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KommentarTrumps Umgang mit seiner Corona-Infektion ist der Gipfel der Rücksichtslosigkeit

Der US-Präsident instrumentalisiert seine Erkrankung für den Wahlkampf. Seine vermeintliche Heldengeschichte ist ein Affront gegen die Angehörigen der Covid-Toten im Land.Annett Meiritz 06.10.2020 - 07:34 Uhr Artikel anhören

Das Ziel einer Wiederwahl steht über allem.

Foto: AP

Es ist gut, dass Donald Trump das Krankenhaus verlassen konnte. Mediziner betonen, er habe seine Corona-Infektion noch nicht überstanden, ein Rückfall sei nicht ausgeschlossen. Doch für den Moment scheint Trump gesundheitlich stabil. Das ist eine wünschenswerte Nachricht. Niemand verdient es, in der Klinik zu sein. Selbst nicht ein US-Präsident, der über das Virus, an dem in den USA bislang 210.000 Menschen starben, sagte: „Es ist, was es ist.“ 

Spott über Trumps exklusive Behandlung ist ebenfalls unangebracht. Jeder andere Präsident wäre ebenso umsorgt worden - im größten Militärkrankenhaus der US-Ostküste, inklusive abhörsicherer Räume, Polstermobiliar und Konferenztisch unterm Kronleuchter.

Doch was schäbig ist und worüber man sich durchaus empören darf, ist Trumps Umgang mit seiner Krankheit. Der Präsident der wichtigsten Industrienation der Welt instrumentalisiert das Virus für seine eigenen Wahlkampfzwecke. Das Ziel einer Wiederwahl steht über allem, selbst über den tödlichen Folgen der Pandemie.

Trump hat aus seiner Infektion eine Reality-Show gemacht: Am Freitag wurde er per Helikopter ins Walter-Reed-Militärkrankenhaus geflogen. Am Sonntag fuhr er winkend in einem schwarzen SUV an jubelnden Unterstützern vorbei, praktisch ohne Distanz zu Chauffeur und Sicherheitskräften. Skrupel waren und sind nicht vorhanden.

Trump nahm, wie US-Medien enthüllten, trotz eines positiven Schnelltests noch an Veranstaltungen teil und gefährdete damit sein Umfeld. Die Desinformation aus dem Weißen Haus, das täglich neue widersprüchliche Angaben über Trumps Gesundheitszustand verbreitet, trägt zur Demokratie-Krise in den USA bei.

Trumps Umgang mit seiner Covid-19-Erkrankung ist die Essenz von jenem Rezept, das ihn ins Weiße Haus brachte und ihn bis heute darin hält. Es ist eine Mischung aus Hybris, Selbstvermarktung und Entertainment, ohne Rücksicht auf Risiken. Der harte Kern seiner Anhänger liebt ihn genau dafür.

Trump ruft zur Ignoranz der Fakten auf

Ob das für eine zweite Amtszeit genügen wird, entscheiden die Wähler und Wählerinnen im November, weshalb Trump zurück ins Oval Office gekehrt ist. Der US-Präsident will seine Infektion in eine Heldengeschichte umwandeln, damit sie ihm im Wahlkampf nutzen möge. Es handelt sich um denselben Präsidenten, der die Pandemie für beendet erklärte, während die Zahl der positiv Getesteten weiter klettert. 

Die Menschen sollten keine Angst haben vor Corona, schrieb er an seine Anhänger, sie sollten ihr Leben nicht von der Pandemie dominieren lassen. Wie so oft bei Populisten steckt in dieser Botschaft ein Funken Wahrheit. Denn es stimmt, dass ein Teil des alltäglichen Lebens weitergehen soll und muss. Menschen müssen zwangsläufig lernen, mit einem Virus umzugehen, gegen das es noch keinen Impfstoff gibt.

Doch was Trump meint, ist keine behutsame Öffnung der Aktivitäten. Er ruft zur kollektiven Ignoranz der Fakten auf und suggeriert, dass die Pandemie am Ende schon nicht so schlimm sei.

Trumps vermeintliche Demonstration der Stärke konterkariert dabei die erschütternde Realität in den USA. Das katastrophale Gesundheitssystem und die soziale Spaltung wurden durch die rasante Verbreitung des Virus entblößt, die Wirtschaft ist abgerutscht, im Vergleich zum Frühjahr wurden zehn Millionen Jobs vernichtet. Die Bilanz seiner Amtszeit ist nicht stark, sie ist blamabel. 

Außerdem kommt Trumps Aufruf zu einem immens gefährlichen Zeitpunkt. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Industrieländern haben es die USA nie geschafft, die Kurve der Zahl der Neuinfektionen abzuflachen.

Worte und Handlungen Trumps sind kontraproduktiv

Im Winter wird es keine zweite Welle geben, sondern eine Fortsetzung der gefühlt ewig tobenden ersten Welle. Studien stellen bereits eine „Covid-Müdigkeit“ fest, viele Menschen sind frustriert von Masken, Quarantäne und geschlossenen Schulen.

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In dieser Lage sind die Worte und Handlungen Trumps absolut kontraproduktiv. Denn es ist, wie es ist: Solange die USA die Pandemie nicht in den Griff kriegen, darf es kein Nachlassen der Vorsicht geben. 

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