Telematikinfrastruktur: Digitale Krankmeldung droht, noch später zu starten
Wie lange müssen sich Arbeitnehmer noch selbst um ihre AU kümmern?
Foto: ImagoDüsseldorf. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) soll – abgesehen vom Abgleich der Versichertenstammdaten – zur ersten wirklichen Massenanwendung unter den Digitalprojekten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werden. Doch nachdem der Start erst vor wenigen Monaten von Januar auf Oktober 2021 verschoben worden war, könnte nun auch dieser Termin auf der Kippe stehen.
Mehrere ranghohe, mit dem Thema betraute Personen aus Krankenkassen- und Industriekreisen berichteten Handelsblatt Inside, dass aufgrund einer Reihe offener technischer Fragen der Start im Oktober fraglich sei. Dabei ist der Wunsch nach der eAU groß. Insbesondere bei den Kassen sorgt die teilweise händische Auswertung der Papier-AU für hohe Kosten.
Bislang erhalten Arbeitnehmer bei einer Krankschreibung drei Zettel von ihrem Arzt: für die Krankenkasse, für den Arbeitgeber und für sich selbst. Ab Oktober soll der für die Kasse wegfallen und der Arzt die AU direkt elektronisch dorthin schicken.
In der zweiten Stufe der eAU soll zudem der Arbeitgeber die AU bei der Kasse elektronisch abrufen können. Diese Stufe war vom Bundesarbeitsministerium ebenfalls verschoben worden. Der Start des Pilotprojekts ist nun für Januar 2022 vorgesehen, der Regelbetrieb ab Juli 2022. Doch auch diese Termine dürften bei einer Verschiebung der ersten Stufe erneut ins Wanken geraten.