Interview: „Wenn das so weitergeht, rufen in vier Wochen die Ersten nach dem Lockdown“: Kassenärztechef fordert Delta-Strategie
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung warnt davor, die Inzidenzen weiterhin in den Mittelpunkt der Corona-Politik zu stellen.
Foto: dpaBerlin. Angesichts steigender Fallzahlen hat der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, Bund und Länder dazu aufgerufen, schnellstmöglich eine Corona-Strategie zu erarbeiten.
„Wenn das so weitergeht, rufen in vier Wochen die Ersten nach dem nächsten Lockdown“, sagte Gassen dem Handelsblatt. „Schon jetzt müssen manche Kommunen durch die unsinnige Koppelung des Maßnahmenkatalogs an Inzidenzzahlen Corona-Maßnahmen verschärfen, dabei haben wir eine völlig neue Situation mit bereits jetzt 50 Prozent vollständig Geimpften.“
Die Maßnahmen sollten nicht von der Inzidenz, sondern von einer individuellen Abwägung vor Ort durch die Gesundheitsämter abhängig sein. „Wir müssen diese Maßnahmen zum Beispiel davon abhängig machen, wer sich infiziert. Dabei sollte es um das Alter gehen, um Impfstatus und Vorerkrankung – und wie hoch folglich das Risiko ist, schwer zu erkranken“, forderte er. „Gibt es zum Beispiel einen Ausbruch in einem Pflegeheim und die Älteren werden nicht krank, weil sie geimpft sind – kein Problem. Wenn sie hingegen erkranken, ist das etwas völlig anderes.“