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Dax aktuellDax schließt mehr als 600 Punkte fester – Hoffnung auf Corona-Impfstoff teilt die Börsenwelt neu auf

Die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff treibt den deutschen Leitindex wieder über die Marke von 13.000 Punkten. Aber es gibt auch Verlierer.Jürgen Röder, Andrea Cünnen, Anke Rezmer 09.11.2020 - 17:55 Uhr Artikel anhören

Die Anleger feiern die Biontech-Meldung.

Foto: Handelsblatt

Frankfurt, Düsseldorf. Die Aussicht auf einen Erfolg bei der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff hat am Montag am deutschen Aktienmarkt die Anleger in Hochstimmung versetzt. Zusätzlich befeuert vom US-Wahlergebnis schließt der Dax 4,94 Prozent höher bei 13.095 Punkten.

Der deutsche Leitindex verbucht damit seinen größten Tagesgewinn seit Mitte Mai. In der Spitze war er sogar zeitweise um mehr als sechs Prozent gestiegen.

Grund dafür war eine Meldung des Mainzer Biotechunternehmens Biontech, das bei seinem potenziellen Corona-Impfstoff vor dem Durchbruch steht. Aus der entscheidenden Studie mit der Impfung legten Biontech und sein US-Partner Pfizer am Montag positive Wirksamkeitsdaten vor. Demnach war das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, für Studienteilnehmer, die den Impfstoff erhielten, um mehr als 90 Prozent geringer als ohne Impfung.

Biontech und Pfizer sind damit die weltweit ersten Unternehmen, die erfolgreiche Daten aus der für eine Zulassung entscheidenden Studie mit einem Corona-Impfstoff vorgelegt haben. Beide Aktien legten kräftig zu.

Diese Biontech-Meldung hat, etwas überspitzt formuliert, die Börsenwelt neu eingeteilt: Die Gewinneraktien der Coronakrise zählen am heutigen Handelstag zu deutlichen Verlierern. Die Aktie des Essenlieferanten Delivery Hero verliert knapp sechs Prozent und ist damit zweigrößter Tagesverlierer im Dax. Die Anteilsscheine des Kochboxen-Versenders Hello Fresh fallen um 15 Prozent.


Auf der anderen Seite steigen die sogenannten Corona-Verlierer-Aktien deutlich. Im MDax steigen die Anteilsscheine von Lufthansa, Fraport und Airbus zwischen 18 und 22 Prozent. Größter Gewinner im Dax ist der Triebwerkshersteller MTU mit einem Plus von 16,6 Prozent. Zweistellig legen auch Allianz, Münchener Rück und Continental zu.

In der Hoffnung auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft von den Folgen der Coronavirus-Pandemie reißen sich Anleger um Finanzwerte. Der europäische Banken-Index steigt um mehr als zwölf Prozent. Das ist der größte Kurssprung seit zehn Jahren.

Bereits die Dax-Verschnaufpause von vergangenem Freitag mit einem Minus von 0,7 Prozent war aus technischer Sicht gesund und untermauert den aktuellen Aufwärtstrend, der mit einem Sprung über die wichtige Marke von 12.200 Punkten begonnen hatte. Noch am Freitag vor zehn Tagen lag der Dax zwischenzeitlich nur bei 11.450 Zählern.

„Die Rally aufgrund der Freude über den Wahlsieg Joe Bidens kann sich noch so lange fortsetzen, bis eine Skepsis über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen überhandnimmt“, beurteilte Sentimentexperte Stephan Heibel vor dem Börsenstart die Kursgewinne seit gut einer Woche.

Blick auf die Einzelwerte

Infineon: Der Chipkonzern hat im Geschäftsjahr 2019/20 einen Gewinnrückgang einstecken müssen und kürzt die Dividende. Der Umsatz stieg zwar per Ende September um sieben Prozent auf 8,57 Milliarden Euro, das Segmentergebnis schrumpfte aber um elf Prozent auf 1,17 Milliarden. Der Nettogewinn brach um 58 Prozent auf 368 Millionen Euro ein. Infineon kürzt die Dividende daher auf 22 (Vorjahr: 27) Cent je Aktie. Dennoch legt die Aktie um 3,6 Prozent zu.

Rheinmetall: Ein 27 Millionen Euro schwerer Auftrag der Bundeswehr ermuntert Anleger zum Einstieg bei Rheinmetall. Die Aktien des Rüstungskonzerns und Autozulieferers steigen um knapp sechs Prozent. Das Unternehmen soll Wärmebild-Zielgeräte für den Schützenpanzer Marder liefern.

Blick auf andere Assetklassen

Die Devisenanalysten der Commerzbank haben einen interessanten Vergleich zwischen dem Fußballklub Hamburger SV (HSV) und der Türkei aufgestellt. Denn HSV-Fans wissen, dass die ständigen Trainerwechsel nicht das Ende der sportlichen Misserfolge bedeuten.

Das muss die Türkei noch lernen, denn dort wurde zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit der Notenbankchef gefeuert. Nachfolger Agbal gilt als treuer Verbündeter Erdogans. Zudem hat offenbar Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak seinen Rücktritt als Finanzminister erklärt.

