institutionen. Deren Vertreter würden die Denke jenseits des Atlantiks eher unter der Überschrift Unsinn einsortieren. Experten sehen in dem Plan die neueste Facette der nachhaltigkeitsunfreundlichen Politik von US-Präsident Donald Trump, der auch schon aus dem Klimaabkommen ausgestiegen war.

    Grafik

    Ob der Vorschlag des Arbeitsministeriums durchkommt, ist völlig offen. „Es hat sich eine breite Front dagegen formiert“, erkennt Roland Kölsch vom Forum Nachhaltige Geldanlagen. Große Vermögensverwalter sind unter den Gegnern. Darunter sind neben State Street Global Advisors etwa Vanguard und Franklin Resources. Es geht um sehr viel Geld, denn der US-Altersvorsorgemarkt kommt auf einen Kapitalbestand von rund elf Billionen Dollar.

    State-Street-Mann Funk kann sich auch vorstellen, dass die für viele kaum nachvollziehbare Initiative des Arbeitsministeriums mit einem einzigen Buchstaben zu tun hat: dem „e“. Möglicherweise verwechselten die Politiker die Begriffe wertebasiert und wertbasiert.

    „Wertebasiert im Sinne von ,Gutes tun‘, da denkt man ans Spenden, und das sollte man dann auch lieber machen, glaubt vielleicht das Arbeitsministerium“, sagt Funk. Genau das aber sei mit nachhaltigen Investments nicht gemeint. Diese seien immer gleichzeitig wertbasiert und wertebasiert. Es gehe bei Geldanlagen stets auch um die finanzielle und wirtschaftliche Dimension.

    Renditen belegen die Vorteile

    In der Finanzbranche ist das aus dem englischen entlehnten Kürzel ESG für die Nachhaltigkeitsaspekte Umwelt, Soziales und Unternehmensführung längst zum Schlagwort geworden. Auch die Anleger beginnen, sich stärker für das Thema zu interessieren. Nach Rechnung der Analysefirma Morningstar investierten sie weltweit in den Corona-Krisenmonaten April und Juni über 71 Milliarden Dollar in entsprechend ausgerichtete Fonds. Damit trieben sie das entsprechende Fondskapital erstmals über die Schwelle von einer Billion Dollar.

    Diese Ergebnisse passen so gar nicht zum politischen Geschehen auf der anderen Seite des Atlantiks. „In den USA ist der Regulierungstrend bei Nachhaltigkeit: Hände weg; in Europa ist das Motto dagegen: mehr davon“, sagt Steffen Hörter vom Vermögensverwalter Allianz Global Investors.

    Auf dem heimischen Kontinent gibt es einen breiten Konsens zugunsten verantwortlichen Investierens. „Treiber sind hier vor allem die unter dem Titel ‚EU Aktionsplan‘ versammelten regulatorischen Initiativen, die einer nachhaltigen Entwicklung des Finanzwesens den Weg ebnen“, erkennt Henrik Pontzen, Leiter Nachhaltigkeit bei Union Investment.

    Beispiele für Nachhaltigkeitsrisiken liefern die Kohle- und Ölkonzerne als Mitverantwortliche für den Klimawandel. Sie haben durch die Umorientierung zu erneuerbaren Energien Gegenwind und mussten teils deutliche Aktienverluste hinnehmen. Unternehmen stehen bei ihren Geschäftsaktivitäten unter wachsendem Rechtfertigungsdruck. Aus Nachhaltigkeitsfragen entspringende Risiken können auch aus bisher unerwarteten Richtungen kommen.

    Ein aktuelles Beispiel liefert Australien. Vor wenigen Wochen verklagte eine 23-jährige Jurastudentin das Land, weil die Käufer von Staatsanleihen nicht über die Klimarisiken aufgeklärt worden seien, die ihrer Meinung nach von der Regierung vernachlässigt würden. Doch die Erderwärmung könne dem Wirtschaftswachstum, der Währung, den internationalen Beziehungen und damit auch den Anleihen schaden.

    Die Studentin besitzt Staatspapiere und stammt aus einer Region, die von großen Buschbränden heimgesucht wurde. Sie will erreichen, dass die Regierung beim Bondangebot künftig auf den Klimawandel als finanzielles Risiko hinweist.

    Mehr: Worauf Anleger beim Thema Nachhaltigkeit achten sollten.

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