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EnergiepreiseStromverbraucher zahlen bis zu 106 Prozent mehr für die Netze

Stromverbraucher müssen für die Nutzung der Stromverteilnetze tief in die Tasche greifen. Die Netzentgelte stiegen in den vergangenen Jahren stark an.Klaus Stratmann 10.10.2020 - 11:56 Uhr Artikel anhören

Die Preissteigerung fällt bundesweit nicht einheitlich aus.

Foto: dpa

Berlin. Die Kosten für die Nutzung der Strom-Verteilnetze laufen aus dem Ruder, in der Spitze stiegen sie von 2015 bis 2020 um 106 Prozent. Das belegt eine Auswertung der Daten des Analysehauses Ene’t durch den Stromanbieter Lichtblick. Die Auswertung liegt dem Handelsblatt vor. Sie untersucht die Zahlen aller 880 Verteilnetzbetreiber in Deutschland.

Allerdings fällt die Preissteigerung bundesweit nicht einheitlich aus. Die 106 Prozent markieren den Spitzenwert und betreffen die Stromverbraucher im Versorgungsgebiet der Gelsenwasser Energienetze GmbH. Im Durchschnitt betrug die Steigerung 25 Prozent.

Für einen durchschnittlichen Privathaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3000 Kilowattstunden bedeutet das eine Kostensteigerung von 47 Euro pro Jahr. Zur Einordung: Der Verbraucherpreisindex stieg im gleichen Zeitraum um 7,4 Prozent.

Damit entwickeln sich die Netzentgelte zum Hauptkostentreiber beim Strompreis. Sie machen mittlerweile rund ein Viertel des Strompreises aus und sind höher als die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die EEG-Umlage stieg von 2015 bis 2020 nur um 9,5 Prozent.

Mitte Oktober geben die Verteilnetzbetreiber die neuen Netzentgelte für 2021 bekannt. Mit weiteren Erhöhungen der Netzentgelte ist zu rechnen.

Die Netzentgelte bestehen aus zwei Komponenten: aus den Entgelten für die Verteilnetze und den Entgelten für die Übertragungsnetze. Die Lichtblick-Daten betreffen nur die Verteilnetz-Ebene.

Bei den Verteilnetzen, häufig betrieben vom örtlichen Stadtwerk, handelt es sich um die Netze, die den Strom bis zu jedem Haus bringen. Die vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland dagegen bauen und betreiben die großen Stromautobahnen, die den Strom quer durchs Land transportieren. Der größere Teil der Netzentgelte entfällt auf die Verteilnetze.

Die Übertragungsnetzbetreiber konnten zuletzt teilweise sogar sinkende Netzentgelte festlegen. So hatte beispielsweise der Übertragungsnetzbetreiber Tennet vor einigen Tagen angekündigt, seine Netzentgelte zum Jahreswechsel um 17 Prozent zu senken.

Für die Preissteigerungen auf der Verteilnetzebene gibt es verschiedene Ursachen. Einerseits macht die Energiewende Investitionen in die Netze erforderlich. Andererseits kritisieren insbesondere reine Stromanbieter ohne eigenes Netz, die Netzentgelte seien eine „Black Box“. Gerade Stadtwerke nutzten sie, um Profit zu machen. Sie würden die Netzentgelte künstlich hochhalten und könnten im Gegenzug Schnäppchen-Angebote für den Verkauf von Strom machen.

„Es braucht dringend mehr Transparenz über die Verwendung der Gelder und eine Reform des viel zu teuren Netzbetriebs“, sagte Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator Energie- und Klimapolitik bei Lichtblick, dem Handelsblatt. Auch die Vielzahl der Betreiber hält Schmidt-Pleschka für ineffizient.

Von den 880 Verteilnetzbetreibern versorgen 70 Prozent nicht einmal 30.000 Kunden. „Die Bündelung des Netzbetriebes in 25 regionale Cluster wäre ein entscheidender Schritt hin zu mehr Kosteneffizienz und Innovation im Stromnetz“, sagte er.

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Unterstützung erhält Schmidt-Pleschka von Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft: „Netzbetreiber profitieren im jetzigen System eher davon, eine Leistung ineffizient selbst zu erbringen, als eine Leistung von Dritten kostengünstiger einzukaufen. Damit werden auch effiziente Kooperationen zwischen Netzbetreibern verhindert und die teure, zersplitterte Struktur zementiert.“

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