Die Reaktion an den Finanzmärkten: Die Lira steigt am heutigen Montag um rund fünf Prozent, im Gegenzug fällt der Euro wieder unter die Marke von zehn Lira. Derzeit sind es 9,60 Lira. Die Vermutung liegt nahe, dass der Kurs am heutigen Montag von den türkischen Behörden gesteuert wird.

„Lassen Sie sich nicht von der unmittelbaren Reaktion heute Morgen verwirren: Kurzfristig ist es der türkischen Politik und Zentralbank immer wieder mal gelungen, die Wechselkursentwicklung zu stabilisieren“, schreibt Devisenexperte Ulrich Leuchtmann am heutigen Montag. „Doch kann das so lange nicht von Dauer sein, wie das grundlegende Problem nicht angegangen wird: die mangelnde Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Geldpolitik.“

Die Commerzbank hat sofort ihre Prognose auf 11,50 Lira gegenüber dem Euro angehoben, versteht dieses Kursziel „eher als ein symbolisches Niveau als eine präzise Punktprognose“.

Für die Banker erscheint es plausibel, dass mit der Ernennung des neuen Notenbankchefs die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank endgültig erledigt ist und Staatspräsident Erdogan, der bekanntermaßen ein Feind von Zinsen ist, direkt die Geldpolitik befiehlt. Entsprechend dürften diese neuen politischen Turbulenzen den Charakter eines Endspiels beim weiteren Verfall der türkischen Lira besitzen, wie es die Commerzbank formuliert. Seit Jahresanfang hat sich die Währung gegenüber dem Euro mehr als halbiert.

Der Goldpreis ist am Montag zunächst auf 1965 Dollar gestiegen und hatte damit an die starken Kursgewinne der Vorwoche angeknüpft. Doch die Meldung über einen möglichen Corona-Impfstoff ließ den Preis absacken. Mittlerweile wird eine Feinunze des gelben Edelmetalls bei 1883 Dollar gehandelt, ein Minus von mehr als vier Prozent.

Rohöl war nach der Impfstoff-Meldung gefragt. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee stieg bis zum Abend um mehr als acht Prozent auf 42,68 Dollar je Barrel (159 Liter). Denn ein neuer Impfstoff dürfte das Wachstum der Weltwirtschaft fördern und damit auch die Ölnachfrage.

Was Aktienstrategen erwarten

Die Analysten der schweizerischen Großbank UBS glauben, dass die Rally noch etwas weitergehen kann. Sie gehen davon aus, dass sich vor allem zyklischere Werte gut entwickeln werden, die noch mehr Nachholbedarf haben.

Ein Grund dafür ist, dass die UBS-Strategen davon ausgehen, dass Biden trotz der voraussichtlichen Niederlage der Demokraten bei den Senatswahlen ein Konjunkturpaket durchsetzen wird. Die UBS rechnet mit einem Umfang von 500 Milliarden bis eine Billion Dollar.


Die Anleger haben am Montag positiv auf Joe Bidens Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl reagiert. Die Märkte hoffen auf eine weniger konfrontrative Außenpolitik, sagt der Finanzexperte von der Baader Bank.

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank: „Manche Kommentatoren trauen Präsident Donald Trump zu, die Stimmung mindestens bis zur Inauguration weiter anzuheizen.“ Stephan geht davon aus, dass die Finanzmärkte die Entwicklungen beobachten werden. Tendenziell ist er aber optimistisch. Geldpolitische und fiskalische Stimuli, verbunden unter anderem mit einer stärkeren Betonung von multilateralen Vereinbarungen in der Außenpolitik unter Joe Biden, seien sicherlich nicht die schlechtesten Voraussetzungen für risikoreichere Anlageklassen wie Aktien.

Esty Dwek, Leiterin der globalen Marktstrategie bei Natixis Investment Managers, erwartet ebenfalls eine zunächst noch anhaltende Rally. Unter anderen auch deshalb, weil die Machtverhältnisse im Kongress höchstwahrscheinlich weiter geteilt bleiben. Damit seien signifikante Steuererhöhungen und weitere einschneidende Regulierungsmaßnahmen voraussichtlich vom Tisch.

Victor Zhang, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft American Century Investments, ist zumindest kurzfristig skeptischer und erinnert daran, dass Märkte Unsicherheit hassen. Trotz der bislang begeisterten Reaktionen an den Aktienmärkten rechnet Zhang mit neuer Volatilität, falls eine der Wahlanfechtungen von Präsident Trump an Fahrt gewinnen sollte.

Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege bei der Commerzbank, wäre „nicht verwundert, wenn die „die Party in der laufenden Woche erst mal weitergeht“, allerdings mit weniger Schwung als in der Vorwoche. Es scheine so, als ob jeder etwas Positives aus dem Wahlergebnis herauslese. Joe Biden werde mit den Demokraten ein signifikantes Hilfspaket schnüren und die USA besser auf die Zukunft vorbereiten, etwa durch das Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.

