Spanien: Keine weitere Bankenfusion: BBVA und Banco Sabadell brechen Gespräche ab
Die Nummer zwei auf dem spanischen Markt fusioniert nicht mit der Banco Sabadell.
Foto: ReutersMadrid. Die Nachricht traf Experten und Anleger völlig überraschend: Die spanische Großbank BBVA und die viertgrößte Bank Sabadell beenden ihre Fusionsverhandlungen, nachdem sie diese erst vor knapp zwei Wochen gestartet hatten. Man habe sich nicht auf ein mögliches Umtauschverhältnis einigen können, erklärte Sabadell am Freitag. Sprich: Der aus Katalonien stammenden Bank war der Preis zu niedrig, den BBVA anbot.
BBVA ist die zweitgrößte spanische Bank und mit einer Marktkapitalisierung von 26 Milliarden Euro deutlich größer als Sabadell, die an der Börse auf zwei Milliarden Euro kommt. Ihr Aktienkurs brach am Freitag zunächst um 18 Prozent ein und schloss mit einem Minus von 13,6 Prozent. Die BBVA-Aktie stieg um knapp fünf Prozent.
Die abgebrochenen Gespräche sind ein Rückschlag für die laufende Konsolidierung von Spaniens Banken mitten in der Coronakrise. Mitte September hatten Bankia und Caixabank ihren Zusammenschluss zum größten Institut auf dem spanischen Markt bekannt gegeben. Die beiden kleineren Banken Unicaja und Liberbank nahmen daraufhin nach einem bereits gescheiterten Versuch ihre Gespräche wieder auf, BBVA und Sabadell bestätigten Verhandlungen.
Die Pandemie, von der Spaniens Wirtschaft besonders hart getroffen ist, erhöht für die Banken das Risiko von Kreditausfällen. In Zeiten anhaltend niedriger Zinsen sind Fusionen für die Banken eine Möglichkeit, Kosten zu sparen und sich für Investitionen in die Digitalisierung sowie für internationale Übernahmen zu rüsten.
Mitte November, wenige Stunden bevor die Gespräche zwischen BBVA und Sabadell bekannt wurden, hatte BBVA ihre US-Tochter für rund zehn Milliarden Euro an PNC Financial Services verkauft. Dadurch steigt die Abhängigkeit der global aufgestellten Bank von Emerging Markets wie der Türkei und Mexiko. Ein Zukauf in Spanien hätte das Verhältnis wieder ausgeglichen. BBVA muss nun überlegen, was sie mit den Erlösen aus dem US-Verkauf macht.
Britische Tochter TSB gilt als Hemmschuh für Fusion
Sabadell will den Fokus nun auf den spanischen Markt legen. Die katalanische Bank, die vor allem bei kleinen und mittelständischen Firmen stark ist, erklärte, sie werde strategische Alternativen für ihre internationalen Beteiligungen prüfen.
Die britische Tochter TSB galt als Hemmschuh für eine Fusion. Die Spanier hatten sie 2015 gekauft, aber der Brexit und eine schlecht gemanagte Fusion der IT-Plattformen drückten die Gewinne. Schon bevor die Gespräche mit BBVA begonnen hatten, hatte Sabadell Filialschließungen und einen Abbau von 1800 Jobs in Spanien angekündigt, um Kosten zu sparen. Das entspricht etwa jedem zehnten Arbeitsplatz.