Kommentar: Nicht der Hybrid ist der Schwindel, sondern was Autobauer daraus machen
Ford und BMW müssen wegen Brandgefahr bei Batterien zusammen Zehntausende Hybridfahrzeuge zurückrufen.
Foto: Ford-Werke GmbHDer Hybridantrieb hat es in der aktuellen Debatte nicht leicht: Politiker wie Cem Özdemir von den Grünen bezeichnen die Kaufprämie für die teilelektrifizierten Autos als „staatlich subventionierten Klimabetrug“. Denn viele Autofahrer würden ihre Fahrzeuge offenbar nicht laden, was zu einem höheren Verbrauch führt, weil die schweren Batterien vom Verbrennungsmotor mitgeschleppt werden müssen.
Für Schlagzeilen sorgt auch die Brandgefahr, die von fehlerhaft produzierten Batterien ausgeht. Ford und BMW müssen deswegen zusammen Zehntausende Hybridfahrzeuge zurückrufen. Der Eindruck, der entsteht: Die Hybridtechnologie ist eine Klima-Mogelpackung und noch dazu gefährlich. Beides jedoch stimmt nicht.
Vor allem die aktuellen Fälle bei Ford und BMW zeigen, wie unterschiedlich elektrifizierte Fahrzeuge und Autos mit Verbrennungsmotoren in der öffentlichen Wahrnehmung bewertet werden. Bestes Beispiel dafür ist Audi. Im April mussten die Ingolstädter fast 600.000 Fahrzeuge zurückrufen.
In einem Schreiben wurde Kunden empfohlen, ihr Auto doch bitte von Garagen, Parkhäusern und Carports fernzuhalten. Wegen eines fehlerhaften Startergenerators ging von den Autos Brandgefahr aus. Viele Kunden mussten mehrere Wochen mit dieser Gefahr leben, weil wegen der Coronakrise im April das Bauteil für den Umtausch nicht verfügbar war. Ein Aufschrei blieb damals aus.
Und dann ist da noch die weitverbreitete Auffassung, dass die Hybridtechnologie keinen umweltschonenden Beitrag leistet, weil Autobauer – vor allem deutsche – sie in schwere SUVs verbauen und Kunden die Batterien nicht laden würden.
Verschärfung der CO2-Grenzen nicht ernst genommen
Das Problem aber ist nicht die Technologie, sondern was die Autobauer mit ihr anstellen. Weil sie jahrelang die Verschärfung der Emissionsgrenzen nicht ernst genommen hatten, müssen Volkswagen, BMW und Daimler nun eilig ihren CO2-Flottenausstoß mithilfe der Hybridtechnologie reinwaschen.
Die Folge: Im Gegensatz zu Toyota, das bereits seit Jahrzehnten Hybridantriebe auch in kleinere Autos verbaut und die Grenzwerte einhalten kann, stopfen deutsche Hersteller Plug-in-Hybridantriebe vor allem in Spritschleudern wie SUVs.
Keine Schuld trifft die Autobauer aber, was das schludrige Ladeverhalten ihrer Kunden in Deutschland angeht. Nach wie vor fehlt hierzulande ein engmaschiges Ladenetz. Und egal ob Hybrid- oder Elektroauto, die Elektromobilität in einem Land entwickelt sich nur so gut wie ihre Ladeinfrastruktur – und für die muss auch die Politik sorgen.