Interview: Glücksforscherin Brohm-Badry: „Corona hat uns zurückgeworfen auf uns selbst“
„Arbeit stimuliert uns, wenn sie tatsächlich zu unserer Persönlichkeit passt“, sagt die Wissenschaftlerin.
Foto: Lemrich/Agentur FocusDurch die vielen Tage im Homeoffice verbringt Michaela Brohm-Badry viel mehr Zeit als sonst in ihrer 60-Einwohner-Gemeinde bei Trier. Gemeinsam mit ihrer Frau geht die Uni-Professorin in der Pandemie oft auf die Straße, spricht so viel mit den Nachbarn wie selten zuvor. Fürs Gespräch mit dem Handelsblatt muss der digitale Weg herhalten – was die 58-Jährige sehr bedauert.
Frau Brohm-Badry, wann macht Geld glücklich?
Wenn man am Existenzminimum lebt. Wenn man Geldsorgen hat und dann Geld hinzugewinnt – durch eine Gehaltserhöhung oder durch Zufall. Glücklich macht Zugewinn an Geld auch, wenn man unter 5000 bis 6000 Euro brutto als Haushaltseinkommen verdient. Bis dahin haben wir nachweisbar ein Anheben der Glückskurve.
Und bei noch mehr Geld endet die Kurve plötzlich?
Der Anstieg beim Glücksempfinden ist ab dann nur noch minimal. Nur die allgemeinen Lebenszufriedenheit nimmt noch etwas weiter zu.
Warum steigt das Glück ab dem Punkt nicht mehr weiter?
Weil unsere Grundbedürfnisse befriedigt sind. Wir unterscheiden zwischen intrinsischen und extrinsischen Lebenszielen. Geld ist extrinsisch, gilt schon seit der griechischen Antike nur als sekundär wichtig für ein gutes Leben.