Telematikinfrastruktur: Heilberufsausweis könnte Fristen bedrohen – Erneuter Streit zwischen KBV und Industrie
Die Heilberufsausweise sind im Gegensatz zu den Gesundheitskarten, die die Patienten benötigen, längst nicht flächendeckend ausgerollt.
Foto: ImagoDüsseldorf. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellt die Starttermine für die elektronische Patientenakte (ePA) und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) infrage. Hintergrund seien laut Vorstandsmitglied Thomas Kriedel Lieferprobleme bei den Herstellern elektronischer Heilberufsausweise (eHBA). „Wir haben deshalb Zweifel, ob es möglich sein wird, rechtzeitig zum 1. Juli (ePA) oder auch zum 1. Oktober (eAU) alle Praxen damit ausgestattet zu haben“, sagte Kriedel.
Für beide Anwendungen ist der eHBA obligatorisch. Offenbar seien die Kartenhersteller mit der Anzahl der Bestellungen überfordert, sodass es für Ärzte zu Wartezeiten von zwei bis drei Monaten käme, so Kriedel.
Die Hersteller allerdings widersprechen. Sofern die Antragsunterlagen der Ärzte bei ihnen vollständig eingegangen seien und die Kammer die Freigabe erteilt habe, dauere die Auslieferung des eHBA bloß fünf bis sieben Werktage, erklärte Rainer Pieper vom Anbieter SHC. Bei der Bundesdruckerei-Tochter D-Trust sind es nach eigener Aussage vier, bei Medisign vier bis sechs Wochen.
„Sollte es diese langen Wartezeiten also tatsächlich geben, liegt das sicher nicht an der Industrie“, sagte Medisign-Geschäftsführer Armin Flender Handelsblatt Inside. Das sieht auch Björn Kalweit, Leiter Operations bei der Gematik, so. „Leider ist die KBV-Information veraltet“, schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter. Alle Hersteller hätten ihre Prozesse verbessert und die Kapazitäten erhöht.