Lebensversicherung: Warum die Lebensversicherer beim Thema Kapitalausstattung jetzt schnell handeln müssen
Gut verzinste Altverträge sind für die deutschen Lebensversicherer eine hohe Belastung.
Foto: imago/imagebrokerFrankfurt. Den deutschen Lebensversicherern läuft allmählich die Zeit davon. Schon länger ächzen sie unter den Niedrigzinsen, nun droht ihnen zusätzlich eine Verschärfung der Kapitalanforderungen. Viele der gut 80 Unternehmen müssen daher jetzt tätig werden, um ihre Finanzstabilität in der Zukunft sicherzustellen.
Ein Maßstab, der zeigt, ob die Versicherer ihren Verpflichtungen gegenüber den Kunden auch in Extremsituationen nachkommen können, ist die Solvenzquote. Diese gibt das Verhältnis von vorhandenen zu erforderlichen Eigenmitteln an. Versicherer müssen diese Kennzahl dauerhaft über 100 Prozent halten.
Schon heute haben einige Anbieter damit Probleme. Weiteres Ungemach kommt nun auf die Branche durch die von der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa vorgeschlagenen Modelländerungen an den Zinsstrukturkurven zu. Diese würden dazu führen, dass die Versicherer künftig noch mehr Kapital für ihre langfristigen Verpflichtungen vorhalten müssen.
Was die Regeländerungen für die Versicherer bedeuten könnten, verdeutlichen Oliver Wyman und Morgan Stanley in einer Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Für einen fiktiven Versicherer, der hauptsächlich klassische Lebenspolicen im Bestand hat und das Standardmodell nach Solvency II anwendet, haben die Berater ausgerechnet, dass die Solvenzquote deutlich fallen würde – und zwar von 147 Prozent auf 80 Prozent. Bereits ab 2024 könnten die neuen Regeln eingeführt werden.