Andererseits – so die Annahme – werden die Republikaner durch ihre Mehrheit im Senat wirtschaftsfeindliche Maßnahmen verhindern: Zerschlagung von Google und Facebook, höhere Steuern, mehr Regulierung. „Wann nach der ersten Euphorie eine nüchterne Betrachtung erfolgen wird, ist schwer zu sagen“, meint Schickentanz. Doch er geht davon aus, dass mittelfristig das „aus dem Ruder laufende Infektionsgeschehen, welches sich auch in den Makrodaten spiegeln wird, wieder in den Fokus rücken wird“.

Nobert Fey, Leiter des Fondsmanagements bei der Fürst Fugger Privatbank, sieht die steigenden Börsen eher skeptisch, weil die Börsen derzeit das Thema Corona verdrängen. Anders sei der massive Kursaufschwung der letzten Tage nicht zu interpretieren. Doch Fey warnt: „Sollten die geltenden Maßnahmen zur Infektionseindämmung nicht greifen, droht eine zusätzliche Verschärfung der Maßnahmen, wie wir sie bereits in den Nachbarstaaten sehen.

Spätestens dann dürften Konjunktursorgen in den Vordergrund rücken.“ Bis dahin spricht aus Feys Sicht indes der „saisonale Zyklus“ eher für steigende Kurse. Kurz vor Jahresschluss steigen die Börsen oft. Aus technischer Sicht nennt Fey die 90-Tage-Linie, die bei 12.776 Punkten verläuft, als erste Hürde für einen Dax-Anstieg auf 13.000 Punkte. Danach müsse der Dax aus technischer Sicht die Marke von 12.850 Punkten überwinden.

Paul Quinsee, Aktienchef bei J.P. Morgan Asset Management, meint ebenfalls, dass nun „ein großer Teil der Markterholung hinter uns liegt“. Mit Blick auf das vierte Quartal 2020 erwarten er und sein Team „vom aktuellen Niveau aus eher durchschnittliche als spektakuläre Erträge“. Die Bewertungen am Aktienmarkt gingen bereits von einer deutlichen Erholung der Gewinne aus und seien damit weniger attraktiv als noch im März, aber auch noch nicht besonders angespannt.

Bei Vergleichen zwischen Aktien und Anleihen schnitten Aktien nach wie vor besser ab. Angesichts der Hoffnungen und Erwartungen an eine medizinische Lösung für Covid-19 und der äußerst unterstützenden Geldpolitik falle es jedoch schwer, allzu vorsichtig zu sein.

„Nach einer drastischen Kürzung unserer globalen Gewinnerwartungen um 30 Prozent für dieses Jahr senkt unser Research-Team die kurzfristigen Gewinnprognosen mittlerweile nicht mehr und hat zuletzt sogar einige Aufwärtskorrekturen vorgenommen“, sagt Quinsee. „Insgesamt entsprechen deren Prognosen für 2021 in etwa den Werten vor der Pandemie für 2019. Deren langfristige ,normalisierte‘ Prognose, ein zentraler Bestandteil des hauseigenen Anlageprozesses, liegt jedoch rund zehn Prozent unter Vorkrisenniveau. Auch wenn regionale Nuancen in der Erholung zu erkennen sind, bleiben die Unterschiede zwischen den Branchen weitaus bedeutsamer – um nicht zu sagen extrem“, erklärt der Aktienchef. Im Energiesektor etwa seien die Erwartungen am stärksten eingebrochen.

Die JP-Morgan-Experten schauten nun in erster Linie auf die Aktienauswahl und weniger auf die Marktrichtung. Der Titelselektion komme nun eine entscheidende Rolle zu, meint Quinsee. Chancen sieht er etwa in angeschlagenen zyklischen Konsumgüterunternehmen, die nächstes Jahr von einer Erholung der Nachfrage profitieren dürften.

Zudem seien Investments in Autozulieferer, Halbleiterhersteller und Grundstoffunternehmen, die auf einen Aufschwung in der Automobilbranche ausgerichtet sind, attraktiv. Auch Wohnimmobilien seien ein weiteres Thema für die Portfolios.

Hinzu kommen Unternehmen mit Schwerpunkt erneuerbare Energien in Europa. Ebenso japanische Aktien halten sie für eine oft übersehene Chance.

Was die Charttechnik sagt

Mit dem Sprung über die Marke von 12.200 Zählern am vergangenen Dienstag hat sich das technische Bild am Aktienmarkt deutlich aufgehellt. Diese Marke war das untere Ende einer monatelangen Seitwärtsspanne, die Ende Oktober nach unten durchbrochen wurde. Nun notiert der Dax wieder in dieser Seitwärtsspanne, deren obere Marke bei rund 13.400 Zählern liegt. Bei Kursen oberhalb dürfte der Leitindex bald wieder das Allzeithoch in Angriff nehmen, das bei 13.795 Punkten liegt.

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Zudem gibt es bei rund 12.200 Zählern weitere wichtige Marken wie beispielsweise die 200-Tage-Linie, die von langfristig orientierten Investoren beachtet wird. Diese Linie notiert aktuell bei 12.067 Zählern und ist damit die wichtige quasi letzte Unterstützung, die halten muss.

Mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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